Mentoring für Trainees.

Mentoring für Trainees.
Es gibt Dinge, durch die muss man alleine durch – der Berufseinstieg gehört aber zum Glück nicht dazu. Gerade bei Trainee-Programmen ist es mittlerweile gang und gäbe, dass man nicht nur fachlich in den verschiedenen Abteilungen betreut wird, sondern während der ganzen Zeit als Trainee einen Mentor als persönlichen Ansprechpartner an seiner Seite hat. Wie genau Mentoring aussieht, was die Vorteile sind und was du tun kannst, wenn es mit deinem Mentor so gar nicht passt, erfährst du hier.
  1. Definition: Das meint Mentoring.

    Mentoring bezeichnet ein Instrument der Personalentwicklung, bei dem einem unerfahrenen Berufseinsteiger ein erfahrener „alter Hase“ zur Seite gestellt wird. Was es in traditionellen Ausbildungsberufen schon lange gibt, setzt sich zunehmend auch in anderen Berufszweigen durch, vor allem bei Trainee-Programmen größerer Unternehmen. Nur hier heißt es nicht mehr Ausbilder und Auszubildender, sondern eben Mentor und Mentee. Diese Neubezeichnung des Mentoring dient auch zur Abgrenzung von den Ausbildungsberufen, bei welchen das System von Meister und Lehrling gesetzliche Pflicht ist. In den anderen Berufszweigen ist das Mentoring ein zusätzliches und damit nicht genau definiertes Angebot. In den meisten Fällen kannst du dich als Trainee oder Berufseinsteiger auf eine umfassende Betreuung freuen, das heißt, dein Mentor steht dir in den verschiedensten Rollen zur Verfügung, um dich bestmöglich zu unterstützen.

  2. Die Rollen eines Mentors.

    Der Mentor übernimmt im Rahmen eines umfassenden Mentorings mehrere Rollen:

    1. Als Vorbild steht er dir sozusagen als Lernobjekt zur Verfügung. Das heißt, er lässt dich zum Beispiel in Meetings dabei sein, bei Verhandlungen über die Schulter schauen und erklärt dir sein Vorgehen. Dabei kannst du proaktiv vorgehen und ihm so zeigen, wo deine Interessen liegen und wo du dementsprechend gerne Einblicke bekommen möchtest.  
    2. Als Berater ist er da, wenn du Fragen hast oder es Probleme gibt. Dabei unterstützt er deine Interessen, aber natürlich auch die des Unternehmens, und befindet sich damit auch in einer Vermittlerrolle. Außerdem berät er dich, wenn es um den nächsten Karriereschritt geht – zum Beispiel ist bei Trainee-Programmen oft zu Beginn noch die Zielposition offen.  
    3. Als Coach unterstützt er dich ebenfalls, wenn es um Karrierefragen oder deine persönlichen Kompetenzen geht, wobei Coaching weiter geht als eine einfache Beratung. Manchmal werden hierfür auch gezielt externe Coaches eingesetzt, die speziell ausgebildet sind. Hier werden verschiedene Techniken angewendet, aber auch persönliche Erfahrungen des Coachs spielen eine Rolle, sodass die Gespräche eher auf einer persönlichen und weniger auf einer fachlichen Ebene stattfinden.  
    4. Als Feedbackgeber gibt dein Mentor dir positive Rückmeldungen zu deinen Leistungen, aber natürlich auch Kritik bzw. konstruktive Verbesserungsvorschläge. Zum einen kann er deine Entwicklung beurteilen, zum anderen holt er sich von den Betreuern in den verschiedenen Abteilungen Feedback zu deinen fachlichen Leistungen ein.  
    5. Als Türöffner unterstützt dich dein Mentor durch seine Kontakte und seine Erfahrungen, auch in Hinblick auf deine weitere Karriere im Unternehmen. Als erfahrene Führungskraft ist er in der Regel sehr gut vernetzt und kann dir „wichtige“ Leute vorstellen, die so auf dich aufmerksam werden und dir Karriereperspektiven eröffnen können.

    Wie bereits erwähnt, können die verschiedenen Mentoring-Programme variieren. So mancher Mentor bemüht sich vermehrt, fachliche Kompetenzen weiterzugeben. Andere wiederum helfen dem Mentee bei den mentalen Anforderungen des Berufes. Und wieder andere verschaffen ihren Schützlingen ein hervorragendes Netz an Beziehungen. Dies hängt immer von der Unternehmensstrategie und dem jeweiligen Mentor ab. Im Idealfall deckt der Mentor alle drei Bereiche gleichermaßen gut ab. In jedem Fall aber bietet Mentoring als Werkzeug allen Beteiligten eine gute Chance, besser in ihrer Arbeit zu werden, indem sie Kompetenzen aufbauen und Erfahrungen sammeln.

    Auch wie viel Zeit dafür aufgewendet wird, kann variieren. Wichtig ist, dass du und dein Mentor eine Regelmäßigkeit aufbaut. Schief läuft etwas, wenn ihr nach einem halben Jahr merkt, dass ihr kaum mehr wisst, wie der andere aussieht, geschweige denn inhaltlich auf dem neusten Stand seid. Auch hier kannst du proaktiv vorgehen und regelmäßige Treffen einfordern, sollte das nötig sein.

