Erfahrung als Trainee: Rolls-Royce.

Von Bettina Wilde,

„Die Betreuung finde ich exzellent – die erfahrenen Kollegen nehmen sich wirklich Zeit, um komplizierte Sachverhalte zu erklären!“ – Ali Elfeky ist mit seinem Einstieg als Trainee im Engineering Graduate Development Programme bei Rolls-Royce mehr als zufrieden. Im Interview mit Trainee-Geflüster erzählt er, was er sonst noch besonders schätzt und wie es um Gehalt, Work-Life-Balance und Zukunftsperspektiven steht.

Hallo Ali, wie lief das Auswahlverfahren für die Trainee-Stelle ab?

Die Bewerbung erfolgt mit den üblichen Unterlagen über das Rolls-Royce Onlineportal. Nach Abschicken der Bewerbung muss ein Online-Test absolviert werden, zu dem es auch Übungen auf der Rolls-Royce Karriereseite gibt. Einige Wochen später kamen dann auch das positive Feedback und die Einladung zum eintägigen Assessment Center.

Beim Assessment Center werden mehrere einzelne Gespräche geführt. Als Validierung der Ergebnisse der Online-Tests wird ein weiterer exemplarisch schriftlich im Laufe des Tages gelöst. Zusätzlich findet eine Gruppenarbeit statt und man muss eine technische Case Study bearbeiten. Hierbei wurde sehr viel Wert auf Problemlösekompetenz und Systemverständnis gelegt. Die Atmosphäre während des Assessment Centers ist sehr freundlich, offen und allgemein sehr gut organisiert. Der Druck und die befürchtete Konkurrenz sind bei mir sehr schnell verflogen. Die finale Zusage kam dann wenige Tage nach dem Assessment Center.

Welche Tipps kannst du Bewerbern geben, die den Auswahlprozess bei Rolls-Royce noch vor sich haben?

Man sollte sich natürlich mit Turbomaschinen beschäftigt haben, aber auch wissen, dass Rolls-Royce ein viel größeres Produktportfolio habt, als es die meisten vermuten. Primär sollte aber die Funktionsweise und Auslegung von Turboflugtriebwerken verstanden worden sein.

Neben fundiertem technischem Wissen wird aber vor allem auf die Person Wert gelegt. Dabei ist es wichtig, dass der Kandidat die offene, inklusive Unternehmenskultur verkörpert und sich gut in das Team einfügen kann. Spezifisch für das Graduate Programm ist es außerdem wichtig, eine hohe Selbstständigkeit, Verantwortungsbewusstsein und Eigeninitiative zu demonstrieren. Die Kandidaten sollten zeigen, dass sie den technischen und organisatorischen Herausforderungen der Zukunft standhalten und diese auch bewältigen können.

Wie ist der grobe Ablauf deines Trainee-Programms?

Das Engineering Graduate Development Programme dauert ungefähr 18 Monate, welche in vier verschiedene Placements aufgeteilt sind. Dabei soll der Produktlebenszyklus – Define, Make, Validate – durchlaufen werden. Für jedes Placement wechselt man in eine neue Abteilung und kriegt ein Projekt, welches auch in diesen vier bis fünf Monaten abgeschlossen werden soll. Hauptsächlich finden diese drei Placements in Dahlewitz statt, es besteht jedoch nach Bedarf auch die Möglichkeit, ein Placement im Ausland zu absolvieren.

Zwei der drei Placements wählen sich die Kandidaten frei in Absprache mit den jeweiligen Managern aus, was die Netzwerkbildung sehr fördert. Der vierte Einsatz, das sogenannte Design and Make, muss hingegen in England absolviert werden. Bei diesem Projekt werden Teams aus mehreren Graduates aus verschiedenen Standorten gebildet, die eine technische Herausforderung aus dem Business lösen müssen. Dafür sind ungefähr vier Monate vorgesehen.

