Vorsicht, Fallstudie: Tipps zur Lösung von Case Studies

„Mit welcher Strategie wollen Sie das Unternehmen aus der Krise führen?“ – Diese Frage wird nicht nur den Managern eines Unternehmens gestellt, sondern auch den Bewerbern für eine Trainee-Stelle. Denn immer mehr Firmen nutzen sogenannte Case Studies als Element im Bewerbungsverfahren, beispielsweise im Rahmen eines Assessment Centers. Hier erfährst du, was dich erwartet, welche verschiedenen Arten es gibt und wie du eine Fallstudie bravourös meisterst!

Inhalt:

  1. Definition und Ablauf
  2. Zweck einer Fallstudie
  3. Case Studies Typen
  4. Vorbereitung
  5. Do’s and Dont’s

Definition und Ablauf: Was genau ist eine Case Study? 

In einem Case-Study-Auswahlverfahren musst du dich in die Lage eines Managers versetzen und wichtige Entscheidungen für das Unternehmen treffen. Oft gilt es auch einfach knifflige – auf den ersten Blick unlösbare – Aufgaben zu lösen, die nichts mit der Geschäftswelt zu tun haben. Du bewertest in einer Fallstudie zum Beispiel, ob das Unternehmen eine Fusion eingehen, Mitarbeiter abbauen oder sein Sortiment umstrukturieren sollte – und das alles mit einer tickenden Uhr im Hintergrund, denn in der dynamischen Geschäftswelt sind schnelle Entscheidungen gefragt. Auch Schätzfragen oder Aufgaben, bei denen Schnelligkeit, Logik oder Kreativität gefragt sind, sind gerne gesehen.

Oft wird die Situation zusätzlich erschwert, indem du nicht alle Informationen bekommst, die du im Idealfall benötigen würdest. In der Regel löst du Case Studies alleine, manchmal auch in der Gruppe – was für Personaler den Vorteil hat, dass nebenbei auch deine Teamfähigkeit gecheckt werden kann. Was die Länge und Anzahl der Aufgaben betrifft, so ist alles möglich – mal gibt es eine große Aufgabe, mal mehrere kleine, mal hast du eine Stunde Zeit, mal den ganzen Tag. Die Präsentation der Lösung erfolgt schriftlich oder mündlich im Dialog mit deinen Beobachtern.

Zweck einer Fallstudie: Was hat das für einen Sinn?

Eine Fallstudie hilft Personalern dabei, Bewerber besser einzuschätzen – sowohl fachlich als auch in Hinblick auf ihre Soft Skills. Dadurch, dass du zum Beispiel mit Aufgaben konfrontiert wirst, die dir im realen Alltag als Führungskraft auch begegnen können, wird schnell klar, ob du so einer Aufgabe theoretisch gewachsen wärst oder ob du mit völliger Überforderung reagieren würdest. 

Grundsätzlich werden

  • Stressresistenz,
  • Konzentrationsvermögen,
  • analytisches Denken,
  • die Fähigkeit sich in komplexe Themenbereiche schnell einzuarbeiten,
  • logisches Denken,
  • Kreativität,
  • strukturiertes Arbeiten und
  • unternehmerisches Denken

abgefragt. Je nach Aufgabentyp wird die Liste an Dingen, die der Personaler checken will, länger.

Welche Typen von Case Studies gibt es?

Grob kann man Fallstudien in drei Klassen einteilen:

Business Case:

Der klassische Fall ist der Business Case. In der Regel soll dabei ein für den Arbeitsalltag reales Business-Problem gelöst werden – so wird auch schnell klar, ob du in der Lage bist, im Sinne des Unternehmens zu denken. Bei der Bearbeitung musst du also viele Faktoren bedenken, denn hier wird genau darauf geachtet, ob du die richtigen Schwerpunkte setzt und den richtigen Riecher dafür hast. Außerdem zeigst du, dass du in einem knappen Zeitrahmen tragfähige Entscheidungen treffen kannst und Fähigkeiten mitbringst, die für die Trainee-Stelle und als Führungskraft elementar sind. Du legst also  – ähnlich wie beim Probearbeiten – eine Art Arbeitsprobe ab. Bei der Präsentation deiner Ergebnisse wird nicht nur darauf geachtet, wie schlüssig deine Argumentation ist, sondern auch, wie überzeugend du sie rüberbringst. Lautes Denken und clevere Rückfragen sowie Notizen sind nicht nur erlaubt, sondern erwünscht. 

