Trainees sind nur besser bezahlte Praktikanten? Zum Glück nicht mehr – doch wie viel du als Trainee verdienst, kann trotzdem stark variieren. Hier erfährst du, von welchen Kriterien dein Trainee-Gehalt abhängt, inwieweit es verhandelbar ist und was du mindestens verdienen solltest, um nicht über den Tisch gezogen zu werden.

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Trainee-Gehalt: Das Dilemma

Während der eine Trainee ein Jahresgehalt von über 60.000 Euro hat, kriecht der andere irgendwo bei 12.000 Euro brutto rum. Wieso ist das so? Es gibt verschiedene Einflussfaktoren auf das Trainee-Gehalt, aber auch ein grundsätzliches Problem, das eine gerechte Bezahlung erschwert: Der Begriff „Trainee-Programm“ ist nicht rechtlich geschützt. Das heißt, jeder Arbeitgeber kann etwas Anderes darunter verstehen und dementsprechend das Programm frei gestalten. Das kann sich positiv auswirken, wenn Unternehmen neue Wege gehen und außergewöhnliche Programme anbieten – aber auch nach hinten losgehen. Denn während die eine Firma in einem Trainee-Programm eine Art Spezialausbildung für High Potentials sieht, die dann später in verantwortungsvollen Führungspositionen sitzen sollen, ist ein Trainee-Programm bei kleineren Firmen nicht selten eine Art „Berufseinstieg light“. In dem zweiten Fall ist ein Trainee tatsächlich ein „besserer Praktikant“ und finanziell deutlich schlechter gestellt als ein Direkteinsteiger. In Zahlen ausgedrückt: 25 Prozent aller Trainees verdienen weniger als 1.455 Euro brutto im Monat, gleichermaßen aber haben 25 Prozent 4.246 Euro oder mehr auf dem Gehaltszettel stehen.

Trainee vs. Direkteinsteiger: Wer verdient mehr?

In der Regel verdient der Direkteinsteiger mehr als der Trainee. Mitarbeiter in Trainee-Programmen stecken für das Unternehmen noch in der Ausbildung und in sie wird erst einmal viel Geld investiert, indem zum Beispiel spezielle fachliche Schulungen oder Coachings angeboten werden. Bei einem guten Trainee-Programm sollte der Gehalts-Unterschied zum Direkteinstieg aber maximal bei fünf bis zehn Prozent liegen. Ist das Gehalt tariflich geregelt – oder in anderen Ausnahmefällen – verdienen Trainees und Direkteinsteiger oft sogar gleich. Trainees

Durchschnittsgehalt eines Trainees

Das durchschnittliche Trainee-Gehalt in Deutschland liegt bei circa 38.200 Euro jährlich, das sind pro Monat 3.183 Euro Bruttogehalt und circa rund 1.900 Euro Nettogehalt.

Zum Vergleich: Im Durchschnitt bekommt ein Direkteinsteiger rund 42.000 Euro brutto im Jahr. Zwischen dem Gehalt eines Direkteinsteigers und eines Trainees liegt somit eine Spanne von 3.800 Euro. 10 Prozent Unterschied kommen also ungefähr hin – im Durchschnitt. Dennoch ist die Kluft zwischen denjenigen, die sehr wenig verdienen als Trainees, und denjenigen, die ein richtig gutes Gehalt bekommen, recht hoch. Und woran liegt das?

Einflussfaktoren auf das Trainee-Gehalt

Auf das Trainee-Gehalt nehmen – neben der Willkür mancher schwarzen Schafe unter den Arbeitgebern – verschiedene Faktoren Einfluss: Dein Hochschulabschluss, das Bundesland, in dem du das Trainee-Programm absolvierst, die Unternehmensgröße – und nicht zuletzt die Branche, in der du als Trainee anfängst.

Auch deine bisherigen Erfahrungen, beruflich und auch außeruniversitär, können einen Einfluss auf deinen Verdienst haben. Hier stellen wir dir vor, was du erwarten kannst:

