Ideal für Quereinsteiger und Co.: „No-Name-Trainee-Programme“ als Karrieresprungbrett

Schon wieder eine Absage auf deine Trainee-Bewerbung bekommen? Die Teilnahme an Trainee-Programmen bei Global Playern wie Daimler, Siemens oder Lufthansa ist meist nur Überfliegern vorbehalten. Keine Ausrede, den Kopf in den Sand zu stecken und sich das Trainee-Programm abzuschminken! Hast du mal darüber nachgedacht, es einfach bei einem kleineren Unternehmen zu versuchen? Hier erfährst du, wie du als Quereinsteiger, Studienabbrecher, Absolvent eines Orchideenfachs oder einfach nur als durchschnittlicher Student ein Trainee-Programm bei einem Unternehmen ohne großen Namen als Karrieresprungbrett nutzen kannst!

Inhalt:

  1. Quereinsteiger auf dem Arbeitsmarkt: Das Problem
  2. Die Lösung: Think small
  3. Vorteile von Trainee-Programmen bei KMU
  4. Nachteile von Trainee-Programmen von KMU
  5. Initiativen zur Verbesserung

Das Dilemma

Du hast kein Prädikatsexamen, das Auslandssemester ausgelassen, ein Orchideenfach studiert oder gar das Studium abgebrochen, in den Semesterferien Urlaub statt Praktika gemacht und kein ehrenamtliches Engagement vorzuweisen?

Stimmt auch nur eine Sache davon, wird es schon schwer, zu einem Vorstellungsgespräch in die heiligen Hallen eines großen Konzerns eingeladen zu werden. Ob Studienabbrecher, Quereinsteiger, Geisteswissenschaftler oder Durchschnittsabsolvent: Gerne stecken Personaler jeden, der von der Elite-Norm abweicht, in eine Schublade. Und selbst wenn du es schaffst, erwartet dich ein mehrstufiges Auswahlverfahren, bei dem ordentlich ausgesiebt wird. Dass du der motivierteste, bestqualifizierteste, netteste Bewerber bist und man mit einem Germanistikstudium auch ein richtig guter Unternehmensberater sein kann, kannst du dann leider oft gar nicht mehr zeigen, weil der 1er-BWLer mit den Erlebnissen seines einjährigen Shanghai-Aufenthalts alle an die Wand redet. Du bist dir aber sicher, dass ein Trainee-Programm genau der richtige (Quer-)Einstieg für dich wäre? Dann muss eine Lösung her:

Die Lösung: Think small!

Will es bei den Großen nicht klappen, ist es an der Zeit, den Fokus zu ändern und Ausschau nach kleinen und mittelständischen Unternehmen zu halten. Bei den sogenannten KMU ist der Andrang nicht so groß, dementsprechend steigen die Chancen von Quereinsteigern und Co. auch ohne einen hervorragenden Lebenslauf. Klingt nach einem perfekten Deal, aber dennoch ist es wichtig, dass du dir der Vor- und Nachteile eines Trainee-Programms bei einem kleinen Unternehmen bewusst bist und einige Sachen beachtest.

Keine Angst vor kleinen Unternehmen: Die Vorteile

Klaus Nathusius, Honorarprofessor der Georg-August-Universität Göttingen, rät seinen Studenten zum Berufseinstieg bei kleinen und mittleren Unternehmen:

Dort lernen sie aufgrund der geringen Betriebsgröße zwangsläufig das ganze Unternehmen kennen.

Bei einem DAX-Konzern laufe man dem Geschäftsführer als Berufseinsteiger normalerweise nie über den Weg, geschweige denn spricht mit ihm.

Im Mittelstand aber passiert das jeden Tag. Da kann man sehr viel für die weitere Karriere lernen,

so Nathusius.

Bei kleineren Unternehmen kennt jeder jeden, denn allein durch die räumliche Nähe erhält man automatisch mehr Einblicke in die anderen Abteilungen und arbeitet, wenn Not am Mann ist, zeitweise auch in allen Bereichen mit. Dadurch lernt man nicht nur die unterschiedlichen Abteilungen kennen, sondern entwickelt auch ein Verständnis dafür, wie ein Unternehmen als ganzes funktioniert. Genau das ist ein wesentliches Kennzeichen eines guten Trainee-Programms.

Vorteile eines kleinen Unternehmens im Überblick:

  • Flache Hierarchieebenen
  • Kontakt zur Geschäftsführung
  • Gesamtüberblick über die Zusammenhänge
  • Persönliche Arbeitsatmosphäre, meistens duzt man sich vom Prakti bis zum Geschäftsführer, oft ist der Dresscode entspannter
  • Möglichkeiten, Allround-Wissen aufzubauen und auch abteilungsübergreifend mitzuarbeiten
  • Kürzere Entscheidungswege und direktere Kommunikation

Obacht: Hier verstecken sich Nachteile

Wer als Quereinsteiger als Trainee bei einem kleinen Unternehmen landet, muss sich allerdings auch auf Nachteile gefasst machen. Dazu zählen zum Beispiel ein geringeres Gehalt oder schlechte Übernahmechancen. Leider ist es auch nicht unüblich, dass Trainees zwar tatkräftig praktisch mitarbeiten, dabei aber weitgehend allein gelassen werden und Dinge wie Mentoring oder Weiterbildungen einfach wegfallen – sei es wegen fehlender Mittel dafür oder aus Desinteresse, den Trainee wirklich auszubilden; wozu auch, wenn sowieso keine Übernahme geplant ist. Apropos: Es kann vorkommen, dass sich am Anfang vage über die Übernahmechancen geäußert wird, obwohl eigentlich schon feststeht, dass es keine Vakanzen gibt. Hier lohnt es sich, genau hinzuschauen, damit du nicht mit dem Gefühl endest, nur als günstige Arbeitskraft vorübergehend eingestellt zu sein.