Mögliche Bereiche sind beispielsweise:

  • Profitabilität mit Leitfragen wie:

Wie kann man den Gewinn eines Unternehmens steigern? Warum macht ein Bereich Verluste?

  • Einführung eines neuen Produktes mit Leitfragen wie:

Ist der Markt attraktiv? Macht das Unternehmen mit einem neuen Produkt Gewinn?

  • Reaktion auf Veränderungen im Marktumfeld mit Leitfragen wie:

Wie beeinflussen politische Umbrüche, neue Technologien oder veränderte Ansprüche der Kunden das Geschäft?

  • Fusionen und Übernahmen mit Leitfragen wie:

Wie lässt sich der Übernahmekandidat bewerten? Ist eine Übernahme lukrativ genug?

Brainteaser:

Wie der Name schon sagt, sind Brainteaser eine harte Nuss. Nämlich so richtige Knobelaufgaben mit Überraschungseffekt. Nur, dass du nicht endlos Zeit hast, dich dieser Knobelei hinzugeben, sondern jemand quasi mit der Stechuhr neben dir steht und dich beim Denken beobachtet. Wichtig ist dabei: Die richtige Antwort ist nicht unbedingt wichtig, sondern eher deine Herangehensweise – der Lösungsweg ist hier das Ziel. Manchmal gibt es nicht mal eine richtige Antwort. Wichtig ist also: Lass dich nicht aus der Ruhe bringen, sondern analysiere ruhig, denke dabei laut und stell im Zweifel Rückfragen, denn auch die zeigen, dass du dich reindenkst, anstatt einfach direkt zu sagen „Das kann ich nicht“. Kommst du zu einem Ergebnis, begründest du das und zeigst dadurch nochmal deutlich deine Methode auf. Erlaubt ist auch, nach Zettel und Stift zu fragen und während deiner (lauten) Überlegungen vor sich hinzukritzeln bzw. Stichpunkte zu notieren als Basis für die Präsentation deiner Ergebnisse.

Diese Fragen können dich erwarten:

  • Wie schwer ist Manhattan?

(Lösungsansatz: Das genaue Ergebnis zu treffen ist unmöglich, viel wichtiger ist deine Herangehensweise. Ausgehen kannst du zum Beispiel von der Anzahl der Streets und Avenues, der Länge der Häuserblöcke, der Tiefe von Manhattan, dem Gewicht von Granit, woraus Manhattan besteht)

  • Eine Sanduhr läuft in sieben Minuten durch, eine andere in fünf. Wie stoppt man damit 13 Minuten?

(Lösungsansatz: Hier gibt es viele Lösungen, also: Einfach loslegen, ausprobieren, Vielfache und Differenzen der sieben und fünf Minuten prüfen)

  • Erklären Sie einem Blinden die Farbe Lila.

(Lösungsansatz: Den Blinden fragen, welche Farben er sich vorstellen kann, darauf basierend Abweichungen erklären. Wichtig: Keine Frustration zeigen!)

  • Warum sind Kanaldeckel rund?

(Lösungsansatz: Kanaldeckel müssen im Gegensatz zu Gullys bewegt werden und dabei steigt das Verletzungsrisiko für Arbeiter. Durch die runde Form können sie aber nicht runterfallen und somit auch niemanden verletzen.)

Marktgrößeneinschätzungen:

Auch hier gilt: Es ist nicht verlangt, dass du eine genaue Zahl triffst. Vielmehr musst du Einblicke in deine Gedanken gewähren und deine Überlegungen verbalisieren. Deine Vermutungen zum Beispiel darüber, wie groß die Zielgruppe ist oder was etwas kostet, kannst du laut aussprechen und dann am Gesicht des Interviewers im Idealfall ablesen, ob du einigermaßen richtig oder total daneben liegst. Lücken sind hier völlig ok – man kann nicht alles wissen! Rechnen bleibt bei dieser Übung übringens nicht aus, wofür du aber auch wieder nach Zettel und Stift fragen kannst.

Beispiele für Marktgrößeneinschätzungen:

  • Wie schätzen Sie das Marktvolumen für Windeln ein?

(Lösungsansatz: Wie viele Babys werden jährlich geboren, bis zu welchem Lebensjahr brauchen sie wie viele Windeln am Tag, wie teuer ist eine Windel?)

  • Wie viele Rollstühle gibt es in Deutschland?

(Lösungsansatz: Anteil der alten Menschen in der Bevölkerung, wie viele haben damit Probleme mit dem Gehen, wie viele junge Leute könnten betroffen sein, was zahlt die Versicherung?)