Faktor 1: Dein Hochschulabschluss

  • Nicht alle Unternehmen unterscheiden hier, aber durchschnittlich verdienst du mit einem Master 1.500 Euro mehr im Monat als mit einem Bachelor. Das überrascht nicht, da Master-Absolventen mit durchschnittlich zwei weiteren Jahren Ausbildung und einer bestandenen großen Prüfung mehr Fachwissen mitbringen. Außerdem kannst du damit rechnen, dass du als Bachelor-Absolvent bereits nach drei Jahren verdienst und zwei weitere Jahre später in der Regel auch schon eine Gehaltsstufe nach oben gerutscht bist. Grundsätzlich solltest du die Entscheidung, ob Master oder Berufseinstieg, nicht vom Gehalt abhängig machen, sondern nach deiner Motivation und deinem Interesse entscheiden.
  • Hast du ein Diplom, einen Magister oder ein Staatsexamen als Abschluss, studierst du im Durchschnitt so lange wie für den Master. Gehaltstechnisch kann man nicht generell sagen, wer mehr als der andere bekommt, auf jeden Fall aber mehr als mit einem Bachelor-Abschluss.
  • Du hast promoviert? Das zahlt sich in vielen Branchen aus, und und zwar in bis zu 32 Prozent Gehaltsunterschied. Gerade im naturwissenschaftlichen Bereich ist der Titel wichtig: Als Physiker zum Beispiel ist es schon schwer, überhaupt einen Job zu finden, wenn man keinen Doktortitel vorweisen kann. Doch gerade dieser Mehrverdienst ist für viele Firmen ein Knackpunkt – oft sind Promovierte für ein Trainee-Programm einfach zu teuer.
  • Wer an der Uni studiert, verdient meist durchschnittlich mehr als jemand, der einen Abschluss von einer Fachhochschule hat. Dieser Unterschied kann bis zu 9.000 Euro jährlich ausmachen – ein Punkt also, den du bei einer eventuellen Gehaltsverhandlung durchaus anbringen kannst.

Faktor 2: Das Bundesland

Schwaben sind geizig, in Düsseldorf herrscht purer Luxus und im Osten gibt es nur Hungerlöhne? Ganz so einfach ist es nicht, aber dennoch gibt es Unterschiede zwischen den Trainee-Gehältern in den Bundesländern. Hier siehst du, wer Spitzenreiter ist und wer das Schlusslicht bildet: Infografik: Trainee-Gehalt nach Bundesland

Quelle: gehalt.de

Faktor 3: Die Unternehmensgröße

Es gilt die Faustregel: Je größer das Unternehmen, desto höher das Gehalt. Das gilt nicht nur für Trainees, sondern für alle Beschäftigten – seien es Angestellte oder die Geschäftsführer. Wie sehr sich das Gehalt unterscheidet, ist krass: Vergleicht man ein Kleinstunternehmen mit fünf Mitarbeitern mit einem Großunternehmen mit 20.000, verdoppelt sich das Gehalt fast. Also, wenn du bei einem großen Unternehmen bist: Ruhig mal etwas anspruchsvoller an die Sache rangehen! Infografik: Trainee-Bruttogehalt nach Einstiegsart und Unternehmensgröße

Quelle: https://de.statista.com/statistik/daten/studie/193726/umfrage/jahresverguetung-von-akademikern-in-deutschland/

Faktor 4: Deine Branche

Einen entscheidenden Einfluss auf dein Trainee-Gehalt hat auch die Branche, in der du tätig bist. Luft- und Raumfahrttechnik vs. „was mit Medien“ – wahrscheinlich wirst du schon ahnen, wer hier mehr Gehalt einsackt. Besonders gute Karten haben Trainees im Finanzsektor, aber auch, wenn du in der Chemie & Pharmaindustrie, in der Stahlindustrie und im Automotive -Bereich tätig bist, gehörst du zu den Spitzenverdienern unter den Trainees. In der Touristik, in der Werbung oder im Öffentlichen Dienst hingegen fällt das Gehalt deutlich geringer aus. Im Detail sieht die Verteilung des durchschnittlichen Verdienstes so aus:

Branche Trainee-Jahresgehalt
Banking 52.608 Euro
Chemie/Pharma 50.827 Euro
Stahlindustrie 49.029 Euro
Automotive 48.000 Euro
Maschinenbau 47.303 Euro
Versicherung 46.710 Euro
Energiewirtschaft 46.029 Euro
Elektro-Technik 45.612 Euro
Kfz-Zulieferer 45.612 Euro
Bauwesen 45.030 Euro
Fahrzeugtechnik 44.500 Euro
Konsum 42.242 Euro
IT-Dienstleister 42.000 Euro
Consulting/Beratung 41.765 Euro
Telekommunikation 41.038 Euro
Logistik 40.848 Euro
Medien 38.817 Euro
Öffentlicher Dienst 36.570 Euro
Tourismus 23.900 Euro
Marktforschung/Werbung 23.000 Euro

Quelle: alma Mater Gehaltstudie & gehalt.de

Faktor 5: Deine Fachrichtung

Aus dem Ranking nach Branchen lässt sich auch ablesen, inwiefern deine Studienrichtung Einfluss auf dein künftiges Trainee-Gehalt hat. Hier eine Übersicht für Ingenieure, ITler, Geisteswissenschaftler, Wirtschaftswissenschaftler und Naturwissenschaftler über die Trainee-Gehälter nach Fachrichtung:

