Vom Trainee zur Führungskraft: Karrierefaktor Soft Skills

Sehr guter Hochschulabschluss – check, Auslandserfahrung – check, Praktika gemacht – check, und dann folgt in der Stellenanzeige für das Trainee-Programm eine lange Liste an Eigenschaften, die du zusätzlich mitbringen sollst: Die Rede ist von Soft Skills, die man nicht studieren kann. Oder vielleicht doch? Hier erfährst du, was genau man unter Soft Skills versteht, warum sie entscheidend bei der Jobsuche und Karriereentwicklung sein können, was du im Bewerbungsprozess beachten solltest und ob es doch eine Möglichkeit gibt, sich in Sachen Soft Skills zu verbessern.

Inhalt:

  1. Definition und Bedeutung
  2. Die wichtigsten Soft Skills
  3. Soft Skills für Trainees
  4. Soft Skills in der Bewerbung
  5. Soft Skills im Vorstellungsgespräch
  6. Soft Skills indirekt ausdrücken
  7. Mit den richtigen Soft Skills zur Führungskraft
  8. Soft Skills trainieren

The Power of Soft Skills: Definition und Bedeutung

Was sind Soft Skills?

Als Soft Skills bezeichnet man allgemein persönliche, soziale und methodische Kompetenzen. Darunter fällt alles, was nicht zu deiner Ausbildung oder deinen bisherigen Tätigkeiten und Erfahrungen gehört.

Die persönliche Kompetenz beschreibt den Umgang mit dir selbst, das heißt, es geht um Themen wie:

  • Selbstbewusstsein
  • Selbstkritik
  • Motivation
  • Selbstdisziplin
  • Eigenverantwortung

Das hat natürlich auch Einfluss auf die soziale Kompetenz, die beschreibt, wie du mit anderen umgehst und interagierst. Hierzu gehören zum Beispiel:

  • Teamspirit
  • Empathie
  • Umgangsformen
  • Menschenkenntnis
  • Kommunikationsfähigkeit

Bei der methodischen Kompetenz geht es hingegen darum, was für Techniken und Methoden du beherrschst, zum Beispiel:

  • Analytisches Denkvermögen
  • Konzeptionelle Fähigkeiten
  • Präsentationstechniken
  • Umgang mit neuen Medien
  • Zeitmanagement

Warum sind Soft Skills wichtig?

Hard Skills kann man an harten Kriterien festmachen und somit leicht und objektiv überprüfen, während Soft Skills schwer greifbar sind – schriftlich kann sie keiner bescheinigen. Ein Personaler kann im Bewerbungsprozess leicht auf die Noten schauen, aber ob der Bewerber wirklich ein Teamplayer ist, kann er daraus nicht ablesen. 

Für ein rundes Profil musst du Hard und Soft Skills mitbringen und sowohl auf dem Papier als auch durch deine Interaktionen überzeugen, denn es kommt nicht nur darauf an, DASS etwas gemacht wird, sondern auch WIE. Dazu gehört eben, dass du nicht nur eine Aufgabe nach der anderen schnell lösen kannst, sondern auch zusammen mit anderen größere Projekte realisieren kannst. Und auch die beste Idee hilft nichts, wenn du sie nicht überzeugend präsentieren kannst.

Was hat „Emotionale Intelligenz“ mit Soft Skills zu tun?

Emotionale Intelligenz beschreibt die Fähigkeit, mit eigenen Gefühlen sowie denen deiner Mitmenschen umzugehen. EQ ist eine wichtige Voraussetzung, andere Soft Skills zu lernen – ohne wird es zum Beispiel schwierig, Konflikte zu lösen oder sich in ein neues Team einzufügen, was gerade im Zuge der Job-Rotation für Trainees sehr wichtig ist.

Auch die Fähigkeiten, andere zu überzeugen oder die eigene Leistung zu reflektieren, sind wichtige Soft Skills, die du ohne Emotionale Intelligenz kaum erlangen kannst. Bei deiner Entwicklung vom Trainee zur Führungskraft wird das immer wichtiger, denn bist du in einer Leitungsfunktion, hast du Verantwortung für Mitarbeiter und musst mit diesen einen guten Umgang zwischen Kollegialität und Durchsetzungsfähigkeit finden.

