Online-Assessment: Das musst du wissen.

Online-Assessment: Das musst du wissen.
Du willst dich bewerben und googelst schon fleißig nach Tipps für Vorstellungsgespräch und Assessment Center? Dann schalt ruhig nochmal einen Gang zurück – wegen des hohen Zeit- und Ressourcenaufwands setzen Unternehmen gerne weitere Tests vor das persönliche Kennenlernen: Nämlich Online-Tests bzw. Online-Assessments und sogenannte Self-Assessments. Im folgenden stellen wir in Zusammenarbeit mit unserem Gastautor und Experten Joachim Diercks, Geschäftsführer der CYQUEST GmbH, verschiedene Online-Assessments vor und erklären, was genau es damit eigentlich auf sich hat. Außerdem gibt es Tipps, wie du dich optimal auf Online-Assessments vorbereiten kannst.

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  1. Welche Online-Testverfahren gibt es?

    Die Bedeutung von Online-Assessments, auch e-Assessments genannt, nimmt im Rahmen der Personalauswahl sowohl bei Großunternehmen als auch Mittelständlern kontinuierlich zu. Online-Assessment-Verfahren werden dabei in zwei unterschiedlichen Ausrichtungen eingesetzt, die teilweise auch kombiniert werden:

    • Zum einen werden eignungsdiagnostische Online-Tests mit dem Ziel der Vorselektion eingehender Bewerbungen eingesetzt,

    • zum anderen dienen sie als sogenannte SelfAssessments der Verbesserung der bewerberseitigen Selbstauswahl.

    Als Folge wachsender gestalterischer Spielräume im Internet entwickeln sich diese Verfahren darüber hinaus zu wichtigen Instrumenten des Personalmarketings und Employer Brandings.

  2. Online-Tests als effizientes Mittel zur Bewerbervorauswahl.

    In der Folge veränderter Bewerbungsprozesse sehen sich viele, vor allem große Unternehmen einer Anzahl an Bewerbungen im Führungskräfte-Nachwuchsbereich gegenüber. Da bei diesen Bewerbern in der Regel noch kein jahrelanger beruflicher Entwicklungsweg vorliegt, bietet der Lebenslauf oft keine hinreichenden Unterscheidungsmerkmale. Das heißt, die Kandidaten weisen häufig ein hohes Maß an Homogenität auf, sodass für die verantwortlichen Recruiter ein hoher zeitlicher und finanzieller Aufwand entsteht, wenn alle diese Kandidaten auf Eignung und Passung unter die Lupe genommen werden sollen. Um Abhilfe zu schaffen, sind webbasierte Eignungstests ein sehr geeignetes Mittel zur verbesserten Vorauswahl potenziell geeigneter Bewerber.

    Die Online-Tests werden in den Personalauswahlprozess derart integriert, dass nach einer Vorauswahl auf Basis der Lebenslaufinformationen die verbliebenen Kandidaten zu einem Online-Test eingeladen werden. Durch den Online-Test wird eine Negativselektion der Bewerber vorgenommen, das heißt, es sollen diejenigen Bewerber identifiziert werden, die mit hoher Wahrscheinlichkeit nachfolgende Auswahlstufen nicht „überstehen“ würden. Der Anteil potenziell geeigneter Kandidaten – „Basisrate“ oder „Grundquote“ genannt – wird damit erhöht, was den zeitlichen und personellen Aufwand in den nachfolgenden Auswahlentscheidungen senkt. Die Entscheidung, welchen Kandidaten tatsächlich ein Einstiegsangebot unterbreitet wird, also die Positivselektion, erfolgt weiterhin im Rahmen der Mensch-Mensch-Prozesse im Rahmen von Interviews, Assessment-Centern etc.

    Dies ist auch wichtig im Hinblick auf den Einwand, dass Online-Assessments ja manipulierbar seien: Online-Tests treffen keine Entscheidung, sondern sie liefern zusätzliche Informationen, um Kandidaten in einer frühen Phase der Auswahl besser beurteilen zu können. Selbst wenn es einem Kandidaten gelänge, den Online-Test zu manipulieren, ist er noch lange nicht am Ziel. Am Ende folgt immer noch eine persönliche Auswahlsituation, in der er face-to-face überzeugen muss.

  3. Inhaltliche Schwerpunkt in Online-Assessments.

    Die Testung erfolgt meistens im Hinblick auf zahlen- und sprachgebundene sowie figural-bildhafte Denkfähigkeit, bei Bedarf auch hinsichtlich berufsrelevanter Persönlichkeitsfaktoren und Wissensaspekten. In Bezug aufs Fachwissen werden zum Beispiel mechanisch-technisches Verständnis, Rechtschreibfähigkeit oder Englischkenntnisse abgeprüft. Auch berufliche Interessen spielen eine Rolle.