Fachrichtung Unteres Quartil* Median** Oberes Quartil***
Ingenieure 38.000 Euro 41.000 Euro 44.500 Euro
IT 36.000 Euro 39.800 Euro 41.400 Euro
Geisteswissenschaftler 24.100 Euro 28.200 Euro 32.000 Euro
Wirtschaftswissenschaftler 35.000 Euro 37.500 Euro 41.000 Euro
Naturwissenschaftler 37.500 Euro 40.300 Euro 42.700 Euro
*Unterstes Quartil
Genau ein Viertel der Personen in der Vergleichsgruppe verdient weniger als den Wert des unteren Quartils.
**Median
Genau die Hälfte der Personen in der Vergleichsgruppe verdient weniger und die andere Hälfte mehr als den Medianwert.
***Oberstes Quartil
Ein Viertel der Personen in der Vergleichsgruppe verdienen mehr als den Wert des oberen Quartils.

Faktor 6: Das gewisse Etwas

Zusätzlich zu den äußeren Faktoren kannst du durch deinen persönlichen Lebenslauf dein Trainee-Gehalt positiv beeinflussen. Bringst du bereits Praxiserfahrung mit, hast ein Jahr im Ausland gelebt oder dich ehrenamtlich engagiert, kannst du damit Zusatzqualifikationen vorweisen, die die Personaler happy machen und dir bessere Chancen bieten. Ideale Voraussetzungen also, um in die Gehaltsverhandlung einzusteigen – doch gibt es die bei Trainee-Programmen überhaupt?

Deine Gehaltsvorstellung als Trainee in Bewerbung und Gehaltsverhandlung

Bei Festanstellungen wird meist sehr direkt nach der Gehaltsvorstellung gefragt, aber bei Trainee-Programmen verhält sich die Sache etwas anders. Das Gehalt ist in der Regel von vornerein festgelegt – insofern solltest du es nicht in die Bewerbung schreiben, wenn in der Stellenanzeige nicht explizit danach gefragt wird. In der Regel wird das Thema spätestens, wenn dir ein Angebot gemacht wird, angesprochen. Je nachdem, wie viel praktische Erfahrung und welchen Abschluss du hast, kannst du versuchen, noch zu handeln. Dabei gilt: Weder zu hoch-, noch zu tiefstapeln! Verlangst du zu viel, kann dies das Aus für den Job bedeuten, aber unter Wert darfst du dich auch nicht verkaufen. Lege am besten eine Untergrenze fest, unter die du auf gar keinen Fall gehen willst, und verlange dann etwas mehr, als du gerne haben möchtest. So hast du einen realistischen Wert, bei dem du Verluste verschmerzen kannst und das Job-Angebot nicht gefährdest.

Tipp

Setze deine Vorstellung auch in Relation damit, wie lange das Trainee-Programm dauert und wie es um die weiteren Karriereaussichten steht. Verdienst du wenig als Trainee, wirst danach aber sicher übernommen und das Trainee-Programm dauert nur sechs Monate, kann das besser sein, als wenn du 36 Monate bei ungewisser Zukunft, aber guter Bezahlung beschäftigt wirst.

Nettolohn- Rechner

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Was tun, wenn du als Trainee zu wenig verdienst?

Kommt dir dein Trainee-Gehalt außergewöhnlich niedrig vor, kannst du auch im Laufe der Zeit nach der Karriere- und damit Gehaltsentwicklung fragen. Darauf bereitest du dich am besten vor, indem du

  1. deine geleisteten Projekte zusammenträgst,
  2. darlegst, wie du dich fachlich und persönlich weiterentwickelt hast und
  3. erklärst, wo du langfristig hinmöchtest.

Ist keine direkte Gehaltserhöhung möglich, kannst du auch versuchen, auf indirektem Wege mehr für dich rauszuschlagen. Der sogenannte geldwerte Vorteil beschreibt Sachleistungen, wie zum Beispiel ein Firmenhandy oder einen Dienstwagen, aber auch weniger greifbare Dinge wie Fortbildungen, Rabatte oder Umzugskosten. Wichtig ist, auch beim geldwerten Vorteil auf die korrekte Versteuerung zu achten.