Parallel zu den Placements werden mehrere Trainings durchgeführt. Dabei gibt es einen Trainingsplan, der speziell auf die Funktion abgestimmt ist. Jedoch besteht auch die Möglichkeit, weitere Trainings zu machen, wenn es zum Beispiel die vorliegende Aufgabe im Placement fördern würde. Alles in allem kriegt man einen sehr breiten Einblick in das gesamte Business und dessen Funktionen, was die Auswahl einer zukünftigen geeigneten Rolle sehr erleichtert. Zudem bildet das Design & Make eine exzellente Möglichkeit, das gewonnene Wissen an einem realen Projekt anzuwenden. Viele dieser Lösungen sind heute schon in Rolls-Royce Triebwerken eingebaut.

Wie sind bei Rolls-Royce Einarbeitung, Betreuung und Feedback durch die Vorgesetzten geregelt?

Für mich persönlich ist einer der größten Vorteile von Rolls-Royce die relativ flache Hierarchie in Verbindung mit der offenen Unternehmenskultur. Diese verhindert, dass sich Barrieren zwischen Arbeitnehmern und Vorgesetzten bilden, und bewirkt, dass man theoretisch jeden alles fragen kann. Daher fand ich die Betreuung bis jetzt wirklich exzellent. Die erfahreneren Kollegen nehmen sich gerne die Zeit, um komplizierte Sachverhalte zu erklären, und sorgen dafür, dass der Einstieg in die Thematik so leicht wie möglich erfolgt. Wenn man bedenkt, dass man alle vier Monate die Abteilung wechselt, ist das sehr hilfreich.

Es werden regelmäßig Feedback-Gespräche geführt. Dabei wird Wert darauf gelegt, dass das Feedback zweiseitig ist, und man trifft immer auf offene Ohren.

Zusätzlich zu dem Vorgesetzten in der Abteilung wird jedem Graduate ein Career Coach, also ein Mentor, zugewiesen. Die Career Coaches sind normalerweise aus dem Engineering Senior Management. Sie dienen dazu, uns geeignete Impulse zu geben und bei der Auswahl der nächsten Placements und der späteren Festanstellung zu helfen. Dabei profitiert man sehr von der Erfahrung und Perspektive, die sie haben und die uns als Berufseinsteigern noch etwas fehlt.

„Training-off-the-Job“ vs. „Training-on-the-Job“ – Wie ist das Verhältnis von Theorie und Praxis?

Der Praxisbezug ist, nicht nur durch den Aufbau des Programms, sehr hoch. Allein dadurch, dass Büros und Fertigung auf dem gleichen Gelände liegen, spürt man die enge Verbindung zwischen Theorie und Praxis sehr. Auch bei den Trainings, die ich bis jetzt absolviert habe, wurde immer Wert auf Praxisbezug gelegt, da dies das Verständnis enorm fördert. Es besteht auch immer die Möglichkeit, jemanden in der Fertigung oder im Testbereich direkt anzusprechen um seine Fragen zu stellen. Ein abstrakter Bürojob ist es definitiv nicht!

Was sind deine wesentlichen Aufgaben und Tätigkeiten im Arbeitsalltag?

Durch die Natur und Struktur des Engineering Programms sind die Aufgaben sehr multidisziplinär und vielfältig. In meinem jetzigen Placement geht es darum, vorliegende Ölsystementwürfe verschiedener Triebwerke hinsichtlich unterschiedlicher Faktoren zu bewerten und daraus Rückschlüsse auf mögliche Verbesserungen in der Zukunft zu schließen. Dazu gehört alles von CAD-Daten aufbereiten, Testdaten und -anforderungen analysieren bis hin zu einem ständigen Austausch mit Komponenten- und Systemdesignern, Kostenverantwortlichen und Service-Ingenieuren.

Absolvieren alle Trainees einen Auslandsaufenthalt?

Jeder Graduate bekommt die Möglichkeit, einen Auslandsaufenthalt zu absolvieren – die Details variieren nach Programm. In meinem Fall ist es vorgesehen, das sogenannte „Design and Make“ Projekt an einem unserer großen Standorte in England, in Derby/Bristol, zu machen. Diese Aufgabe liegt noch vor mir und ich bin mir sicher: Das wird einer der Höhepunkte des Programms.

