Experten-Interview: Besonderheiten beim Berufseinstieg als Trainee

Gerhard-Hermann Koch war jahrzehntelange als Personalberater tätig und betreibt die Webseite karrierehandbuch.de wo er zahlreiche Tipps und Hilfestellungen für Bewerbung und Karriere anbietet. Im Interview mit dem Trainee-Geflüster sagt er unter anderem, was die Besonderheiten beim Berufseinstieg als Trainee sind und gibt Tipps, wie man die Bewerbung für Trainee-Stellen gestalten sollte.

Was zeichnet den Berufseinstieg als Trainee gegenüber einem Direkteinstieg aus?

Der Begriff Trainee-Programm steht nicht für eine immer gleichwertige Ausbildung in der Praxis. Das zeigen schon die unterschiedlichen langen Programme von meistens einem bis zwei Jahren. Im Regelfall ist der Trainee ein Hochschulabsolvent, der systematisch zu einer universell einsetzbaren Nachwuchsführungskraft ausgebildet wird. Hierdurch kann auch der Trainee in der Praxis erproben, welcher Fachbereich ihm am besten liegt. Bei einem Direkteinstieg steht ja schon von Beginn an fest, in welcher Position bzw. auch in welchem Fachbereich der Absolvent zukünftig eingesetzt werden soll. Aber auch bei einem Direkteinstieg kann ein Programm durchlaufen werden, welches einer Trainee-Ausbildung weitestgehend entspricht.

Welche Vorteile bringt Absolventen der Berufseinstieg über ein Trainee-Programm?

Der Trainee lernt meistens alle bedeutenden Funktionsbereiche eines Unternehmens kennen. Er weiß nach seiner Ausbildung, wie das Zusammenspiel der verschiedenen Bereiche funktioniert. Und – was meistens ebenso wichtig ist – er kennt die jeweils verantwortlichen Manager und umgekehrt. Das wird ihm später seine Arbeit erleichtern, denn er kann über dieses Netzwerk vieles bewegen. Für andere Berufseinsteiger ist es schwerer, diese Kontakte aufzubauen.

Gilt ein Trainee-Programm als der höherwertigere Berufseinstieg?

Es gibt Unternehmen, die für Aufstiegspositionen Trainees generell bevorzugen. Das sind meist international agierende Großunternehmen. Bei vielen mittelständischen Unternehmen zählt eher die erbrachte Leistung, und die lässt sich schneller beim Direkteinstieg beweisen. Im Grunde ersetzen viele Trainee-Programme nur das Praxiswissen, das den Absolventen trotz Praktika fehlt. Generell zählt das bewiesene Können mehr als die gewählte Art des Einstiegs, inklusive des Hochschulabschlusses bzw. der hierbei erzielten Noten. Einen Vorteil hat der Absolvent eines Trainee-Programmes: Viele Führungskräfte des Unternehmens lernen sein „Können“ kennen – das gilt allerdings auch für sein „Nichtkönnen“.

Trainee-Programme sind in der Regel klassische Einstiegspositionen. Mit wie viel Jahren Berufserfahrung macht es noch Sinn, sich auf eine Trainee-Stelle zu bewerben?

Das hängt auch vom Lebensalter ab. Ein Trainee soll schließlich auf eine Führungsaufgabe vorbereitet werden. Ist ein Hochschulabsolvent bereits um die dreißig Jahre alt, verliert er über ein zweijähriges Traineeprogramm nochmals Zeit, die er für einen Aufstieg benötigt. Wer mit etwa 25 Jahren fertig ist, kann problemlos zwei Jahre investieren. Mit einer Erfahrung von bis zu 2-3 Jahren im Mittelstand kann ein Traineeprogramm noch Sinn machen, wenn der Betroffene in ein Großunternehmen wechselt und zudem noch „jung“ ist.

Sollten Absolventen ihre Bewerbung für ein Trainee-Programm inhaltlich anders gestalten als eine Bewerbung für einen Direkteinstieg?

Der Aufbau des Lebenslaufes und der Anlagen ist bei beiden Bewerbungen identisch. Sie müssen aber schon im Anschreiben erkennen lassen, dass Sie sich für einen Einstieg als Trainee bewerben. Ebenso sollte erkennbar sein, warum Sie eine solche weitere Ausbildung anstreben. Das könnte zum Beispiel beinhalten, dass Sie Führungskraft werden wollen oder international tätig sein möchten. Wer nicht konkret benennt, was er für ein Ziel hat, wird es sich schon dadurch verbauen. Hervorgehoben werden sollte immer das, was für das Angestrebte nützlich erscheint. Im Übrigen sollte man sich dort bewerben, wo man längerfristig tätig sein will. Also internationales Unternehmen, Großunternehmen oder Mittelstand. Bereits Trainee-Stellen prägen einen für das weitere Berufsleben und beeinflussen es somit erheblich.

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Bettina wilde

Bettina Wilde

Trainee-Expertin, Redaktion TRAINEE-GEFLÜSTER

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