Dein Gehalt nach dem Trainee-Programm

Nach dem Trainee-Programm werden die Karten neu gemischt: Bei einem guten Trainee-Programm erwartet dich im Anschluss an das Trainee-Programm direkt eine Festanstellung und damit in der Regel eine Gehaltserhöhung. Durchschnittlich erwartet dich eine Gehaltssteigerung von 25 Prozent in den ersten drei Jahren nach Abschluss des Studiums. Auch hier wirken sich wieder die Faktoren Unternehmensgröße und Branche sowie deine als Trainee erbrachten Leistungen auf die Höhe des Gehalts aus, aber natürlich auch deine Zielposition. Da die Unternehmen viel in Trainees investieren, sind im Anschluss nicht selten Management-Positionen vorgesehen, die dementsprechend entlohnt werden. Aber auch als Fachkraft kannst du dich auf einen Gehaltssprung freuen. Je nachdem, in welchem Bereich du tätig bist, kann auch ein variabler Gehaltsbestandteil dazukommen, der von deiner Leistung abhängt.

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Konkrete Trainee-Gehälter von Firmen im Vergleich

Durchschnitt ist schön und gut – aber was verdient man konkret bei Unternehmen? Nicht alle Unternehmen lassen sich hier in die Karten schauen. Meist finden sich beim Gehalt Angaben wie „überdurchschnittlich“, „branchenüblich“, „marktkonform“, „marktüblich“, „fair“ oder „attraktiv“. Auch gibt es manchmal die Ansage, dass das Trainee-Gehalt Verhandlungssache ist. Und Umschreibungen wie „variabel“ und „leistungsabhängig“ liest man öfters.

Es gibt jedoch Unternehmen, die mit der Gehaltsfrage offen umgehen. Hier einige Beispiele für Gehaltsangaben von Unternehmen – unter Berücksichtigung von Dauer sowie weiteren monetären bzw. sachlichen Benefits, wie der Art des Vertrages:

Unternehmen Verdienst Dauer Sonstiges
ALBA 40.000/Jahr 12 Monate Unbefristeter Vertrag
ALDI Süd 65.000/Jahr 12 Monate Firmenwagen
BBDO 24.000/Jahr 18 Monate 500 Euro Wohnungszuschuss
British American Tobacco Ab 54.454/Jahr 24 Monate Vermögenswirksame Leistungen
CocaCola 42.000/Jahr 18 Monate
Deutsche Post 41.000/Jahr 18 Monate
Dr. Oetker 47.000/Jahr 18 Monate Unbefristeter Vertrag
eismann 36.000/Jahr 14 Monate Unbefristeter Vertrag, weitere Prämien
Fraport 42.000/Jahr 12 Monate Unbefristeter Vertrag
Galeria Kaufhof 40.000 bis 42.000/Jahr 18 bis 24 Monate Unbefristeter Vertrag
Hydro Aluminium 46.000 bis 49.000/Jahr 15 bis 24 Monate Gehalt tariflich nach Metall- oder Chemietarif geregelt
Malteser 36.000/Jahr 18 Monate Zielposition: Operative Führungskraft Non-Profit-Management
Media-Saturn 42.000/Jahr 18 Monate Unbefristeter Vertrag; nach Trainee-Programm: 45.000/Jahr
Mindsquare 1.400/Monat 4 Monate Unbefristeter Vertrag; nach Trainee-Programm: 46.000/Jahr, innerhalb von fünf Jahren auf ca. 75.000/Jahr
Reemtsma 50.000/Jahr 24 Monate Nach einem Jahr Erhöhung
Salesjob 1.000/Monat 6 Monate
Schott Mindestens 45.000/Jahr 18 bis 24 Monate
Spectrum 39.000 bis 45.000/Jahr 24 Monate
Syngenta 39.000/Jahr 12 Monate
SRH Kliniken 36.000/Jahr 18 bis 24 Monate Wohnraum wird zur Verfügung gestellt
Tchibo 45.900/Jahr 15 bis 18 Monate Gehalt im ersten Jahr nach dem Trainee-Programm festgesetzt
TUI 36.400/Jahr 18 Monate Plus Zulagen
Unilever Ab 45.000/Jahr 24 bis 18 Monate Unbefristeter Vertrag

Tipp

Eigentlich passt alles, doch das Gehalt erscheint dir zu wenig und ist auch nicht verhandelbar? Kein Grund, das Trainee-Programm direkt abzulehnen. Denn nur, weil das Gehalt dürftig ausfällt, heißt das noch nicht, dass das Programm schlecht sein muss! Auch kleine Unternehmen können karrierefördernde Programme mit einer steilen Lernkurve anbieten, sind dafür aber manchmal einfach nicht in der Lage, die Trainees großzügig zu vergüten. Also: Think positive und schau dir erstmal genau an, welche Kriterien jenseits des Gehalts elementar für deine Entscheidung sind.

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