Trainee-Programm vs. Volontariat: Welcher Berufseinstieg ist für dich der richtige?

Du hast deinen Uni-Anschluss in der Tasche? Dann wird’s jetzt spannend: Du stellst die Weichen für deine berufliche Zukunft. Neben dem Direkteinstieg oder Praktika gibt es für frischgebackene Absolventen zwei weitere Optionen, um ins Berufsleben einzusteigen: Mit einem Trainee-Programm oder einem Volontariat. Wir stellen dir beide Möglichkeiten vor, zeigen dir Gemeinsamkeiten und Unterschiede auf – und verraten dir, warum es sich unabhängig vom Studienfach lohnt, beide Optionen genau auszuchecken!

Inhalt:

  1. Definition: Volontariat vs. Trainee-Programm
  2. Teilnahmevoraussetzungen
  3. Ablauf
  4. Gehaltsvergleich
  5. Zukunftsaussichten
  6. Deine Chance als Geisteswissenschaftler
  7. Pro und Contra

Volontariat vs. Trainee-Programm: Zwei verschiedene Paar Schuhe?

Sowohl das Volontariat als auch das Trainee-Programm bezeichnen eine Ausbildung, mit denen Absolventen ohne oder mit geringer Berufserfahrung in ein Unternehmen einsteigen können. Dabei haben beide das Ziel, den Trainee bzw. den Volontär fortzubilden und für seine spätere Laufbahn in der Branche vorzubereiten. Die Dauer beträgt in der Regel bei beiden 12 bis 24 Monate.

Der Unterschied: Während ein Trainee-Programm für nahezu alle Studiengänge offensteht, beschränkt sich das Volontariat weitgehend auf Geisteswissenschaftler, die den Einstieg in den Journalismus und allgemein in die Medienwelt schaffen wollen. Ob ein Volontariat im Bereich PR oder Werbung, bei einem Fernseh- oder Radiosender, bei einer Tageszeitung oder einem Wochenmagazin – hier gilt es als Karrieresprungbrett, und ohne es hast du kaum eine Chance, Fuß zu fassen. Außerdem finden sich in der öffentlichen Verwaltung Volontariat-Stellen.

Ein Trainee-Programm hingegen ist kein Muss, sondern oftmals die Eintrittskarte in große Unternehmen und im Vergleich zum Direkteinstieg ideal, wenn du noch richtig viel dazulernen willst. So unterschiedlich sind Trainee-Programme und Volontariate also gar nicht. Die kleinen Unterschiede und ob du als Geisteswissenschaftler auch für Trainee-Programme in Frage kommst, erfährst du im Folgenden!

Augen auf:

Ursprünglich bezeichnet das Wort Volontariat einen Freiwilligendienst, der ehrenamtlich, gemeinnützig und meist ohne Bezahlung absolviert wird – wie zum Beispiel das FÖJ, das freiwillige ökologische Jahr. Halte also die Augen offen, wenn du auf der Suche nach einem journalistischen Volontariat bist, damit du dich auf die richtige Stelle bewirbst.  

Wie kommst du rein?

Grundsätzlich gibt es für Volontariate mehr Bewerber, als es tatsächlich Stellen gibt. Trainee-Stellen haben in den vergangenen Jahren zugenommen, sodass die Chancen hier rein rechnerisch besser stehen. Voraussetzungen und Auswahlverfahren ähneln sich teilweise, aber es gibt auch entscheidende Unterschiede.

Voraussetzungen Trainee-Programm:

  • Hochschulabschluss: Bachelor, oft Master, mit überdurchschnittlichem Ergebnis und zügig absolviert
  • Praktische Erfahrung: Praktikum, Werkstudententätigkeit oder Ausbildung
  • Auslandserfahrung
  • Karriereorientierung, Führungsqualitäten und viel Lernbereitschaft

Voraussetzungen Volontariat:

  • Mindestalter: 18
  • Abschluss: Mindestens Abi, aber für große Sender oder Zeitungen mit viel Andrang empfiehlt sich ein abgeschlossenes Studium, wobei praktische Erfahrungen super sind.
  • Praktische Erfahrung: Journalistische Praktika, freie Mitarbeit (wichtiger als der Abschluss)
  • gerne Auslandserfahrung (internationale Einsätze)

Das Auswahlverfahren ist sich oft gar nicht so unähnlich. Für Volontär-Stellen und Trainee-Stellen reichst du vollständige schriftliche Bewerbungsunterlagen ein, wobei du für ein Volontariat Arbeitsproben beilegen solltest. Hier darfst du auch gerne etwas kreativer vorgehen – je nachdem, wo du dich bewirbst. Im Bewerbungsverfahren sind bei Trainee-Programmen größerer Firmen mehrere Runden keine Seltenheit, und auch große Verlage, Sender oder Redaktionen veranstalten mittlerweile eine Art Assessment Center, einfach, um aus der Masse an Bewerbungen – nicht selten kommen mehrere hundert – die richtigen Kandidaten auszuwählen. 

