Erfahrung als JMP-Trainee im Bereich Forschung & Entwicklung: Robert Bosch GmbH.

Von Bettina Wilde,

Sebastian Stöcklmeier ist nach seinem Studium in das Junior Management Program der Robert Bosch GmbH eingestiegen. Seitdem hat er als Trainee im Bereich Forschung und Entwicklung viel dazugelernt. Im Interview mit TRAINEE-GEFLÜSTER berichtet er von seinen Erfahrungen im Auswahlprozess und im Arbeitsalltag. Außerdem verrät er, was Bosch in Sachen Work-Life-Balance, Gehalt und Zukunftsperspektiven bietet.

Hallo Sebastian, wie lief das Auswahlverfahren für die Trainee-Stelle ab?

Das Auswahlverfahren besteht aus vier Stufen. Nachdem ich mich auf eine ausgeschriebene Trainee-Stelle erfolgreich beworben hatte, wurde ich im nächsten Schritt zu einem Telefoninterview eingeladen. Hier ging es hauptsächlich um meine Person sowie den Arbeitgeber Bosch: Was ist meine Motivation, wie sehen meine Erwartungen aus und warum würde ich gerne für Bosch arbeiten? Ein paar Tage später folgte dann die Einladung zum Assessment Center. Dieses dauerte einen Tag und fand in der Bosch Zentrale in Gerlingen auf der Schillerhöhe statt. Die Personal-Mitarbeiter haben es geschafft, uns in kürzester Zeit die Anspannung zu nehmen. Außerdem standen uns vor und nach den Aufgaben zwei bereits angestellte Trainees zur Seite, die wir mit (persönlichen) Fragen „löchern“ konnten, ohne dass wir beobachtet wurden. Das hat mir einen sehr unbefangenen und positiven Einblick in die Unternehmenskultur von Bosch gegeben. Die Aufgaben des Assessment Centers bestanden aus einer Case Study, einer Einzelpräsentation, einer Gruppendiskussion und einem abschließendem Interview. Hier zählten Analyse- und Strukturierungsfähigkeit sowie Teamwork und Kompromissbereitschaft. Verläuft das Assessment Center positiv, wird man im letzten Schritt zu einem persönlichen Interview mit seinem potenziellen zukünftigen Mentor aus dem oberen Führungskreis von Bosch eingeladen. Bei diesem Gespräch ging es schon sehr spezifisch um den zukünftigen Geschäftsbereich, seine Produkte und meine Begeisterung dafür. Insgesamt war der Auswahlprozess sehr fair und angenehm. Ich wurde in keinem Gespräch in die Enge getrieben und meinen Gesprächspartnern war sehr daran gelegen, mich gut kennenzulernen.

Welche Tipps kannst du den Bewerbern sonst noch geben, die den Auswahlprozess bei Bosch noch vor sich haben?

Alles in allem ist es wichtig, eine gesunde Mischung aus technischer Begeisterung, Führungswillen und Analysefähigkeit mitzubringen. Sind diese Grundvoraussetzungen erfüllt, steht und fällt alles mit der Vorbereitung. Ich würde mich gründlich informieren, welche Fragen in einem Bewerbungsgespräch gestellt werden könnten, und mich selbst fragen, warum ich am Junior Management Program, kurz JMP, teilnehmen möchte. Genauso wichtig ist aber auch: Welche Erwartungen hat das Unternehmen an einen zukünftigen Trainee? Dazu gibt es genug Infomaterial auf der Unternehmenswebsite. Außerdem machen eine Beschäftigung mit möglichen Aufgaben im Assessment Center und eine Vorbereitung auf Fragen zum eigenen Lebenslauf Sinn.

Wie ist der grobe Ablauf deines Trainee-Programms?

Das Programm dauert 18 bis 24 Monate und besteht aus drei bis fünf Stationen im Unternehmen. Prinzipiell ist jeder Trainee einem Bosch-Geschäftsbereich zugeordnet, bei dem die Mehrzahl der Stationen absolviert werden. Eine Station sollte jedoch in der Zentrale und eine Station in einem anderen Geschäftsbereich absolviert werden. Eine fachfremde Station und eine im Ausland sind ebenfalls Pflicht.

