Erfahrung als Trainee: Robert Bosch GmbH

Erfahrung als Trainee: Robert Bosch GmbH

Ellena Schubert hat Energie- und Prozesstechnik an der Technischen Universität in München studiert und absolviert nun das Trainee „Junior Manager Programm“ bei der Robert Bosch GmbH. Im Interview mit TRAINEE-GEFLÜSTER spricht sie über das Auswahlverfahren, verrät den Ablauf des Trainee-Programms und gibt Einblicke in ihren Arbeitsalltag.

Hallo Ellena, was für ein Trainee-Programm absolvierst du bei der Robert Bosch GmbH?

Ich mache gerade das Junior Manager Programm mit dem Schwerpunkt Forschung und Entwicklung.

Über welchen Kanal hast du dich beworben?

Entdeckt habe ich die Stellenausschreibung im Internet. Ein Trainee-Programm hatte mich schon länger als Alternative zum klassischen Einstieg gereizt.

Wie lief das Auswahlverfahren für die Trainee-Stelle bei der Robert Bosch GmbH ab?

Im ersten Schritt habe ich meine Bewerbung sowie alle relevanten Informationen auf der Bosch-Homepage hochgeladen. Ich wurde schon nach wenigen Tagen angerufen und ein Telefontermin wurde vereinbart. Das Telefoninterview dauerte etwa eine halbe Stunde. Anschließend folgte das Assessment Center. Dieses fand circa drei Wochen nach dem Telefoninterview statt und dauerte einen kompletten Tag. Schafft man es hier durch, kommt zum Abschluss das Interview mit dem potentiellen Mentor. Wir haben uns damals knapp zwei Stunden unterhalten.

Vom Versenden der Bewerbungsunterlagen bis zur finalen Zusage hat es etwa fünf Wochen gedauert.

Was wurde im Assessment Center von dir gefordert?

Das Assessment Center ist wesentlich angenehmer als bei anderen Firmen. Bosch legt einen starken Fokus darauf, dem Bewerber zu zeigen, was auf sie/ihn zukommt. Dazu gibt es immer wieder ein auflockerndes Zwischenprogramm. Angespannt sind die Teilnehmer natürlich trotzdem.

Der Tag begann bei uns mit einer Selbstpräsentation, von der wir im Vorfeld wussten und auf die man sich entsprechend vorbereiten konnte. Anschließend folgten Aufgaben, die sich auf den Bereich bezogen, in dem man sich beworben hat. Bei uns war ein Kandidat aus jedem Bereich vertreten. Das machte vor allem die Gruppendiskussion spannend: Jeder hatte einen anderen fachlichen Hintergrund und die Diskussions-Kultur habe ich damals ganz anders erlebt, als ich sie aus meinem ingenieurwissenschaftlichen Studium kannte. Es ist aber eine gute Simulation der Realität. Im beruflichen Tagesgeschäft muss man auch immer wieder mit Menschen unterschiedlichster Fachrichtungen diskutieren und sich möglichst schnell auf seinen Gesprächspartner einlassen können. Es geht schließlich nicht darum, eine Diskussion zu gewinnen, sondern ein gemeinsames Ziel zu realisieren. Diesen Fokus habe ich auch damals bei der Gruppenarbeit als sehr positiv wahrgenommen.

Welche Tipps kannst du Bewerbern geben, die den Auswahlprozess noch vor sich haben?

In meinen Augen sollte man sich als erstes klar machen, ob man weiß, was man will, und ob sich dieses Ziel mit dem des Programmes deckt. Ich war mir sehr sicher, dass ich personelle Führungsverantwortung übernehmen will. Das Programm bei Bosch war dafür die perfekte Chance. Ich hatte eine unglaublich gute Zeit und habe viel gelernt. Aber man zahlt auch einen Preis dafür. Man ist viel unterwegs und sollte flexibel in der Wahl der Standorte sein. Möchte man vor allem eine schnelle Karriere und viel Einkommen, finde ich persönlich, ist das die falsche Motivation. Man sollte sich neben den Zielen des Programmes auch mit den Werten der Firma identifizieren können. Diese Werte werden in der Firma täglich gelebt.

Wie ist der grobe Ablauf deines Trainee-Programms bei der Robert Bosch GmbH?

Das Programm dauert 18 bis 24 Monate. Während dieser Zeit durchläuft man eine Art „Job-Rotation“ und erhält Einblick in mehrere Abteilungen, Bereiche und Standorte. Ich war jeweils sechs Monate in Wernau, Grasbrunn, Stuttgart und Pittsburgh. Der Auslandsaufenthalt ist obligatorisch, was für mich ein wesentlicher Punkt war, mich zu bewerben.

