Assessment Center: Die 7 häufigsten Aufgaben.

Assessment Center: Die 7 häufigsten Aufgaben.
Da ist sie endlich, die Einladung zum langersehnten Assessment Center! Jetzt kann nichts mehr schiefgehen mit dem begehrten Trainee-Programm im Top Unternehmen… oder vielleicht doch? Was ist ein Assessment Center eigentlich und was erwartet mich dort, fragst du dich jetzt. Wir haben Antworten rund ums AC und stellen dir die 7 häufigsten Aufgaben vor, auf die du gefasst sein solltest.

Umfrage

Wo soll deine Auslandsstation im Trainee-Programm sein?


  1. Definition Assessment Center.

    Ein Assessment Center ist eine komplexe Form der Personalauswahl. Eine Trainee-Ausbildung ist teuer – gerade deshalb wird Wert auf Nachhaltigkeit bei der Suche nach geeigneten Kandidaten gelegt. Das klassische Assessment Center ist je nach Ausgestaltung eine relativ zuverlässige Methode, um Bewerber intensiv einer Persönlichkeitsprüfung zu unterziehen. 2015 haben bereits 32 Prozent dieses Auswahlverfahren angewandt, wie folgende Grafik zeigt:

    Quelle: Statista (2015) statista.com/statistik/daten/studie/409381/umfrage/auswahlverfahren-deutscher-unternehmen-bei-bewerbung-von-akademikern/

    Gerhard-Herrmann Koch, Personalberater und Betreiber der Webseite Karrierehandbuch.de, schätzt die Situation folgendermaßen ein:

    Assessment Center sind bei Großunternehmen weit verbreitet, vor allem wenn diese Unternehmen bei den Absolventen begehrt sind. Wenn ein Unternehmen tausende von Bewerbungen für nur wenige Trainee-Stellen erhält, sind Assessment Center zum Teil aber auch reine Notwehr.

  2. Ablauf des ACs.

    Beim Assessment Center handelt es sich um ein konzentriertes Auswahlverfahren, bei dem die Bewerber über eine Zeitspanne von ein bis drei Tagen auf Herz und Nieren bezüglich ihrer fachlichen Kompetenz und ihres sozialen Verhaltens getestet werden. Beim Assessment Center sind sogenannte Assessoren zugegen, die die Bewerber währenddessen beobachten, beurteilen und am Schluss entscheiden.

    Die Teilnehmerzahlen schwanken zwischen zwei und 20 Bewerbern. Damit sich das Ganze nicht übertrieben in die Länge zieht, werden die Teilnehmer oft in Gruppen eingeteilt – dementsprechend gibt es neben Einzel- auch Gruppenaufgaben, bei denen die Interaktion untereinander mit getestet wird.

    Da ein Assessment Center ein hohes Maß an Konzentration verlangt, sind die Pausen zwischendurch sehr wichtig. Doch sei auf der Hut: Personaler nutzen diese Gelegenheit gerne, um zum Beispiel das Benehmen und die Kommunikation bei Tisch unter die Lupe zu nehmen. Auf verfängliche Themen wie Religion und Politik sowie Alkohol solltest du im Zweifel besser verzichten.

  3. Was erhoffen sich Unternehmen davon?

    Eine beeindruckende Bewerbung sagt wenig darüber aus, wie sich eine Person im Arbeitskontext verhalten würde. Deswegen prüft das Unternehmen im AC gezielt arbeitsbezogene Kenntnisse. Auch wenn das Verfahren natürlich niemals die Realität perfekt widerspiegelt, wird die Vorhersagequalität erheblich gebessert – auch dadurch, dass oft qualifizierte und erfahrene Beobachter wie Psychologen eingesetzt werden und nur geschulte Personen das AC organisieren und durchführen. So verbessert sich außerdem unternehmensintern die Qualität von Beurteilungen.

    Ein weiterer Vorteil eines Assessment Centers ist für Unternehmen, dass eine sehr gute direkte Vergleichbarkeit zwischen den Teilnehmern gegeben ist. Das erleichtert die Entscheidung und bietet zudem Transparenz: Leicht kann nachgewiesen werden, dass die Auswahl allein aufgrund fachlicher und sozialer Kompetenzen erfolgt ist und im Sinne des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes gehandelt wurde.