Die wichtigsten Soft Skills

Die Wichtigkeit der Soft Skills festzulegen ist immer eine Gratwanderung – denn zum einen wollen Unternehmen am liebsten etwas erfahren, was sie nicht schon in den letzten 100 Bewerbungen gelesen haben, aber andererseits möchten sie natürlich auf Klassiker nicht verzichten. Welche diese Klassiker sind und welche besonderes Gewicht haben, sieht du in der folgenden Grafik:

                                                                                                                Quelle: Statista, Stand Juli 2016

Auffallend ist hier, dass Motivation, Kommunikationsstärke, Teamfähigkeit und Auftreten sehr viel mit Persönlichkeit, Ausdruck und Interaktion zu tun haben – dieser Faktor ist für die effektive Arbeit im Team unerlässlich. Das schließt auch Konflikt- und Kritikfähigkeit mit ein, denn nur, wenn ein Team sich von Spannungen nicht negativ beeinflussen lässt, kann es effektiv arbeiten. Der zweite große Block – Selbstmanagement, Zeitmanagement und Organisationsfähigkeit  – zielt darauf ab, dass man sich darauf verlassen kann, dass du deine Arbeit pünktlich und sorgfältig erledigst und nicht im Chaos versinkst. Methodische Kompetenzen stehen bei den Arbeitgebern eher hintenan, wobei der Klassiker „analytisches und konzeptionelles Denkvermögen“ in sehr vielen Stellenanzeigen zu finden ist.

Soft Skills speziell für Trainees

Die genannten wichtigsten Soft Skills sind für jede Stelle unverzichtbar – jedoch kannst du dir speziell bei deiner Bewerbung als Trainee noch einen Vorteil verschaffen, wenn du Soft Skills einbringst, die eben nicht zum 08/15 Repertoire gehören. Dazu gehören zum Beispiel Lernbereitschaft und Wissbegierde, weil du als Trainee noch ausgebildet wirst. Außerdem ist (nicht verbissener) Ehrgeiz ein wichtiger Faktor für eine eventuell anschließende Führungslaufbahn. Da du verschiedene Stationen durchläufst, solltest du dazu unbedingt flexibel sein und dich schnell an neue Situationen gewöhnen – hier ist Teamfähigkeit entscheidend. Nicht zuletzt spielt Selbstreflexion eine wichtige Rolle, weil du während eines Trainee-Programms extrem viel Feedback bekommst und erwartet wird, dass du dich darauf aufbauend weiterentwickelst.

Soft Skills in der Bewerbung: Die Formulierung zählt

Du denkst jetzt: Easy, schreib ich einfach die wichtigsten Eigenschaften in die Bewerbung für das Trainee-Programm rein? Leider nicht. Da der Personaler dich erstmal nur anhand eines Blatt Papiers einschätzen kann, ist es besonders wichtig, dass du deine Soft Skills belegst. Also Finger weg von Formulierungen wie „Ich bin kommunikationsstark und flexibel.“ Mach diese Eigenschaften lieber an konkreten Dingen fest, die du bereits geleistet hast. Zum Beispiel: „Während meines Auslandssemesters in Shanghai und der anschließenden Rucksackreise durch Asien habe ich bewiesen, dass ich mich schnell auf neue Situationen einstellen kann und Spaß daran habe, mit den unterschiedlichsten Menschen zu kommunizieren.“

Soft Skills im Vorstellungsgespräch: Nicht sagen, zeigen

Du hast in deiner Bewerbung überzeugend über deine ausgeprägten analytischen Fähigkeiten gesprochen, von deiner Teamfähigkeit geschwärmt und deine Flexibilität brav anhand von Beispielen belegt? Dann kannst du dir sicher sein, dass sich Personaler im Vorstellungsgespräch für das Trainee-Programm persönlich davon überzeugen wollen. Allerdings werden sie dir nicht den Gefallen tun, dich frei heraus danach zu fragen, sondern dir vielmehr indirekt auf den Zahn fühlen. Beliebte Fragen sind zum Beispiel:

  • Der Klassiker zur Selbsteinschätzung: „Nennen Sie Ihre drei größten Stärken“ – meist gefolgt von der Frage nach den Schwächen. Alternativ wird gefragt, was Freunde über dich sagen und ob sie mit dieser Einschätzung recht haben.
  • Die Frage nach der Problemlösekompetenz: „Standen Sie schon mal vor einer Aufgabe, die Sie nicht lösen konnten? Und wie sind Sie damit umgegangen?“
  • Die Frage nach der Teamfähigkeit: „Welche Rolle nehmen Sie üblicherweise in Gruppen ein?“ – dazu solltest du Beispiele parat haben.
  • Die Frage nach Belastbarkeit und Sorgfalt: „Sie stehen unter starkem Zeitdruck. Was ist Ihnen wichtiger: Rechtzeitig fertig zu werden oder fehlerfrei abzuliefern?“
  • Die Frage nach der Kollegialität: „Was haben Sie in der Vergangenheit gemacht, wenn Sie erfahren haben, dass jemand schlecht über Sie geredet hat?“
  • Die Frage nach den Karriere-Ambitionen: „Wo siehst du dich in fünf Jahren?“ – gerade für Trainees ist es wichtig, Karriereambitionen im Unternehmen auszudrücken

Allgemein gilt: Sei auf die Fragen gefasst, belege deine Antworten gut und lass dich nicht aus der Ruhe bringen. Hände weg auch von Witzen an der Stelle oder dem Versuch, Stärken hinter angeblichen Schwächen zu verstecken – Stichwort „Ich bin Perfektionist“. 