Als Entwicklungstrainee im Bereich Industrietechnik wurde ich in der mechanischen Konstruktion, im Projektmanagement und in der Software-Entwicklung für Industrie 4.0 und Bildverarbeitung eingesetzt. Die Projekte fanden im Raum Stuttgart und in Wisconsin, USA statt. Die Station im Ausland war auch das absolute Highlight meines Trainee-Programms. Ich durfte bei einem Entwicklungsprojekt das Thema Industrie 4.0 vorantreiben und besetzte die Schnittstelle zu den Entwicklungsprojekten in Deutschland und Europa. Das Anspruchsvolle und gleichzeitig Spannende dabei war, dass es an diesem Standort noch keinen Ansprechpartner für das Thema gab und ich das Teilprojekt relativ frei gestalten konnte. Die amerikanischen Kollegen waren alle aufgeschlossen und hilfsbereit und ich habe schnell Anschluss in dem fremden Land gefunden. Auch da man von Bosch sehr viel Unterstützung bei einem Auslandsaufenthalt erfährt – etwa in Form von Unterstützung bei administrativen Aufgaben, aber auch bezüglich der Notwendigkeiten des Alltags, wie zum Beispiel Wohnung oder Auto.

Wie sind bei Bosch Einarbeitung, Betreuung und Feedback durch die Vorgesetzten geregelt?

Beim Junior Management Program gibt es Betreuer in der Bosch-Zentrale und im Geschäftsbereich. Alle offiziellen Personalthemen sowie die Organisation von Events und Schulungen werden von der Personalabteilung in der Bosch-Zentrale betreut. Auf der Seite des Geschäftsbereichs stehen jedem Trainee ein Mentor aus dem oberen Führungskreis und ein JMP Koordinator zur Verfügung, mit denen (individuell unterschiedlich) über die Stationsplanung, die persönliche und fachliche Entwicklung im Geschäftsbereich sowie Ergebnisse und Eindrücke aus den unterschiedlichen Projekten gesprochen wird. Diese Gespräche finden etwa ein- bis zweimal pro Station statt. Am meisten Kontakt hat man aber mit seinem direkten Vorgesetzten auf der jeweiligen Station. Die vielen Stationen und unterschiedlichen Themen gaben mir einen Einblick in unterschiedliche Führungsstile und Verhaltensweisen. Diese vielen Erfahrungen in so kurzer Zeit lassen sich nur bei einem Trainee-Programm wie dem JMP machen und waren bei darauffolgenden Projekten von sehr großem Wert.

„Training-off-the-Job“ vs. „Training-on-the-Job“ – Wie ist das Verhältnis von Theorie und Praxis?

Bei Bosch hat jeder Trainee ein Budget für Schulungen und Trainings. Es gibt einige verpflichtende Schulungen wie das Führungskräfte-Training und freiwillige Trainings, wie zum Beispiel fachliche Seminare. Für das Buchen und die Budgetverwaltung ist der Trainee selbst verantwortlich. Oft lassen sich die Trainingsinhalte anschließend sehr gut on-the-Job anwenden, zum Beispiel beim Anleiten von Studenten oder Praktikanten.

Was sind deine wesentlichen Aufgaben und Tätigkeiten im Arbeitsalltag?

Als Forschungs- und Entwicklungstrainee werde ich zum einen im operativen Tagesgeschäft, wie zum Beispiel bei Entwicklungsprojekten, und zum anderen für Business Development Themen und deren konzeptionelle, technische Umsetzung eingesetzt. Operativ war ich in der mechanischen Konstruktion von Maschinen und Anlagen sowie in der Bildverarbeitung für ein neues visuelles Prüfsystem tätig. Konzeptionell habe ich zum Beispiel an einer Studie für ein zukünftiges Produkt mitgearbeitet. Dabei habe ich die Forschungslandschaft, das Marktumfeld und die gesetzlichen Rahmenbedingungen analysiert, die technische Machbarkeit untersucht und ein Konzept für einen Produktprototypen erarbeitet.