  4. Expertenmeinung: So bereitest du dich vor.

    Oft heißt es, dass Kandidaten im Assessment Center möglichst authentisch bleiben sollen – doch reicht das wirklich oder braucht man ein richtiges Assessment Center Training im Vorfeld? Gerhard-Herrmann Koch rät:

    Man sollte sich vorbereiten. Die Assessment Center Vorbereitung gilt einerseits dem Unternehmen, indem ich alle Informationen sammle, die wichtig sein könnten. Also Branche, Produkte, Führungsstil, wichtige Manager etc. Sinnvoll ist es zudem, sich lange vorher, also noch im Studium, mit dem Handwerkszeug der Rhetorik und Dialektik vertraut zu machen und das Reden vor anderen Menschen zu üben. Es gilt auch, Präsentationstechniken zu trainieren, aktiv an Rollenspielen teilzunehmen und in Gruppenarbeiten Teamarbeit zu praktizieren. Ferner ist es wichtig, sich innerlich auf das Assessment Center einzustellen. Wie wirke ich und wie kann ich meine Wirkung optimieren? Im Assessment Center wird doch vorwiegend die Wirkung bewertet. Das sind der äußere Anschein und nicht die „inneren“ Werte und noch viel weniger die Fachkenntnisse. Mit dem Hinweis der Unternehmen, gelassen und authentisch zu bleiben, haben sie Recht – das ist in der Tat der wichtigste Rat.

  5. 7 Typische Assessment Center Aufgaben.

    Auf diese Aufgabentypen solltest du im AC vorbereitet sein:

    Vorstellung.

    Typ: Einzelaufgabe
    Dauer: 5 bis 15 Minuten
    Vorbereitungszeit: So viel du willst - zu Hause
    Das wird getestet: Individualität, Motivation, Rhetorik, Kommunikationsstärke, erster Eindruck
    So kannst du dich zu Hause vorbereiten: Vor Freunden oder Familie trainieren
    Typische Leitfragen.

    Stellen Sie sich der Gruppe vor. Erzählen Sie von Ihrem Werdegang und Ihren Zielen.

    Ziel der Vorstellungsrunde ist, dass sich die Bewerber gegenseitig kennenlernen und die Arbeitgeber einen ersten Eindruck über die rhetorischen Fähigkeiten der Kandidaten bekommen. In aller Regel beginnt der Bewerbungsprozess mit einer Unternehmensvorstellung durch den Moderator. Auch die Assessoren stellen sich kurz vor. Danach sind die Bewerber mit ihrer Selbstpräsentation zum Lebenslauf und zum persönlichen Hintergrund in Form eines kleinen Vortrags an der Reihe. Natürlich bleiben Bewerber, die sich (positiv) von den anderen abheben, eher im Gedächtnis. Empfehlenswert ist es, sich bei der Selbstdarstellung am Unternehmen und an der vakanten Stelle zu orientieren und Anknüpfungspunkte zur eigenen Vita herauszustellen.

    Zwei Varianten sind die Partnerpräsentation und die Gruppenpräsentation. Bei der Partnerpräsentation interviewt der Bewerber seinen Sitznachbarn und stellt ihn den Anwesenden vor. In der Gruppenpräsentation erläutern sich Bewerber in der Gruppe ihren beruflichen und persönlichen Hintergrund und präsentieren die Ergebnisse dann gemeinsam.

    Präsentation.

    Typ: Einzelaufgabe
    Dauer: 5 bis 30 Minuten
    Vorbereitungszeit: 3 bis 20 Minuten
    Das wird getestet: Präsentationsskills, Themenaufbereitung, Auffassungsgabe, Stressresistenz, Medienkompetenz
    So kannst du dich zu Hause vorbereiten: Dich über aktuelle Themen, das Unternehmen sowie die Branche gründlich informieren
    Beispielthemen.

    Wie kann aus einem schrumpfenden Markt langfristig mehr Wertschöpfung gezogen werden? Wie können soziale Medien genutzt werden, um die besten Nachwuchskräfte zu rekrutieren?

    Der nächste Schritt kann eine Themen- oder Stresspräsentation sein. Bei der Themenpräsentation muss ein Vortrag zu einem festgelegten Thema gehalten werden, zum Beispiel zu einem aktuellen Thema aus Politik, Wirtschaft oder Gesellschaft, zur Branche oder zur beruflichen Qualifikation. Hier geht es um Sachlichkeit, nicht um deine persönliche Meinung! Bei der sogenannten Stresspräsentation wird dem Bewerber nur wenig Zeit zum Vorbereiten gelassen, um die Belastbarkeit der Kandidaten zu testen. Kritische Zwischenfragen der Assessoren können die Schwierigkeit noch erhöhen.

    Postkorbübung.

    Typ: Einzelaufgabe, mt Eingriffen von außen
    Dauer: 20 bis 60 Minuten
    Vorbereitungszeit: keine
    Das wird getestet: Stressresistenz, Organisationstalent, Entscheidungsfähigkeit, Konzentration
    So kannst du dich zu Hause vorbereiten: Online üben
    Beispielaufgaben im Postkorb.