Außerdem habe ich ein sehr hohes Seminarbudget, welches ich frei verwalten kann. Einige Seminare sind jedoch verpflichtend. Die Konferenzen und Seminare sind aber auch eine tolle Gelegenheit, andere Trainees zu treffen. Dort hatte ich immer eine gute Zeit.

Welche Erfahrungen hast du während deines Auslandsaufenthaltes sammeln können?

Ich war für sechs Monate bei Corporate Research in Pittsburgh, Pennsylvania. Es war eine unglaublich tolle Erfahrung. Wir arbeiten dort sehr eng mit den Universitäten zusammen und so hatte ich neben der Bosch Erfahrung auch noch eine Art Auslandssemester in den USA. Das Tolle an unserem Office war die Vielfalt der Menschen. Wir waren lediglich zwölf Mitarbeiter, aber kamen aus zehn verschiedenen Nationen. Alleine das war eine sehr wertvolle und spannende Erfahrung, all die Lebensgeschichten und die Berichte über die Erfahrungen eines Lebens in den USA zu hören. Auch von der technischen Seite konnte ich unglaublich viel lernen. Die Abteilung bestand aus Spezialisten im IT-Bereich und alle hatten eine unglaubliche Geduld dabei, mir Fragen zu beantworten. Das ist eine Erfahrung, die ich an meiner Arbeit bei Bosch sehr schätze: Die Menschen hier teilen gerne ihr Wissen, wenn man etwas lernen möchte. Und so war es eben auch in Pittsburgh. Die wichtigste Lektion war jedoch für mich, dass uniforme Regeln schlichtweg nicht in einer globalen Firma funktionieren. Natürlich müssen die Regeln auf einem hohen Level gleich sein, aber es muss auch eine gewisse Flexibilität im Sinne unserer Werte und im Rahmen der jeweils gültigen Rechtsprechung bestehen.

Wie sind bei der Robert Bosch GmbH Einarbeitung, Betreuung und Feedback durch die Vorgesetzten geregelt?

Das Mentoren-Programm war für mich einer der Hauptaspekte, überhaupt ein Trainee-Programm und im Speziellen bei Bosch zu absolvieren. Neben dem großen Angebot an Seminaren hat man einen Mentor aus einer höheren Führungsebene, von dem man über die gesamten zwei Jahre begleitet wird. Hinzukommen die nicht offiziellen Mentoren. Auf jeder Station wird man von einem fachlichen Vorgesetzten betreut. Ich habe zu allen bis heute Kontakt und hole mir auch von Ihnen Rat. Teilweise haben wir ein sehr offenes Verhältnis und ich weiß, dass ich kritische Themen unter vier Augen mit ihnen besprechen kann. Das ist für mich sehr wichtig. Das Verhältnis zu meinem Mentor empfinde ich ebenfalls als sehr gut. Ihn sehe ich natürlich nicht so oft, aber in regelmäßigen Abständen besprechen wir meine nächsten Planungen und auch meine langfristigen Ziele. Er hilft mir meine Vorstellungen aus einer anderen, einer erfahreneren Perspektive zu sehen. So fühle ich mich manchmal in meinen Entscheidungen bestätigt, manchmal muss ich mir aber auch eingestehen, dass ich mich geirrt habe, und frühzeitig meine Entscheidungen revidieren.

Ein weiteres sehr wichtiges Element für mich waren die Rücksprachen mit unseren Personalern auf der Schillerhöhe in Stuttgart, die uns ebenfalls über die zwei Jahre betreuen. Gerade im Hinblick auf Selbst- und Fremdbild haben mir die Gespräche immer sehr geholfen – auch dabei meine sozialen Kompetenzen als Stärke wahrzunehmen. Diese Kompetenz ist in einem ingenieurwissenschaftlichen Studium zu meiner Studienzeit irrelevant gewesen und wurde wenig beachtet.

Durch diese Komponenten und die ständige Veränderung des Umfeldes habe ich mich sehr entwickelt: Ich denke nicht nur auf einer fachlichen, sondern auch auf einer persönlichkeitsbezogenen Ebene.

Was sind deine wesentlichen Aufgaben und Tätigkeiten im Arbeitsalltag?

