Experten-Interview : Der richtige Umgang mit Stress und Kritik im Job

Im Interview mit dem Trainee-Geflüster spricht Bildungsberaterin Dagmar Friebel über die geänderten Anforderungen an Führungskräfte, das “richtige” üben von Kritik und wie man mit Stress im Berufsleben umgehen sollte. Zudem erfahren wir, warum Stress nicht immer unbedingt nur negativ ist.

Welchen Einfluss nehmen die neuen Medien und insbesondere der vermehrte Einsatz von Informations- und Kommunikationstechnologien auf die Anforderungen an Führungskräfte?

Durch die enorme Informationsflut können Führungskräfte oft kaum noch ihrem Führungsanspruch gerecht werden. Statt zu führen wird verwaltet. Die modernen Technologien machen mehr möglich, als für die Einzelnen verarbeitbar ist. Und der Mythos der ständigen Erreichbarkeit setzt viele unter Druck. Der Trend ist schon fast wieder gegenläufig: Die ersten Blackberries werden wieder abgeschafft, ein E-Mail-freier Freitag eingeführt und Trainings angeboten, um diesem Wust an Informationen Herr zu werden.

In vielen Unternehmen sind die Hierarchien flach. Was müssen Führungskräfte in einer solchen Umgebung tun, um den nötigen Respekt der Mitarbeiter zu erhalten?

Vorbild sein, Vertrauen schaffen, indem die Führungskraft verlässlich ist, Sicherheit geben und vor allem klar in den Vorgaben sein. Das bedeutet in erster Linie, dass die Führungskraft die eigene Rolle annimmt und nicht versucht, der Kumpel der Mitarbeiter zu sein. Das bedeutet ebenfalls, die Mitarbeiter nicht als Erfüllungsgehilfen der eigenen Unzufriedenheit zu machen nach dem Motto: Ich würde das ja anders machen, aber die Geschäftsleitung will das so! Das untergräbt die eigene Autorität und verschafft kaum Respekt. Führungskräfte müssen loyal sein, das erwarten Mitarbeiter! Das bedeutet keineswegs, dass Führungskräfte unkritisch sein sollen, im Gegenteil! Die Frage ist nur, wo ich die Kritik anbringe und mit wem was besprochen wird. Führungskräfte müssen in der Lage sein, Ziele zu verfolgen und die Mitarbeiter dafür begeistern, diese Ziele zu erreichen.

Gibt es Studien, welcher Führungsstil den größten Erfolg verspricht?

Untersuchungen gibt es viele, aber keine, die letztendlich zu einem begründeten eindeutigen Ergebnis kommt.

Als Führungskraft muss man seine Mitarbeiter gut einschätzen können, vor allem auch um deren Potentiale zu erkennen. Ist die dafür erforderliche Menschenkenntnis trainierbar?

Menschenkenntnis ist trainierbar. Entscheidend ist mein Wahrnehmungs-, vermögen. Welche Meta-Programme verwendet mein Gegenüber? Wie nimmt er die Welt wahr? Ein gezieltes Training der sozialen Kompetenzen, die Beschäftigung mit psychologischen Modellen sowie eine NLP-Ausbildung können die Fähigkeit unterstützen, Menschen schnell und sicher einzuschätzen und sich selbst besser kennen zu lernen. Gegenseitiger Respekt und Würdigung der Unterschiedlichkeit verschiedener Menschen ist notwendig, um die Potentiale des anderen erkennen zu können.

Zur sozialen Kompetenz gehört auch der Umgang mit Stress. Nicht selten wird dieser durch Probleme mit Kollegen und Vorgesetzten ausgelöst. Wie lautet Ihr Ratschlag zum Kritik üben?

Feedback sollte sich immer auf Verhaltensweisen beziehen, die erlernbar beziehungsweise veränderbar sind. Das heißt, man sollte immer nur so viel Kritik üben, wie der andere im Moment aufnehmen kann. Damit das Feedback dann die gewünschte Wirkung hat, müssen bestimmte Regeln beachtet werden. Voraussetzung ist, dass diese Regeln beiden Gesprächspartnern bekannt sind: direkt, eher beschreibend – nicht bewertend oder interpretierend, konkret – nicht verallgemeinernd, eher einladend – nicht zurechtweisend, realistisch – nicht utopisch, brauchbar, unmittelbar – nicht verspätet, subjektiv – nicht für alle sprechend. Außerdem gilt: Ich-Botschaften bauen Widerstände beim Gegenüber ab und erzeugen Verständnis. Und auch die sog. „Sandwich-Methode“ ist sinnvoll: positiver Einstieg – Anregung/Kritik – positiver Abschluss.

Mit welchen Strategien und Maßnahmen lässt sich beruflicher Stress abbauen und auch einem Burn-Out vorbeugen?

Wenn jemand sein Stressniveau reduzieren möchte, kann er folgende Maßnahmen durchführen: 1. Stressoren identifizieren, 2. Priorisieren der Stresssituationen, 3. Bestandsaufnahme der eigenen Stressbewältigungsstrategien, 4. Möglichkeiten der kurzfristigen Milderung der Stressreaktion durch Wahrnehmungslenkung, Pausen, Methoden der Kurzzeit-Entspannung, positive Selbstgespräche und Abreaktion, 5. Ursachen des Stresses analysieren, 6. Entwicklung von langfristigen Systemen wie individuelles Zeitkonzept und individuelles Entspannungskonzept: Dazu zählt autogenes Training, progressive Muskelentspannung, Ausgleichssport, Bekämpfen der Stressursachen, Netzwerk- bzw. Teamarbeit und die Stärkung der sozialen Kompetenz.

Stress wird in erster Linie mit negativem Stress assoziiert. Wann kann Stress auch positiv sein?

Stress hat durchaus etwas Positives, denn durch ihn führen wir uns oft zu Spitzenleistungen. Er ist unser Antrieb auch Aufgaben zu erledigen, die wir nicht unbedingt gerne machen. Nur dauerhaft können wir mit diesem Zustand nicht umgehen. Er kann lebensbedrohend sein. Ich schaffe viel und konzentriere mich auf das Wesentliche. In dieser Arbeitsphase leben viele das Pareto-Prinzip in Vollendung!

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Bettina wilde

Bettina Wilde

Trainee-Expertin, Redaktion TRAINEE-GEFLÜSTER

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