    Ein Mitarbeiter hat gekündigt, und du musst kurzfristig Ersatz finden. Gleichzeitig musst du eine Präsentation für den Chef vorbereiten und dafür sorgen, dass eine verspätete Lieferung doch noch pünktlich ankommt. Und deine Frau ruft an und bittet dich, deinen Sohn in einer halben Stunde von der Kita abzuholen. Apropos Frau: Morgen ist Hochzeitstag, und du hast noch kein Geschenk!

    Die Postkorbübung ist die klassische Aufgabe eines Assessment Centers. Der potentielle Arbeitnehmer muss unter erheblichem Zeitdruck zehn oder mehr Dokumente – zum Beispiel E-Mails mit zu erledigenden Aufgaben – sichten, priorisieren und gegebenenfalls delegieren. Dazu werden auch Störer wie Anrufe oder streitlustige Gesprächspartner eingebaut, um dich zu verunsichern. So testet das Unternehmen, wie strukturiert und belastbar du unter hohem Stress arbeitest.

    Gruppendiskussion.

    Typ: Gruppenaufgabe
    Dauer: 15 bis 45 Minuten
    Vorbereitungszeit: 10 bis 15 Minuten
    Das wird getestet: Kommunikationsstärke & Rhetorik, soziale Kompetenzen, Überzeugungskraft, zielorientiertes & logisches Denken, Sachlichkeit
    So kannst du dich zu Hause vorbereiten: Dich über aktuelles Geschehen informieren, mit Freunden diskutieren üben (dabei auch mal eine andere Meinung als die eigene vertreten)
    Beispiele für Diskussionsthemen.

    Schuluniformen – ja oder nein? Sollte Cannabis legalisiert werden? Welche Vor- und Nachteile hat der Brexit?

    Der Gruppe wird ein Thema zur Diskussion gestellt, das einen Unternehmensbezug haben kann oder eine aktuelle Tagesdebatte behandelt.

    Auch diese Aufgabe kann abgewandelt und verschärft werden: Eventuell wird die Gruppe dazu aufgefordert, sich ein Thema selbst auszudenken – der erste Härtetest, bei dem es sich empfiehlt, eine Abstimmung vorzuschlagen. Alternativ muss jedes Gruppenmitglied in eine fest vorgeschriebene Rolle schlüpfen, sodass eine fremde, gegebenenfalls unbekannte Position argumentativ vertreten werden muss.

    Bei der Gruppendiskussion ist es wichtig, logisch, sachlich, offensiv und überzeugend zu argumentieren, ohne aber die Meinung der anderen Teilnehmer zu übergehen.

    Rollenspiel.

    Typ: Gruppenaufgabe
    Dauer: 10 bis 30 Minuten
    Vorbereitungszeit: 5 bis 15 Minuten
    Das wird getestet: Stressresistenz, Konfliktfähigkeit, Entscheidungsfähigkeit, Kommunikationsstärke, Feingefühl, Führungskompetenz
    So kannst du dich zu Hause vorbereiten: Zu Hause durchspielen, ansonsten: ausgeschlafen und dadurch aufmerksam sowie entspannt sein
    Beispiele für Rollenspiele.

    Zwei Führungskräfte sitzen als Kunden vor dir und wollen die Kosten für ein Angebot wissen. Diese rechnest du in Excel aus, während die beiden alles tun, um dich zu stören und auf die Palme zu bringen – miteinander ein Streitgespräch führen, dir ins Wort fallen, telefonieren, mittendrin gehen wollen etc.

    Auf das Rollenspiel kann man sich vergleichsweise wenig vorbereiten. Üblicherweise handelt es sich dabei um eine Konversation zwischen dem Bewerber und einem oder zwei der Assessoren, bei der beispielsweise ein Mitarbeitergespräch, ein Beschwerdegespräch oder ein Verkaufsgespräch simuliert wird. Dabei gehen die Assessoren häufig aggressiv vor, um dein Verhalten in Stresssituationen zu checken. Es gilt, ruhig zu bleiben und sich nicht zu impulsiven Antworten hinreißen zu lassen. Die Kandidaten sollten in dem Beispiel vor allem Feingefühl an den Tag zu legen, denn der Kunde ist König.

    Fallstudie.

    Typ: Einzelaufgabe
    Dauer: 20 bis 30 Minuten
    Vorbereitungszeit: Keine
    Das wird getestet: Auffassungsgabe, Fachwissen, Belastbarkeit, analytisches Denkvermögen
    So kannst du dich zu Hause vorbereiten: Fachlich gut Bescheid wissen, sowohl über das Unternehmen und die Branche, als auch ein grundsätzlich wirtschaftliches Denken
    Beispiele für eine Fallstudie.

    Du bist Abteilungsleiter im Unternehmen und deine Abteilung macht Verluste aus verschiedenen Gründen, die dir im Rahmen der Case Study vorgelegt werden. Welche Maßnahmen ergreifst du, um sie zu retten?