Stichwort Work-Life-Balance: Auf wie viele Arbeitsstunden kommst du pro Woche?

Grob gesagt sind es 40 Stunden die Woche – manchmal mehr, manchmal weniger. Es gleicht sich aber sehr gut aus, finde ich. Es gibt an sich auch keine Kernarbeitszeiten, sondern man kann die Arbeitszeit so gestalten, wie man es für die Lösung der vorliegenden Aufgaben am sinnvollsten hält. Außerdem besteht die Möglichkeit, bei Bedarf mobil von zu Hause aus zu arbeiten, wenn es das Projekt erlaubt oder mal der Handwerker kommt. Insgesamt komme ich auf 30 Urlaubstage im Jahr.

Wie empfindest du die Arbeitsatmosphäre bei Rolls-Royce?

Die Arbeitsatmosphäre ist sehr kollegial und fördernd. Meiner Meinung nach gibt es in jeder Abteilung, die ich bis jetzt kennengelernt habe, eine sehr ausgewogene Mischung von erfahrenen und jungen Mitarbeitern. Ich habe immer eine Antwort auf meine Fragen bekommen und die Kollegen hatten immer Freude daran, mir zu helfen und meine Entwicklung zu fördern – egal wie viele Hierarchie-Ebenen zwischen mir und ihnen lagen. Außerdem duzen wir uns hier alle, was mögliche Barrieren sehr schnell aus dem Weg schafft.

Zusätzlich gibt es bei Rolls-Royce eine sehr aktive Graduate Community. Jedem neuen Graduate wird ein sogenannter „Buddy“ zugewiesen, der als Ansprechpartner, insbesondere für die ersten Wochen, gilt. Darüber hinaus gehen wir immer einmal die Woche zusammen essen und treffen uns auch regelmäßig privat. Dabei ist es besonders interessant, auch mit den Graduates aus anderen Programmen in Kontakt zu kommen und dadurch den eigenen Horizont noch zu erweitern.

Wie steht es mit dem Trainee-Gehalt?

Das Gehalt ist für einen Trainee überdurchschnittlich und orientiert sich am branchenüblichen Einstiegsgehalt. Dazu kommen noch Benefits wie Urlaubs- und Weihnachtsgeld, Mitarbeiterangebote, Sportangebot etc.

Ist der Arbeitsvertrag auf die Dauer des Trainee-Programms bei Rolls-Royce befristet?

Nein, der Vertrag ist bewusst nicht auf das Programm befristet. Man ist praktisch vom ersten Tag an schon fester Teil des Unternehmens. Nach Absolvieren des Programms steigen viele Graduates in einer der Abteilungen ein, in der sie schon ein Placement absolviert hatten. Es besteht jedoch theoretisch die Möglichkeit, jede offene Position zu belegen. Dabei folgt man dem normalen internen Bewerbungsprozess.

Was war (bisher) dein persönliches Highlight in der Trainee-Ausbildung?

In meinem ersten Placement arbeite ich an der Entwicklung des Ölsystems neuer Triebwerksmodelle. Ich kam dadurch in kurzer Zeit in Kontakt mit vielen verschiedenen Abteilungen und Bereichen und habe mir sehr schnell einen tiefen Überblick über die Funktionalität des Gesamttriebwerks verschaffen können. Ergänzt wird das durch sogenannte Familiarisierungstrainings, bei denen man unter anderem alle relevanten Bauteile direkt in die Hand nehmen kann und das Testbed besucht – definitiv ein Highlight!

Wie geht es für dich persönlich im Anschluss an das Trainee-Programm bei Rolls-Royce weiter?

Schwer zu sagen, dafür ist es noch viel zu früh. Ich will daher die Chance nutzen, so viele verschiedene Bereiche der Firma und des Business kennenzulernen wie möglich und die Erfahrungen aus meinem Praktikum und meiner Masterarbeit zu ergänzen, um danach die optimale Rolle für meine Weiterentwicklung zu finden.


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