  3. Vorteile Mentoring: Eine Win-win-Situation.

    Für den Trainee bzw. den Mentee ergeben sich folgende Vorteile:

    • Er lernt direkt die Techniken eines erfahrenen Kollegen, die ihm unmittelbar in seiner Arbeit helfen.

    • Er bekommt direktes Feedback und lernt so, sich selbst besser einzuschätzen.

    • Die Berufsfindung läuft schneller und transparenter.

    • Er profitiert vom bereits bestehenden Netzwerk seines Mentors.

    Für den Mentor bedeutet das Programm:

    • Der Mentor erhält kontinuierlich Einblicke in die aktuell wichtigen Themen für Berufseinsteiger und in den einzelnen Abteilungen, bleibt so up-to-date und bekommt frische Ideen.

    • Die sozialen Kompetenzen des Mentors werden geschult und er kann sich auch gezielt weiterbilden, zum Beispiel zum Coach.

    • Das Netzwerk kann zu anderen Mentoren erweitert werden, neue Verbindungen entstehen.

    • Durch das Mentoring kann der Mentee leichter ins Unternehmen integriert und damit unkompliziert als qualifizierter Nachwuchs gewonnen werden.

  4. Cross-Mentoring für Führungsanfänger.

    Cross-Mentoring ist insbesondere für Trainees spannend. Cross meint in diesem Fall, dass Mentees und Mentoren aus verschiedenen Branchen kommen und Gender unabhängig teilnehmen. Quer durch alle Führungsetagen sind erfahrene und aktive Profis bereit, sich für ein Jahr im Tandem den Fragen von Nachwuchskräften aus anderen Branchen zu stellen. Statt grauer Theorie erfährst du bewährte Lösungen aus der Praxis. Anders als im Coaching ergreifen die unabhängigen Mentoren Partei, haben Meinungen, streiten sich gerne konstruktiv und stehen auch mit einer starken Schulter zur Seite. Die hierarchische Unabhängigkeit und die sorgfältige Auswahl der externen Mentoren vorab sind dabei die wichtigste Grundlage für eine vertrauensvolle und erfolgreiche Zusammenarbeit. Themen wie „bin ich überhaupt eine Führungskraft“, Präsentationen, Arbeitsrecht, Rollen- oder Aufgabenwechsel, Demografie Management, Personalentwicklung und tagesaktuelle Fragen stehen im Mittelpunkt. Dies verlangt Einsatz auf beiden Seiten. Sollten Mentee und Mentor sich einigen, ist das Rückgrat des Programms gebildet. Wenn es nicht passt, gibt es ein erneutes Matching.

    Ein Beispiel: Cross Mentoring Deutschland.

    Am Programm von Cross Mentoring Deutschland (CMD) haben seit 2006 mehr als 250 Führungs- und Nachwuchsführungskräfte in über 15 Durchgängen teilgenommen. In einer einjährigen Ausrichtung sind in aller Regel zwölf Treffen pro Jahr mit dem Mentor, vier Workshops und jeweils Auftakt, Halbjahresbilanz und Abschluss vorgesehen. Der Jahresaufwand beträgt zwischen 40 und 50 Stunden für einen Mentee. Die Qualitätssicherung erfolgt dabei durch regelmäßige QM-Maßnahmen. Die Kosten für die Teilnehmer am Bremer Cross Mentoring (2350 Euro) übernehmen die ausbildenden Unternehmen.

    Weitere Informationen dazu findest du auf (www.crossmentoring-deutschland.de) und bei (www.forum-mentoring.de).

  5. Probleme beim Mentoring.

    Ein erfolgreiches Mentoring beruht auf Vertrauen und Kommunikation auf Augenhöhe. Gegenseitiger Respekt ist hier das A und O, besonders, wenn es um das Äußern von Kritik geht. Dein Mentor ist dazu da, dich zu fördern, und nicht, dich niederzumachen, wenn es nicht gut läuft. Die Schwere der Probleme kann dabei variieren: Manchmal stimmen einfach die Sympathien nicht und man fühlt sich deswegen mit seinem Mentor nicht richtig wohl – schwieriger wird es, wenn der Mentor seinem Mentee überhaupt keine Freiheiten lässt und ihn nur führen statt fördern will. Die Frage ist: Was kannst du tun, wenn es so gar nicht klappt zwischen euch und eher eine Last als eine Hilfe ist?

    Zunächst solltest du immer das persönliche Gespräch suchen und Probleme ansprechen. Das sollte nicht auf einer persönlichen Vorwurfs-Ebene geschehen, sondern sachlich und durch Ich-Botschaften. Bessert sich danach nichts und du hast das Gefühl, dass sich die Fronten eher verhärten, kannst du die Personalabteilung oder deinen Vorgesetzten aus deinem Bereich ins Boot holen und weitere Möglichkeiten besprechen. Wichtig ist, dass du deinen Ärger nicht einfach ungefiltert zum Ausdruck bringst. Selbst in großen Unternehmen sprechen sich solche Dinge rum und werden dabei gerne verfälscht, sodass die Unstimmigkeiten leicht auch auf dich zurückfallen können. Das kann dir zukünftige Chancen im Unternehmen verbauen, gerade, weil Teamgeist immer wichtiger wird. Insofern: Bleibe freundlich, sachlich und souverän, sei offen für Lösungsvorschläge und vermittle stets einen kooperativen Eindruck – dann bekommst du eventuelle Probleme beim Mentoring leicht in den Griff.