"Lern- und Veränderungsbereitschaft sind die wichtigsten Soft Skills"

Diplom-Pädagogin und Soft-Skills-Coach Dagmar Friebel im Interview mit dem Trainee-Geflüster über die Relevanz der sozialen Kompetenzen im Beruf, die besonderen Anforderungen an Führungskräfte und den Nutzen von Klatsch und Tratsch in der Betriebsküche.

Frau Friebel, mit dem Ausdruck „Soft Skills“ werden nicht nur Jobsuchende dieser Tage häufig konfrontiert, aber was kann man sich unter dem Begriff eigentlich genau vorstellen?

Unter „weichen Fähigkeiten“ verstehe ich alle Fähigkeiten aus dem Bereich ‚Soziale Kompetenzen’. Es sind Schlüsselqualifikationen, die neben den Fachkompetenzen erforderlich sind, um einen guten Job zu machen: Kommunikative Kompetenz, Einfühlungsvermögen, die Fähigkeit, der Selbstreflexion und Eigenmotivation, um hier nur einige zu nennen. Eben alles, um die zwischenmenschlichen Ebene kompetent und professionell zu gestalten.

Hat der geniale aber verschlossene Tüftler heute überhaupt noch eine Chance? Oder gibt es noch Branchen, in denen Soft Skills eine untergeordnete Rolle spielen?

Kaum. Selbst Branchen, die bis vor kurzem noch den Ruf genossen haben, solchen Menschen ein Zuhause zu bieten, haben Ihre Anforderungen geändert. Ein Beispiel: Software-Entwickler können sich nicht in ihr Büro zurückziehen und vor sich hin entwickeln. Die Kommunikation mit Kollegen und Kunden ist für sie heute existentiell. Wer nicht in der Lage ist oder den Willen mitbringt mit anderen Menschen erfolgreich zusammen zu arbeiten, findet auch dort kein Arbeitsfeld mehr.

Nach einer Studie des Bundesinstituts für Berufsbildung werden in Stellenanzeigen am häufigsten Team-, Kooperations- und Kommunikationsfähigkeiten gefordert. Welche Qualitäten sollte ein Trainee noch mitbringen, schließlich sollen Trainees häufig die Führungskräfte von morgen sein?

Als Trainerin erlebe ich viele Menschen, die in den unterschiedlichsten Bereichen tätig sind. Je nach Persönlichkeit und jeweiliger Situation sind diese Menschen mal mehr und mal weniger kommunikativ, teamfähig oder kooperationsfähig. Ich habe immer wieder die Erfahrung gemacht, dass bei vorhandener Veränderungs- oder Entwicklungsbereitschaft gepaart mit Lernfähigkeit sowie der Fähigkeit, sich selbst zu reflektieren, Menschen auch in der Lage sind, sich flexibel und angemessen zu verhalten. Deshalb steht für mich Veränderungs- und Lernbereitschaft an oberster Stelle. Nicht mehr und nicht weniger!

Der Wettbewerb unter den Unternehmen steigt und damit auch die Suche nach ideenreichen Lösungen. Haben „Kreativköpfe“ aus den Geistes- und Sozialwissenschaft in Zukunft bessere Karrierechancen?

Die Personalverantwortlichen tun sich noch schwer mit Absolventen, da diese sich nicht genau über die Studieninhalte klar sind. Die Personalleiter selbst verfügen meist auch über ein BWL-Studium mit Schwerpunkt „Personalmanagement“ , sodass sie sich mit für sie greifbareren Inhalten leichter tun. Ich persönlich denke aber, dass auch diese Arbeitsbereiche „Kreativköpfe“ hervorbringen, die dem globalen Markt und den sehr komplexen Anforderungen gerecht werden.

Soft Skills-Fähigkeiten werden heute im Berufsleben stark gefragt. Inwiefern haben sich die Anforderungen an Führungskräfte in den letzten 30 Jahren verändert?