  • Wie hoch ist das Marktpotential für Inline Skates in China?

(Lösungsansatz: Wie groß ist die Bevölkerung Chinas, was kosten Inline Skates, wie hoch ist die Kaufkraft, wie hoch die Wiederkaufraten, wie viel wird importiert?)

Wie kann ich mich vorbereiten?

Klar kannst du dich stundenlang durch Bewerbungsratgeber wühlen oder im Internet zahlreiche Übungen machen. Aber verlass dich nicht darauf, dass genau die drankommt, die du dir zurechtgelegt hast – erstens gibt es unzählige davon, und zweitens greifen immer weniger Personaler auf die absoluten Klassiker zurück. Im Vorfeld zu üben, indem du mehrere Fallstudien durchmachst, ist dennoch wichtig, um dich an die Art der Aufgabe zu gewöhnen. Auch schriftlich rechnen solltest du unbedingt nochmal wiederholen sowie Kopfrechnen trainieren. Auswendig lernen hingegen macht keinen Sinn – denn abgesehen davon, dass du dir nicht alle Übungen merken kannst, merkt der Personaler wiederum, dass du nicht live denkst, sondern einfach nur abspulst. Und das ist nicht Sinn der Übung!

Also: Pack dir Zettel und Stift, gehe ein paar Brainteaser und Case Studies durch, sprich bei der Suche nach der Lösung laut vor dich hin, übe rechnen und informiere dich genau über das Unternehmen, die Branche und den Markt! Dann bist du gut vorbereitet und kannst frisch, ausgeschlafen und konzentriert in der Fallstudie punkten. Im Idealfall entwickelst du eine gewisse Routine sowie Neugier auf weitere Aufgaben – gehst du mit Freude statt schlotternd vor Angst in die Case Study, macht das auf jeden Fall Eindruck auf die Personaler.   

Do`s and Dont`s auf einen Blick: Wie klappt die Lösung der Case Study?

Yes Nope
Ruhe bewahren und offen für die Aufgabenstellung sein. Es gilt: Erst denken, dann lösen!

Panisch reagieren, wenn es nicht auf Anhieb klappt, und daraufhin unüberlegt handeln

Problem erkennen und irrelevante Informationen streichen Sich an unwichtigen Kleinigkeiten aufhalten
Strukturieren und Teilprobleme lösen Alles auf einmal lösen wollen
Lösungsschritte verbalisieren

Nicht erklären, was du tust

Allgemeine Rückfragen stellen Viele Details erfragen, zum Beispiel „Wie viele Leute leben denn in China?“
Nach Zettel und Stift verlangen Alles nur im Kopf zurechtlegen und keine Einblicke gewähren
Stichpunkte aufschreiben und aufmalen, schriftlich rechnen Dich mit Kopfrechnen unnötig verzetteln oder direkt zu sagen „Rechnen kann ich gar nicht“
Falls es mehrere Lösungen geben könnte, thematisieren – das zeugt vom Blick über den Tellerrand

Nach einer (scheinbaren) Lösung erleichtert den Stift weglegen, „fertig!“ rufen und dich zurücklehnen.

Zeit sinnvoll einteilen

Zu viel Zeit auf Kleinigkeiten, zum Beispiel Zahlen, die du sowieso nicht genau wissen kannst, aufwenden

Entscheidungen klar begründen Nur deine scheinbare Lösung präsentieren und darauf beharren

Lachen, wenn du mal total danebenliegst, aber durchaus auch die eigenen Fehler anerkennen und interessiert nach deinem Denkfehler fragen

Frustration ausstrahlen und Fehler auf die doofe Aufgabenstellung schieben

 

Optimal vorbereitet in den Auswahlprozess:
>> 7 typische Aufgaben im Assessment Center
>> Postkorbübung bravourös meistern: Praxisbeispiel

Es hat nicht geklappt und du bist wieder auf der Suche?
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>> Von der ersten Sekunde an punkten: So klappt es mit der Trainee-Bewerbung

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Über den Autor

Bettina Wilde
Bettina Wilde
Bettina Wilde ist seit 2015 für das Content Team von TRAINEE-GEFLÜSTER an Bord. Als studierte Germanistin und Trainee-Expertin schreibt sie für ihr Leben gern und kümmert sich um alle wichtigen Fragen rund um das Thema Berufseinstieg.

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Bettina Wilde

Trainee-Expertin, Redaktion TRAINEE-GEFLÜSTER

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