    Bei der Fallstudie (engl.: Case Study) wirst du mit einer komplexen Problemstellung konfrontiert, die in aller Regel einen direkten Branchenbezug hat. Alternativ erwarten dich Brainteaser allgemeiner Art. Du musst dann das Problem anhand einer bestimmten Informationsmenge analysieren und Lösungsmöglichkeiten erarbeiten. Dabei ist es wichtig, konzeptionell vorzugehen und Handlungsalternativen zu berücksichtigen. Das Unternehmen testet mit der Aufgabe unter anderem die Auffassungsgabe und das analytische Denkvermögen der Bewerber.

    Interview.

    Typ: Einzelaufgabe
    Dauer: 30 bis 60 Minuten
    Vorbereitungszeit: Keine
    Das wird getestet: Deine Motivation, deine Persönlichkeit, deine Stärken & Schwächen, dein Fachwissen etc.
    So kannst du dich zu Hause vorbereiten: Über die Firma weißt du Bescheid, ausgeschlafen bist du, deine Motivation ist klar – sei einfach noch eine Stunde sympathisch und authentisch und stell dein Fachwissen unter Beweis. Dann läuft es!
    Beispielfragen.

    Warum wollen Sie unbedingt bei uns arbeiten? Wie lösen Sie Konflikte am Arbeitsplatz? Was ist die Eigenschaft, die Sie am meisten auszeichnet? Was wäre für Sie ein No-Go im Arbeitsalltag?

    Wie beim klassischen Vorstellungsgespräch steht beim Assessment Center-Interview die Bewerberpersönlichkeit im Mittelpunkt. Als Gesprächsaufhänger dient oft die Zusammenfassung des gesamten Assessment Centers und eine Selbsteinschätzung des Bewerbers. Die Assessoren zielen mit dem Interview darauf ab, die Motivation und die Stärken und Schwächen kennenzulernen. Ein natürliches Auftreten und eine individuelle Vorbereitung auf die ausgeschriebene Position erhöhen die Chancen, zu überzeugen.

  6. Allgemeine Tipps zum Assessment Center.

    Unabhängig von den Aufgaben gibt es Dinge, mit denen du auch ohne intensives Training viel wettmachen kannst. Hier unsere Tipps, mit denen du souverän durch jedes AC kommst:

    Fitness first: Komm ausgeruht und fit zum Assessment Center. Aufmerksamkeit ist sehr wichtig, denn ohne kannst du nicht gut zuhören!

    While you were sleeping:  Wenn du so gar nichts über die Firma oder deine Motivation zu sagen hast, kannst du gleich wieder schlafen gehen. Heißt: Informiere dich im Vorfeld gut über das Unternehmen, hab Kennzahlen parat und überlege dir genau, wie du dich präsentieren willst.

    You can do it: Oft ist vor allem wichtig, wie du etwas sagst. Es ist ok, nervös zu sein, aber übertriebene Unsicherheit empfiehlt sich nicht – sonst entsteht leicht der Eindruck, dass du mit Drucksituationen grundsätzlich nicht klarkommst. Selbstsicherheit gewinnt!

    Big Brother is watching you: Personaler lesen gerne zwischen den Zeilen. Im Klartext: Ist gerade Pause, heißt das nicht, dass du ein Nickerchen machen, die ganze Zeit an deinem Handy hängen, von deinem letzten Party-Wochenende erzählen oder ausgiebig rülpsen kannst.

    Teamplayer wanted: Klar, im AC seid ihr Konkurrenten und das Ziel ist, dich von den anderen abzuheben. Dennoch solltest du unbedingt die Gelegenheit nutzen, dich als Teamplayer zu präsentieren. Am Ende des Tages fällt die finale Entscheidung oft über Sympathie!

    Don’t be medieval: Benutze alle Medien, die dir zu Verfügung stehen – mit Beamer, Flipchart und Co. werden deine Präsentationen anschaulicher und du zeigst, dass Technik dich nicht kleinkriegt.

    You are what you wear: Das Auge entscheidet mit – wähle ein Outfit, das zum Unternehmen passt. Bist du dir unsicher, gilt: Lieber zu schick als zu lässig.

    Do you speak English? In der Stellenanzeige steht, dass Englischkenntnisse gewünscht sind? Dann sei darauf gefasst, dass das überprüft wird – gerne bei der Selbstpräsentation, in separaten Tests, im Interview oder auch mal bei einem Rollenspiel.

    Btw: Hast du was gemerkt? Anglizismen sind im Unternehmenssprech sehr verankert – also, be aware! Sonst weißt du am Ende gar nicht, wovon die Leute im AC sprechen.