    In Folge der zunehmend vielfältigeren Darstellungsmöglichkeiten im Internet ist ein deutlicher Trend zu Applikationen zu erkennen, die eignungsdiagnostische Aufgaben simulativ („spielerisch“) in einen berufsrealistischen Arbeitskontext einbinden, statt einfach itembezogen zu testen. Bearbeitet werden ganzheitliche Aufgabenstellungen, zum Beispiel die Erstellung eines Personaleinsatzplans oder die Bearbeitung einer Case Study. Dabei werden gerne sogenannte „Störer“ wie zum Beispiel Telefonanrufe integriert. Somit werden nicht nur eignungsdiagnostische Zielsetzungen erfüllt wie die Abfrage von Planungs- und Problemlösekompetenz oder Führungskompetenz, sondern Bewerber lernen zusätzlich etwas über das Unternehmen. Damit wird auch ein bedeutender Personalmarketing-Effekt erzielt und die Relation zur späteren Tätigkeit erhöht, sodass der Test an sich durch den Bewerber sehr gut angenommen wird.

  4. Bereich auf einen Blick.

    Grundsätzlich werden beim Online-Assessment drei Bereiche abgedeckt:

    1. Normative Testverfahren: Persönliche Eigenschaften wie Leistungsmotivation, Handlungsorientierung oder Kontaktfähigkeit werden auf die Probe gestellt.

    2. Ispative Testverfahren: Hier wird getestet, welche antrainierten Gewohnheiten Bewerber an den Tag legen, also welche Verhaltensweisen in welchen Situationen zum Vorschein kommen.

    3. Kritisch-orientierte Testverfahren: Im Fokus hier: Wie stark sind bestimmte Merkmale, Eigenschaften und Verhaltensweisen ausgeprägt?

    Im Kern wollen Unternehmen Antworten durch das e-Assessment auf die Fragen:

    • Was dich antreibt
    • Wie du arbeitest
    • Wie du mit anderen umgehst.

    Beispiele für Online-Assessment Verfahren.

    ABSOLVENTA
    Berufsbezogener Persönlichkeitstest als integrierter Bestandteil des Kandidatenprofils bei der Jobbörse ABSOLVENTA

    unique.st
    e-Test des Unilever Konzerns zur Vorauswahl des Führungsnachwuchses

    EDEKA eAssessment
    e-Test von Edeka zur Vorauswahl von Auszubildenden und Führungsnachwuchs

    Media-Saturn eAssessment
    e-Test von Media-Saturn zur Vorselektion von Bewerbern für den dualen Studiengang Internationales Handelsmanagement an der FH Ingolstadt

  5. Selbstselektion durch Self-Assessment Verfahren.

    Eine zusätzliche Ausrichtung des Einsatzes von Online-Assessment Verfahren ist die Nutzung als SelfAssessment-Applikation zur Selbsteinschätzung und -auswahl zum Beispiel in den Bereichen Studien- und Berufsorientierung. Die Zielsetzung ist es hierbei, die Kenntnis des Bewerbers hinsichtlich seiner persönlichen Kompetenzen und Interessen zu verbessern sowie eine umfangreichere Vorabinformation über das betreffende Unternehmen zu gewährleisten.

    Im Rahmen von SelfAssessments haben sich insbesondere zwei Ansätze etabliert:

    • In dem einen Ansatz besteht das SelfAssessment in der reinen Abfrage eignungsdiagnostischer Kriterien, wobei die Rückmeldung ausschließlich den User erreicht. In dieser Form ist das SelfAssessment mit dem e-Test inhaltlich nahezu identisch.

    • Den anderen Ansatz bilden sogenannten „Realistic Job Previews“. Durch moderne interaktive Darstellungsmöglichkeiten im Internet zum Beispiel mit Bewegtbild, werden realistische Einblicke in die Berufs- oder Studienwelt ermöglicht. Interessierten Usern werden in simulativer Form berufstypische Aufgaben übertragen, die die entsprechende Berufsrealität „erlebbar“ machen. Das individuelle Abschneiden in diesen Aufgaben wird ebenfalls individuell an den User zurückgemeldet und leistet somit einen sehr hohen Beitrag zur Berufsorientierung.

    Beispiele für Self-Assessment Verfahren.