Deswegen ist es wichtig, dass du im Vorstellungsgespräch genau abklopfst, wie die Konditionen aussehen, wie die Zusammenarbeit abläuft und inwiefern du Chancen hast, nach dem Programm im Unternehmen zu bleiben. Wird hier rumgedruckst oder du mit vagen Aussagen abgespeist, lieber Finger weg!

Auf einen Blick: Folgende Anzeichen sprechen dafür, dass etwas schiefläuft:

  • Du bringst dir weitgehend alles selber bei – „Weiterbildungen“ beschränken sich darauf, dass dir der Kollege mal fünf Minuten etwas erklärt oder der Chef dir einen Text zuschickt, den du lesen sollst
  • Wenn es um eine mögliche Übernahme geht, wird immer was von „grundsätzlich möglich, da müssen wir mal schauen“ gemurmelt
  • Du hast das Gefühl, dass du Aufgaben erledigst, die anderen lästig sind und die dich überhaupt nicht weiterbringen
  • Andererseits bekommst du Verantwortung übertragen, wirst damit aber komplett allein gelassen
  • Du wirst nicht wirklich betreut und bekommst kein Feedback zu deiner Arbeit, sodass du nicht das Gefühl hast, dich weiterentwickeln zu können

Tipp:

Lass dich von möglichen schwarzen Schafen nicht abschrecken! Es wäre falsch, kleine oder mittelständische Unternehmen von Grund auf auszuschließen. Selbst wenn du zum Beispiel sicher nicht übernommen wirst, aber dafür trotzdem eine sehr gute Ausbildung bekommst, hast du dadurch alle Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Auch ein geringeres Gehalt kann durch Vorteile wie direkten Kontakt zur Geschäftsführung ausgebügelt werden. Und selbst wenn Weiterbildungen nicht in Form von groß angelegten Schulungen stattfinden, kannst du trotzdem eine Menge lernen und gutes Feedback für deine weitere Entwicklung bekommen. Also: Wenn die Lernkurve, die Kontakte und natürlich die Wertschätzung deiner Arbeit stimmen, dranbleiben!

Initiativen für Trainees in kleinen Unternehmen

Um Defizite zum Beispiel in Sachen Betreuung und Weiterbildung bei Trainee-Programmen in kleinen und mittelständischen Unternehmen auszugleichen, wurden bereits zahlreiche Initiativen ins Leben gerufen.

In Göttingen beispielsweise ist das Projekt „GÖtrain“, ein für die Region Südniedersachsen entwickeltes praxisorientiertes Programm zur Vermittlung von Fachhoch- und Hochschulabsolventen als Trainees an insbesondere kleine und mittlere Unternehmen (KMU) entstanden. Die zwölfmonatigen Trainee-Programme unterstützen durch begleitende Trainings und Coachings gezielt den Berufseinstieg und sichern den Bedarf und die Entwicklung vom akademischen Fach- und Führungsnachwuchs. Zwar sind die Arbeitsverträge zunächst befristet, aber eine Übernehme ist in der Regel vorgesehen – dann auch zu deutlich verbesserten Bezügen. Hier haben auch Absolventen und Quereinsteiger eine Chance, die nicht Mainstream-Fächer wie BWL oder Jura belegt haben.

In Nordrhein-Westfalen bietet die Bergische Entwicklungsagentur das Programm Dreipunktnull an, ein betriebsübergreifendes Weiterbildungsangebot für Trainees mittelständischer Unternehmen, im Rahmen dessen sie Workshops besuchen, gecoacht werden und bei Projektarbeiten mitwirken. Auch in Franken gibt es mit Unterstützung der Hochschule Nürnberg-Erlangen, der IHK Bayern und der RKW Bayern eine solche Initiative.

Zum Weiterlesen: Dein Weg zum passenden Trainee-Programm:

>> Start-Up, KMU oder Konzern – Suche in der Trainee-Datenbank nach passenden Trainee-Stellen.

>> Hier findest du offene Trainee-Stellen bei den unterschiedlichsten Unternehmen!

>> Kleines Unternehmen = kleines Gehalt? Erfahre hier, was im Job mehr wiegt als ein fetter Lohnzettel!

Über den Autor

Bettina Wilde
Bettina Wilde
Bettina Wilde ist seit 2015 für das Content Team von TRAINEE-GEFLÜSTER an Bord. Als studierte Germanistin und Trainee-Expertin schreibt sie für ihr Leben gern und kümmert sich um alle wichtigen Fragen rund um das Thema Berufseinstieg.

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Trainee-Expertin, Redaktion TRAINEE-GEFLÜSTER

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