Stichwort Work-Life-Balance: Auf wie viele Arbeitsstunden kommst du pro Woche?

Man kann zu Beginn des JMP zwischen einem 35-, einem 38- und einem 40-Stunden-Vertrag wählen. Zusätzlich gibt es die Möglichkeit, in ein Langzeitkonto einzuzahlen. Auf diesem kann man sich Arbeitszeit ansparen, um diese beispielsweise zu einem späteren Zeitpunkt für ein Sabbatical einzusetzen. Da die Projekte teilweise sehr anspruchsvoll sind, lassen sich Überstunden nicht vermeiden. Ich wurde zum Beispiel bei einer Station als Unterstützung beim Anlauf einer Produktionslinie eingesetzt. Die Linie lief noch nicht in vollem Umfang und das Team hatte in kurzer Zeit viel zu erledigen. Dort musste ich Überstunden machen, um die Projektziele einhalten zu können. Es gibt aber auch Phasen oder Stationen, bei denen ein Achtstundentag ausreicht, um alle Aufgaben zu erledigen. Außerdem können die geleisteten Überstunden in Form von Freizeit wieder abgebaut werden. Die Option im Home Office, also von Zuhause aus, zu arbeiten, schafft eine weitere Möglichkeit, Berufliches und Privates unter einen Hut zu bringen. Alles in allem ist das Trainee-Programm anspruchsvoll, aber es gibt Gelegenheiten für Freiraum.

Wie empfindest du die Arbeitsatmosphäre bei Bosch?

Den Trainees wird eine unglaubliche Aufmerksamkeit und Wertschätzung entgegengebracht und man erhält viele Möglichkeiten zum Networking. Man bekommt sehr viele „Vorschusslorbeeren“ in Form von anspruchsvollen Aufgaben, muss aber auch hart arbeiten, um die Erwartungen der Führungskräfte und Mentoren erfüllen zu können. Die Events zum „Networking“ sind zum Beispiel ein internationales JMP-Treffen, an dem deutsche und ausländische JMPs teilnehmen, oder ein fachspezifisches Treffen, wie das R&D Trainee Event. Während der zwei Jahre im Programm lernt man so fast alle Trainees eines Jahrgangs sowie viele Ex-Trainees kennen und tauscht gegenseitig Erfahrungen aus. Dies gibt einem zum Beispiel die Möglichkeit, aus erster Hand zu erfahren, was in einem so großen Unternehmen wie Bosch in den verschiedenen Geschäftsbereichen passiert und an welchen Themen gearbeitet wird.

Wie steht es mit dem Trainee-Gehalt?

Das Gehalt im Trainee-Programm ist vergleichbar mit einem Direkteinstieg bei Bosch und konkurrenzfähig zu einem Einstieg bei einem der großen OEMs wie Daimler und BMW.

Ist der Arbeitsvertrag auf die Dauer des Trainee-Programms befristet?

Nein, jeder Trainee bekommt von Anfang an einen unbefristeten Arbeitsvertrag. Damit will Bosch unterstreichen, dass das Unternehmen Vertrauen in den Auswahlprozess und in die ausgewählten Trainees hat. Die Weiterbeschäftigung der Trainees nach Beendigung des Programms soll gar nicht erst zur Debatte stehen. Diese Sicherheit gibt einem als Trainee sehr viel Motivation, sich auf die wichtigen Themen in den Projekten zu konzentrieren.

Wie geht es für dich persönlich im Anschluss an das Trainee-Programm bei Bosch weiter?

Ich werde ab kommendem Monat eine Stelle in der Zentrale meines Geschäftsbereichs übernehmen und Standorte bzw. Entwicklungsprojekte beim Einsatz von Industrie 4.0 Technologien beratend unterstützen. Das passt gut zu meinem bisherigen Werdegang, da ich während des Trainee-Programms viele verschiedene Standorte, Projekte und Themen kennengelernt habe und diese Erfahrung nun bei meiner ersten Stelle nach dem Trainee-Programm einbringen kann.


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