An erster Stelle steht auch hier die Veränderungsbereitschaft und –fähigkeit. Zusätzlich brauchen Führungskräfte von heute ein sehr gutes Selbstmanagement um den Anforderungen im sich ständig verändernden Umfeld gerecht zu werden. Dabei geht es um die eigene Zielsetzung und um Prioritäten. Der ständige Abgleich zwischen Anforderungen und Kompetenzen sollte in einem eigenen Entwicklungsplan für sich selbst enden.

Welchen Einfluss nehmen die neuen Medien und insbesondere der vermehrte Einsatz von Informations- und Kommunikationstechnologien auf die Anforderungen an Führungskräfte?

Durch die enorme Informationsflut können Führungskräfte oft kaum noch ihrem Führungsanspruch gerecht werden. Statt zu führen wird verwaltet. Die modernen Technologien machen mehr möglich, als für die Einzelnen verarbeitbar ist. Und der Mythos der ständigen Erreichbarkeit setzt viele unter Druck. Der Trend ist schon fast wieder gegenläufig: Die ersten Blackberries werden wieder abgeschafft, ein E-Mail-freier Freitag eingeführt und Trainings angeboten, um diesem Wust an Informationen Herr zu werden.

Im Zuge der Globalisierung fordern viele Arbeitgeber von ihren Mitarbeitern sog. „interkulturelle Kompetenz“. Was kann man sich darunter genau vorstellen?

Interkulturelle Kompetenz bedeutet, sich sowohl in der eigenen Kultur als auch in anderen Kulturen sicher zu bewegen. Verhaltenskonventionen und Verständnis für Unterschiede sollten ausgebildet sein. Häufig fehlt schon die Souveränität im Umgang im eigenen Kulturbereich. Knigge-Trainings liegen deshalb voll im Trend. Im Umgang mit Menschen aus anderen Kulturen ist es wichtig, die eignen Konventionen zu beherrschen und den eigenen Stil entwickelt zu haben, der den Respekt anderen gegenüber widerspiegelt.

Wieso ist die sogenannte „Networking-Kompetenz“ heute so wichtig?

Ohne Netzwerken kommt in der heutigen Dienstleistungs-Geschäft niemand aus. Die Anforderungen, die vom Kunden gestellt werden, sind meist so komplex, dass sie nur in Zusammenarbeit mit anderen erfüllt werden können. In unserem Unternehmen steht die Kundenbegeisterung im Mittelpunkt. Das kann auch heißen, einen kompetenten Kollegen aus dem eigenen Netzwerk einzusetzen. Zudem haben sich die Märkte vergrößert. Kooperationen machen neue Verbindungen und Geschäfte, vor allem Einstiege möglich. Wer nicht mit anderen kooperiert hat keine Chance. Wer seinen Horizont an der eigenen Nase enden lässt oder nur nimmt, wird nur kurzzeitigen Erfolg haben. Networking funktioniert nur, wenn sich Nehmen und Geben die Waage hält und ein Gewinn für beide Seiten entsteht, auf den alle Beteiligten hinarbeiten.

Inwiefern gehört zu den kommunikativen Kompetenzen auch, sich in der Betriebsküche mit den Kollegen über den neuesten Firmen-Klatsch zu unterhalten?

Klatsch und Tratsch wird häufig verpönt, ist aber ein Zeichen dafür, dass Interesse füreinander besteht. So lange der Small Talk nicht durch Bösartigkeit geprägt ist, ist dies ein Mittel um Beziehungen aufzubauen und zu erhalten.
——————————————————————————————————————–
Lies auch: Personaler-Interview über den Sinn, Zweck und Grenzen von Assessment Centern.

Artikel weiterempfehlen:

Bettina wilde

Bettina Wilde

Trainee-Expertin, Redaktion TRAINEE-GEFLÜSTER

Persönliche Empfehlung

Erhöhe deine Chancen bei der Jobsuche.
Beim Karriereportal ABSOLVENTA kannst du Kontaktanfragen von über 5.000 Arbeitgebern erhalten.

  • Kostenlos anmelden
  • Lebenslauf hochladen
  • Jobanfragen erhalten
Kostenloses Profil erstellen

Weitere Artikel aus dieser Kategorie