Ganz nebenbei punkten: Soft Skills indirekt ausdrücken

Nicht nur im direkten Gespräch, sondern auch durch gewisse Formalien kannst du Soft Skills zeigen. Ein Anruf im Unternehmen vor der Bewerbung zeigt Kommunikationsfähigkeit, eine optisch und inhaltlich schicke und stimmige Bewerbung signalisiert Präsentationsvermögen und – wenn nötig – Kreativität. Allein mit deiner Körpersprache, deiner Gestik und deiner Mimik sowie einem netten Lächeln und gekonntem Smalltalk kannst du Selbstvertrauen, Offenheit und Freude an der Kommunikation zeigen. Sympathie ist oft das Zünglein an der Waage, wenn die Entscheidung zwischen zwei qualifizierten Mitarbeitern fällt.

Vom Trainee zur Führungskraft mit den richtigen Soft Skills

Neigt sich dein Trainee-Programm dem Ende zu, wirst du erfahren, ob es für die Übernahme in eine Führungsposition reicht. Dabei werden zum einen deine abgeschlossenen Projekte entscheidend sein, zum anderen aber auch, ob deine Soft-Skills-Performance sich im Berufsalltag bestätigt hat.

Ist dein Ziel eine Leitungsposition, wird nochmal ein besonderes Augenmerk darauf gelegt, ob du ... 

✓ immer präsent bist und Eigeninitiative zeigst.

✓ dich durchsetzen kannst, aber gleichzeitig Teamspirit hast und diplomatisch bist.

✓ den Überblick behältst.

✓ Interesse für Gesamtzusammenhänge hast.

✓ viel Selbstdisziplin und Selbstbeherrschung mitbringst.

✓ Konflikte und Probleme clever löst.

✓ überdurchschnittlich viel Einsatzbereitschaft zeigst.

✓ Verantwortung übernimmst.

✓ Kompromisse eingehen kannst.

✓ Ideen und Visionen überzeugend präsentieren kannst.

✓ mit Druck klarkommst.

Bist du zu Beginn deines Trainee-Programms noch nicht perfekt, keine Panik: Du hast in der Regel sechs bis 24 Monate Zeit, deine Soft Skills auf Vordermann zu bringen und kannst sie auch gezielt trainieren.

Soft Skills trainieren: Die Methoden bringen dich auf die Zielgerade

Sich Hard Skills anzueignen ist relativ leicht – ob du zum Beispiel ein Praktikum machen willst, kannst du selber entscheiden. Aber sich einfach so Selbstbewusstsein zulegen? Geht auch. Wenn du dich in Sachen Soft Skills verbessern möchtest, hilft es, dich intensiv mit dir selber auseinanderzusetzen und die eigene Grundeinstellung sowie Wertvorstellungen, Ethiken und Moral kritisch zu hinterfragen. Bei der Bestandsaufnahme können dir zum Beispiel Fragebögen oder Gespräche mit Menschen, die dir nahestehen, helfen.

Schüchtern dich beispielsweise andere oft ein, hilft es, dir die eigenen Stärken bewusst zu machen und darauf zu achten, sie gezielt einzusetzen. Im Alltag kannst du zum Beispiel in Gruppensituationen sowohl die Rollen deiner Mitmenschen als auch deine Rolle reflektieren – bewusst zuhören und Körpersprache wahrzunehmen sowie Fragen zu stellen, ist hier wichtig. Und wenn du über deinen Schatten springst und öfter mal präsentierst, anstatt dich immer hinter der Gruppe zu verstecken, wirst du hierbei immer sicherer mit der Zeit.

Auch auf theoretischer Ebene kannst du dir Methoden aneignen: Beschäftige dich zum Beispiel mit Kommunikationsmodellen, den Grundlagen der Motivationspsyhologie, Arbeitstechniken oder Zeitmanagement. Bei Seminaren und Fortbildungen kannst du trainieren und bekommst das Werkzeug dafür an die Hand. Die effektivste Methode ist ein individuelles Coaching, das speziell auf dich zugeschnitten ist. Arbeitest du an deinen Soft Skills, ist es wichtig, dass du während des ganzen intensiven Prozesses deine Veränderungen reflektierst, hinterfragst und auch Menschen aus deinem Umfeld zu Rate ziehst. 

 

Lesetipps:

>> Du möchtest wissen, inwiefern dich ein Trainee-Programm noch weiterbringt? Hier erfährst du alles über die Lernkurve als Trainee

>> Karrierefördernd oder Mogelpackung: Lies hier, was ein gutes Trainee-Programm ausmacht!

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Bettina wilde

Bettina Wilde

Trainee-Expertin, Redaktion TRAINEE-GEFLÜSTER

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