Prof. Ingo Weller im Interview zur Trainee-Auszeichnung

Prof. Ingo Weller im Interview zur Trainee-Auszeichnung

Auszeichnen, was ausgezeichnet ist: Seit Ende 2011 gibt es die Trainee-Auszeichnung, mit der „karrierefördernde und faire Trainee-Programme“ gekennzeichnet werden. TRAINEE-GEFLÜSTER sprach mit Prof. Ingo Weller vom Institut für Personalwirtschaft der Ludwig-Maximilians-Universität München, der die Einführung der Trainee-Auszeichnung wissenschaftlich begleitet hat, über die Merkmale eines guten Trainee-Programms und das wissenschaftliche Prüfverfahren.

 

Herr Prof. Weller, die Trainee-Auszeichnung kennzeichnet faire, qualifizierende Trainee-Programme. Warum ist eine solche Kennzeichnung überhaupt nötig?

Prof. Weller: Der Begriff „Trainee-Programm“ ist nicht geschützt. Daher variieren die Merkmale der Programme stark, die als Trainee-Programme bezeichnet werden. Genauer gesagt findet man diverse Kombinationsmöglichkeiten: Programme, die Trainee genannt werden, aber eigentlich die charakteristischen Merkmale von Trainee-Programmen nicht besitzen; und solche, die anders bezeichnet werden, von der Idee her aber ein Trainee-Programm sind. Die Auszeichnung soll für Transparenz sorgen und Informationsasymmetrien abbauen.

Die Vergabe der Auszeichnung beruht auf einem wissenschaftlichen Prüfverfahren. Wie viel Wissenschaft steckt dahinter?

Prof. Weller: Der Prozess basiert auf einer Charta für „faire und karrierefördernde Trainee-Programme“. Diese benennt fünf Merkmale, durch die sich ein „echtes“ Trainee-Programm – so, wie wir es definiert haben – auszeichnet. Jedes Merkmal ist wiederum durch Proof-Points, also durch konkrete Beispiele, hinterlegt, die Unternehmen ­eine Selbsteinschätzung zum Erfüllungsgrad der Merkmale erlauben. Die Ausarbeitung der Charta und Proof-Points erfolgte in einem iterativen Diskussionsprozess zwischen Absolventa GmbH als Initiator der Auszeichnung, unserem Institut und einer Gruppe von Unternehmen, die von Anfang an in die Initiative eingebunden waren.

Wie sieht der Prüfprozess in der Praxis aus: Wie messen Sie die Qualität der Trainee-Programme?

Prof. Weller: Potentielle Kandidaten melden ihr Interesse bei der Absolventa GmbH an und geben eine Selbstauskunft zum Erfüllungsgrad der Proof-Points. In den meisten Fällen ist damit eine Beurteilung bereits möglich. Kritische Fälle im Graubereich zwischen „auszeichnen“ und „ablehnen“ diskutieren wir gemeinsam mit Absolventa. Wir setzen im ersten Schritt auf die Selbstauskunft der Unternehmen und verzichten auf eine weitere Prüfung der Angaben. Da Charta und Auszeichnung verpflichtend an die Trainees der ausgezeichneten Unternehmen kommuniziert werden müssen, gehen wir davon aus, dass ein Missbrauch rasch auffliegen würde. Wird ein Anfangsverdacht bekannt, zum Beispiel weil ein Trainee ein Programm über die eigens dafür eingerichtete Hotline reklamiert, nehmen wir mit den Beteiligten unter Wahrung der wechselseitigen Anonymität Kontakt auf und klären den Sachverhalt.

Wenn Sie die fünf Oberpunkte der Charta gewichten müssten, wie sähe dann Ihre Reihenfolge aus?

Prof. Weller: Diese Frage kann ich nicht abschließend beantworten. Ich würde die ersten drei Punkte – langfristige Zusammenarbeit, Mentoring, umfassender Einblick – als definierende Entwicklungs-Charakteristika beschreiben. Der vierte Punkt – Vergütung – zielt stärker auf den Aspekt der Fairness ab. Der fünfte Punkt – Evaluation – ist eher technischer Natur und verlangt ein professionelles Controlling. Alle Punkte sind wichtig und liegen nicht auf derselben Dimension, sodass eine Einordnung in eine konsistente Rangfolge kaum möglich ist.

Die Initiative des Trainee-Siegels startete mit 10 Partnerunternehmen. Welchen Einfluss hatten oder haben diese auf die Trainee-Auszeichnung?

Prof. Weller: Einen sehr wichtigen. Ohne die konkrete Diskussion verschiedener Merkmale und Ziele von Trainee-Programmen wäre die Ausarbeitung der Charta und der Proof-Points nicht möglich gewesen.

Es wurden bisher ca. 200 Unternehmen ausgezeichnet, der Großteil sind große Unternehmen. Haben kleine und mittlere Unternehmen angesichts der recht hohen Anforderungen eine reelle Chance auf die Auszeichnung, oder handelt es sich um eine „geschlossene Gesellschaft“?

Prof. Weller: Keineswegs. Wie bei fast allen personalwirtschaftlichen Maßnahmen beobachten wir aber auch hier, dass KMU im Vergleich zu großen Unternehmen einen weniger großen und geringer strukturierten bzw. formalisierten Baukasten für HRM-Maßnahmen haben. Das muss nicht schlecht sein, führt aber zu der beschriebenen ungleichen Verteilung.

Wie war das bisherige Feedback von Seiten der Wirtschaft und der Trainees auf die Initiative?

Prof. Weller: Soweit ich es verfolgen kann: sehr positiv. Ich werde sogar vereinzelt von Studierenden auf das Thema angesprochen. In den bisherigen Diskussionen mit Unternehmensvertretern wurde zwar auch Kritik geübt, diese war aber stets konstruktiv und daher sehr hilfreich. Insgesamt ist das Feedback überaus positiv für uns.

Um die hohe Qualität der Trainee-Programme sicher zu stellen, verlangt die Charta von den Unternehmen stetig interne und externe  Evaluationsmaßnahmen zu den Programmen. Gilt das auch für das Trainee-Siegel an sich?

Prof. Weller: Auch die Trainee-Auszeichnung muss sich entwickeln (können). Wir sind sehr daran interessiert, Kritik und Entwicklungen aufzugreifen. Um die hohe Qualität der ausgezeichneten Trainee-Programme nachhaltig sicherzustellen, soll es zukünftig eine umfassendere Evaluation geben als bisher. Unter anderem sollen die „Proof Points“ von den Trainees der ausgezeichneten Unternehmen bewertet werden. Zudem planen wir die Durchführung einer unabhängigen Zufriedenheitsanalyse. Ziel der Evaluation ist auch ein internes „Scoring“ der Programme, das die Unternehmen umfassend informiert und motiviert, die Qualität auf einem hohen Niveau zu sichern und regelmäßig zu reflektieren.

Das Interview ist ein Auszug aus dem Buch "Trainee-Knigge – Praxisnaher Ratgeber für den Berufseinstieg".

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Bettina wilde

Bettina Wilde

Trainee-Expertin, Redaktion TRAINEE-GEFLÜSTER

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