    HAW-Navigator
    Interaktive Selbsttests für mehr als 30 Studiengänge an der HAW Hamburg

    CyPRESS
    Einblicke in das Traineeprogramm beim Medienkonzern Gruner + Jahr

    C!You
    Berufsorientierungsspiel, das über das Berufsbild „Beamter“ informiert

    Discover Bertelsmann
    Videobasierter Unternehmensrundgang bei Bertelsmann mit Selbsttest, welche Einstiegsmöglichkeit im Konzern am besten zu einem passt

    Probier dich aus
    Spielerisches SelfAssessment der Commerzbank

    …ich und meine Zukunft
    Simulatives SelfAssessment der DAK, das über den Beruf des Sozialversicherungsfachangestellten informiert

  6. Online-Assessments speziell für Trainee-Programme.

    Einige Firmen führen e-Assessments eigens für die Besetzung ihrer Trainee-Stellen durch. Das gilt beispielsweise für das e-Assessment des Hamburger Druck- und Verlagshauses Gruner + Jahr. Eingebettet in eine Rahmenhandlung lernen die Teilnehmer in dem Gruner & Jahr e-Assessment verschiedene Unternehmensbereiche kennen. Im Rahmen von interaktiven Aufgaben kann jeder überprüfen, ob einem typische Aufgabenstellungen – zum Beispiel in den Unternehmensbereichen Geschäftsentwicklung, Redaktion, Anzeigenverkauf oder Abo-Marketing – Freude bereiten und man darin seine berufliche Zukunft sehen könnte.

    Auch Bewerber, die sich bei Tchibo auf ein Trainee-Programm bewerben und die erste Vorselektion auf Basis der Lebenslaufdaten überstehen, bekommen anschließend eine Einladung zum Tchibo e-Assessment. Dabei werden die Kandidaten mit verschiedenen Testverfahren konfrontiert, die in Online-Tests ihre kognitive Leistungsfähigkeit, die Problemlösekompetenz und Planungsfähigkeit überprüfen sollen.

  7. Tipps für ein erfolgreiches Online-Assessment.

    Über die reine Vorbereitung durch Übung unter realen Bedingungen hinaus findest du hier Tipps, wie du einem Online-Assessment gelassen entgegentreten kannst:

    1. Happy Place: Wenn es ans Beantworten der Fragen geht, sorge im Vorfeld dafür, dass du eine Wohlfühl-Atmosphäre mit Power-Potenzial schaffst. Dazu gehört zum Beispiel, dass du frische Luft im Zimmer hast, eine angenehme, aber helle Beleuchtung sowie vor allem Ruhe. Das heißt, das Smartphone ausschalten, den Bass aus der Box des Mitbewohners leise drehen – oder auch einfach gute Ohrstöpsel am Start zu haben.

    2. Bist du schon drin? Das schönste Zimmer nützt nichts, wenn die Technik versagt. Ein schneller Laptop muss genauso her wie eine verlässliche Internetverbindung – sonst klaut dir das unnötig Zeit und Nerven, da es vom eigentlichen Ziel ablenkt. Da die meisten Tests auch am Stück bearbeitet werden müssen, wäre es auch mehr als ärgerlich, wenn du zwischendurch rausfliegst und dich dann vielleicht kein zweites Mal einloggen kannst.

    3. Ehrlich währt am längsten: Weiter oben haben wir bereits darauf hingewiesen, dass Online-Tests den Ruf haben, Anziehungspunkt für Schummler zu sein. Kann man machen, ist aber nicht schlau – denn spätestens im Assessment Center fliegst du auf. Außerdem: Bei Persönlichkeitstest gibt es kein richtig oder falsch, das heißt, es bringt hier auch nichts, zu spekulieren, was das Unternehmen will.

    4. Mut zur Lücke: Du kommst bei einer Frage so gar nicht weiter? Dann scheu dich nicht, sie erstmal zu überspringen, ehe du dich komplett darin verbeißt. Oder rate, falls es so ist, dass falsche Antworten keinen Abzug geben. In beiden Fällen kannst du später, wenn das Ganze auf Zeit geht und du am Ende noch was davon übrighast, nochmal in Ruhe zurückgehen und erneut einen Blick drauf werfen, ohne einen Berg von Aufgaben noch vor sich zu haben. Wichtig: Notiere dir auf jeden Fall die unsicheren Kandidaten unter den Fragen!

    5. Help: Überlege dir vorher, ob du irgendwelche Hilfsmittel brauchst. Dazu gehören zum Beispiel bei manchen Tests ein Taschenrechner oder ein Blatt Papier und ein Stift, damit du dir Zwischenschritte notieren kannst. Weitere Hilfsmittel werden dir auch in den Instruktionen zum Test angezeigt, falls nötig – es lohnt sich also, hier schon mal einen Blick drauf zu werfen, auch um zu checken, ob es Infos zum Ablauf oder zu bestimmten Aufgabentypen gibt. Gibt es keine Instruktionen, kannst du auch einfach mal googlen.