Der Arbeitsalltag bei mir, so habe ich es auch von vielen anderen Trainees gehört, entspricht nicht ganz dem klassischen Berufsalltag. Man hat schnell eine besondere Stellung, bekommt viel Verantwortung und darf an sehr interessanten Projekten mitarbeiten. Dabei finde ich es nur fair, dass man manchmal auch unliebsame Aufgaben übernehmen muss, wie zum Beispiel Protokolle schreiben. Diese halten sich aber wirklich in Grenzen. Ich habe seit Beginn meiner Traineezeit vor allem im Bereich Projektmanagement gearbeitet. Dort habe ich mir die notwenigen Prozesse angeschaut, mich mit den entsprechenden Verantwortlichen unterhalten und versucht, ihren Standpunkt zu verstehen. Oft übertrage ich diese Information in eine Präsentation, um dann zum Beispiel die Sicht der Entwicklung dem Management zu erläutern und gewisse Entscheidungen zu ermöglichen. Ich denke, das ist es, was ich an meinem Job so mag: Ich arbeite jeden Tag mit vielen Menschen zusammen und versuche herauszufinden, was ich tun kann, damit sie ihre Arbeit noch einfacher, noch besser und mit noch mehr Freude verrichten können.

Stichwort Work-Life-Balance: Auf wie viele Arbeitsstunden kommst du pro Woche?

Hier bin ich, glaube ich, ein schlechtes Beispiel. Ich weiß von vielen Trainees, die nicht so viele Stunden arbeiten, aber ich denke, die Arbeitsstunden sind ein Preis, den man für all die Vorteile eventuell zahlen muss. Zu der tagtäglichen Arbeit kamen bei mir immer noch einige Stunden, vor allem am Anfang einer Stationen, in denen ich mich in die Technik eingearbeitet habe. Ich verstehe einfach gerne diese Zusammenhänge. Zusätzlich haben wir eine Plattform mit Internet-Trainings, die ich wirklich gut finde. Man ist außerdem viel unterwegs und auch das regelmäßige Umziehen kostet Zeit. Wie gesagt, ich bin hier kein sehr repräsentatives Beispiel, auch aus dem Grund, dass alle vier Stationen an vier verschiedenen Orten waren. Im Schnitt arbeite ich 50 Stunden die Woche und lese oft noch das ein oder andere abends und am Wochenende. Bei mir war es daher so, dass ich oft die ersten zwei Monate einer Station etwas weniger Zeit für Freunde und Sport hatte, spätestens ab dem dritten Monat hatte ich aber auch hierfür wieder ausreichend Zeit.

Außerdem ermöglichen die 30 Urlaubstage und die Möglichkeit, einige Überstunden in freie Tage umzuwandeln, ein ausreichendes Maß an Erholung.

Wie empfindest du die Arbeitsatmosphäre bei der Robert Bosch GmbH?

Ich genieße die Arbeitsatmosphäre sehr. Viele meiner Kollegen und ich sind tatsächlich sehr auf einer Wellenlänge und so habe ich in der Arbeit, ohne es zu beabsichtigen, auch sehr wertvolle Freundschaften geschlossen. Natürlich kommt man nicht immer mit allen Menschen klar, dies ist in meinen Augen aber auch eine trügerische Utopie, auf die man sich nicht einlassen sollte. Aber unsere Werte werden tatsächlich gelebt. Man ist offen und respektvoll im Umgang miteinander. Außerdem werden berufliches und privates von einander getrennt und so kann es passieren, dass es in einem Meeting heftige Diskussionen gibt und man beim Mittagessen schon wieder scherzend zusammen sitzt.

Wie steht es mit dem Trainee-Gehalt bei der Robert Bosch GmbH?

Ich finde das Gehalt sehr fair und die Benefits sind auch vollkommen zufriedenstellend.

Ist der Arbeitsvertrag auf die Dauer des Trainee-Programms befristet

Nein. Ein weiterer Vorteil der Bosch Wertekultur.

Was war (bisher) dein persönliches Highlight in der Trainee-Ausbildung?

Als ich mein eigenes Projekt durchführen durfte. Die Entscheidungen, das Budget und die Ausgestaltung unterlagen meiner Verantwortung. Auch meine beiden Team-Kollegen hatten laut eigener Rückmeldung extrem viel Spaß bei der Arbeit. Das war für mich wirklich ein sehr schönes Feedback.

Wie geht es für dich persönlich im Anschluss an das Trainee-Programm bei der Robert Bosch GmbH weiter?

Ich habe noch keinen Vertrag unterschrieben, aber verschiedene Angebote vorliegen. Es ist wieder eine einmalige Sache in meinen Augen und ich lasse mir Zeit, darüber zu entscheiden. Mein Programm endet in vier Monaten. Zwei Monate vor Schluss hätte ich gerne alles in trockenen Tüchern, aber wir werden sehen, wie es kommt. Ich glaube, nicht alles kommt so, wie man es plant, aber am Ende ist es doch immer gut und manchmal sogar besser.

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Bettina wilde

Bettina Wilde

Trainee-Expertin, Redaktion TRAINEE-GEFLÜSTER

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