Was erwartet dich als Trainee und was als Volontär?

Die meisten guten Trainee-Programme sind ähnlich aufgebaut: Du durchläufst in der Job-Rotation verschiedene Stationen, auch außerhalb deines Fachbereiches, besuchst oft auch andere Standorte und wirst von Schulungen in deiner fachlichen und persönlichen Entwicklung unterstützt. Außerdem begleitet dich mindestens ein Mentor sowie die Fachleiter aus den einzelnen Abteilungen durch die Zeit, sodass du regelmäßig Feedback bekommst und auch selber Einfluss auf den Plan für dein Trainee-Programm nehmen kannst. Für mehr Infos hierzu lies unseren Artikel zum Aufbau der Trainee-Programme.

Auch als Volontär durchläufst du in der Regel verschiedene Abteilungen, bei einer Zeitung zum Beispiel mindestens drei Ressorts, wobei die ersten beiden festgelegt sind und du das dritte selber wählen kannst. Auch Seminare und Trainings sowie eine umfassende Betreuung sollten hier enthalten sein. Oft gibt es die Möglichkeit, das Volontariat zu verkürzen.

Du siehst, der Ablauf ist sehr ähnlich – und es gibt eine weitere Gemeinsamkeit: Sowohl unter den Trainee-Programmen als auch unter den Volontariaten gibt es neben Hauptgewinnen auch echte Nieten. Da die Begriffe nicht geschützt sind, können Unternehmen beliebig Leute als Volontäre oder Trainees einstellen. Das hat zur Folge, dass du Gefahr läufst, als günstige Arbeitskraft eingestellt zu werden, Weiterbildungsmöglichkeiten so gut wie gar nicht stattfinden und es keine Zukunftsperspektive gibt. Auch Gehalt und Arbeitszeiten lassen hier gerne zu wünschen übrig. Informiere dich in jedem Fall im Vorfeld genau, was dich als Volontär oder Trainee erwartet, zum Beispiel in Erfahrungsberichten und durch geschicktes Fragen im Vorstellungsgespräch.

Dein Gehalt – Ka-ching oder gerade mal ein Notgroschen?

Sowohl für Trainees als auch für Volontäre – sofern sie keinen Freiwilligendienst leisten – gilt: In beiden Fällen wirst du in der Regel vergütet. Wie viel Cash es gibt, hängt von verschiedenen Faktoren ab.

Allgemein kann man sagen, dass du als Trainee durchschnittlich wesentlich besser verdienst als als Volontär, wie der direkte Vergleich nach Bundesländern zeigt. Selbst das niedrigste Trainee-Gehalt in Mecklenburg-Vorpommern ist noch höher als das höchste Volontär-Gehalt in Hessen:

Quelle: gehalt.de

Im Trainee-Programm reicht die Spanne von ca. 12.000 Euro bis ca. 60.000 Euro Jahresgehalt, der Durchschnitt liegt bei 36.900 Euro brutto. Im Idealfall liegt dein Trainee-Gehalt nur maximal fünf bis zehn Prozent unter dem eines Direkteinsteigers. Wie hoch genau es ist, hängt oft von der Unternehmensgröße und der Branche ab: Bist du Ingenieur in einem Konzern, verdienst du mit hoher Wahrscheinlichkeit besser, als wenn du als Geisteswissenschaftler in einer kleinen PR-Agentur oder als BWLer bei einem Startup im Marketing einsteigst. Auch dein Uni-Abschluss kann Einfluss haben, das heißt, dass du mit einem Master in der Regel besser verdienst als mit einem Bachelor. Und zu guter Letzt kann entscheidend sein, in welchem Bundesland du angestellt bist.

Auch die Bezahlung im Volontariat ist nicht immer einheitlich geregelt und hängt von denselben Faktoren ab wie das Gehalt im Trainee-Programm. Gerade in der Medienbranche ist es leider üblich, dass das Gehalt nicht so üppig ausfällt und zwischen 15.000 und 25.000 Euro Jahresgehalt variiert. Vereinzelt kann es sogar vorkommen, dass du noch weniger verdienst oder ganz leer ausgehst. Das hängt auch damit zusammen, dass Volontariate, vor allem bei renommierten Medien, nicht besonders zahlreich und daher heiß begehrt sind – wer eins unbedingt möchte, ist bereit, an anderer Stelle Abstriche zu machen. Im Volontariat ist es übrigens üblich, dass dein Gehalt gestaffelt wird, das heißt, du verdienst bei einem zweijährigen Volo im ersten Jahr zum Beispiel 1600 Euro und im zweiten Jahr 1800 Euro brutto im Monat.

Als Volontär im Journalismus, zum Beispiel bei Tageszeitungen, wirst du im Idealfall nach Tarif bezahlt. Das Volontariat gilt dann als journalistisch, wenn verschiedene Kriterien gegeben sind, zum Beispiel, dass du die Ressorts Lokales, Politik sowie einen dritten Bereich durchläufst, dass du mindestens sechs Wochen außerbetrieblich und von mindestens drei Redakteuren ausgebildet wirst. Wie hoch genau die Bezahlung ausfällt, richtet sich nach dem Alter und den Tarifverhandlungen sowie ebenfalls danach, ob du im ersten oder zweiten Ausbildungsjahr bist. Aktuell liegt das Volontär-Gehalt nach Tarif bei einer Tageszeitung bei 1881 im ersten Jahr und bei 2181 im zweiten Jahr.

Karrierechancen: „Irgendwas mit Medien“ oder steile Karriere?

Trainee-Programme haben in den meisten Fällen das Ziel, dich auf eine Festanstellung im Unternehmen vorzubereiten – dementsprechend viel wird ja auch in deine Ausbildung investiert. Bei manchen Unternehmen bekommst du sogar direkt zu Beginn einen unbefristeten Vertrag. Grundsätzlich sind deine Karrierechancen hier also sehr gut, auch, weil die meisten Arbeitgeber das Trainee-Programm nutzen, die Führungskräfte von morgen auszubilden.

Bei Volontariaten sieht das leider anders aus: Gerade mal ein Drittel der Absolventen eines Volos bekommen danach auch einen Job als Redakteur. Wenn du dein Volontariat beispielsweise bei einer bekannten überregionalen Tageszeitung gemacht hast, stehen deine Übernahmechancen besser bzw. du motzt deinen Lebenslauf ganz schön auf und du kannst darüber hinaus wichtige Kontakte knüpfen. Aber eine Garantie ist das leider auch nicht. Viele Zeitungen und Zeitschriften arbeiten mittlerweile mit viele freien Redakteuren, sodass Festanstellungen und erst recht unbefristete Verträge eher rar gesät sind. Die freie Mitarbeit kann auch eine Chance sein, um den Fuß in eine Redaktion zu bekommen – das heißt, Netzwerken ist Pflicht.  

Journalismus Studium abgeschlossen – und was sollst du jetzt machen?

Du hast ein Journalismus Studium oder einen anderen geisteswissenschaftlichen Studiengang abgeschlossen und siehst das Volontariat als einzige Möglichkeit, in der Berufswelt Fuß zu fassen? Wenn du zum Beispiel zu politischen Themen schreiben willst, stimmt es sicher, dass es die beste Option ist. Bist du flexibler, was deinen Berufswunsch betrifft, kannst du aber auch über ein Trainee-Programm den Berufseinstieg schaffen: Die meisten großen Unternehmen haben eine Kommunikationsabteilung für die interne Kommunikation und suchen fähige Mitarbeiter, die sehr gut schreiben können und beispielsweise das Intranet betreuen. Und auch für die externe Kommunikation sind Leute gesucht, sei es mit Kooperationspartnern, mit Lieferanten, im Bereich Social Media oder allgemein mit der Öffentlichkeit. Apropos Öffentlichkeit: Auch PR-Agenturen vergeben Trainee-Stellen, und im Marketing und in der Werbung werden ebenfalls Trainees gesucht, die im Bereich Content durchstarten wollen. Du siehst: Der Weg zu einer Tätigkeit, bei der du viel kommunizierst, kreativ oder sachlich textest sowie mit verschiedenen Menschen in Kontakt kommst, führt nicht zwingend über ein Volontariat.

Auf einen Blick: Was spricht für ein Trainee-Programm, was für ein Volontariat?

Pro Trainee-Programm Pro Volontariat
Ideal für alle Studiengänge Ideal für Geisteswissenschaftler
Eintrittskarte in große Unternehmen Eintrittskarte in kleine und große Redaktionen
Gehalt, das vergleichbar ist mit dem Gehalt eines Direkteinsteigers Mehr Sicherheit als freie Mitarbeit bei gestaffeltem Gehalt
Sehr gute Zukunftsaussichten durch wahrscheinliche Übernahme Oft die einzige Chance auf eine Festanstellung in der Medienbranche

 

Mehr davon?
>> Erfahrungen als Trainee: Volontariat bei der Saarbrücker Zeitung

Jobs in der Medienbranche und mehr:

Über den Autor

Bettina Wilde
Bettina Wilde
Bettina Wilde ist seit 2015 für das Content Team von TRAINEE-GEFLÜSTER an Bord. Als studierte Germanistin und Trainee-Expertin schreibt sie für ihr Leben gern und kümmert sich um alle wichtigen Fragen rund um das Thema Berufseinstieg.

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Bettina wilde

Bettina Wilde

Trainee-Expertin, Redaktion TRAINEE-GEFLÜSTER

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