Experte Uwe Fenner: Gute Headhunter und die Bedeutung von Soft Skills im Job

Uwe Fenner ist nicht nur Headhunter mit dem Fokus auf Führungskräfte, sondern leitet auch das Institut für Stil und Etikette und gibt Führungskräften und Nachwuchsführungskräften in Seminaren Nachhilfe in Sachen Knigge & Karriere und ist erfolgreicher Buchautor. Im Interview mit dem Trainee-Geflüster spricht er unter anderem über die Bedeutung von Stil und Etikette im Berufsleben, “political correctness” im Büro und das richtige Verhalten beim Anruf eines Headhunters.

Sehr geehrter Herr Fenner, wie wichtig sind Stil und Etikette für das Fortkommen im Berufsleben? Gehören Stil und Etikette zu den unabdingbaren Soft Skills?

In den Nach-Achtundsechzigerjahren haben auch die meisten Menschen im Beruf die Themen „gutes Benehmen“, „Höflichkeit“, „guter Umgang mit den Mitmenschen“ häufig auf den Begriff „soziale Kompetenz“ reduziert. Man hat sich überwiegend nur mit Verhaltensweisen im Unternehmen auseinandergesetzt, die einen unmittelbaren Erfolg in der Führung von Mitarbeitern zeigte. Inzwischen sehnen sich nicht nur viele Menschen nach ein bisschen mehr Freundlichkeit und Höflichkeit auch in den Unternehmen zurück, sondern die Businesswelt hat auch erkannt, dass gutes Benehmen zu den Tugenden zählt, die als Soft Skills wenigstens ebenso entscheidend für den Erfolg eines jeden Menschen in der Wirtschaft sind, wie die „hard facts“, also die theoretische, auf Zeugnissen nachgewiesene Ausbildung und die praktische Berufserfahrung.

Wie steht es mit „political correctness“ und schwarzem Humor im Büro?

Die sogenannte political correctness ist in Wahrheit etwas Schlimmes. Sie blockiert eigene Überzeugungen und führt zum Opportunismus. Im Totalitarismus werden die Menschen gleichgeschaltet, in der von political correctness gekennzeichneten Demokratie schalten sie sich häufig freiwillig gleich. Die Menschen sagen nicht mehr, was sie als richtig empfinden, sondern wovon sie denken, dass es dem Mainstream entspricht. Politisch korrekt zu sein hat nur selten etwas mit gutem Benehmen zu tun.

Inwieweit kann man mit Etikette, Sozialkompetenz und dem Erscheinungsbild und über fachliche Schwächen hinwegtäuschen?

Ebenso wenig, wie Sie mit einem teuren Rahmen den Kenner nicht täuschen können, wenn in diesem ein schlechtes Bild steckt, können Sie kluge Menschen nicht mit Etikette über fehlende Fachkompetenz hinwegtäuschen. Etwas anders verhält es sich mit der Sozialkompetenz. Sozialkompetenz ist sozusagen auch eine fachliche Stärke. Es geht um „Führung“ und diese Managementleistung gehört zum fachlichen Rüstzeug einer Führungskraft.

Seit jeher hört man ältere Generationen darüber klagen, dass Die Jugend von heute keinen Anstand und keine Manieren mehr hätte. Wie ist Ihre Beobachtung, besteht bei der bei der jüngeren Generation ein großer Nachholbedarf in Sachen Stil und Etikette?

Stil, Etikette und gutes Benehmen werden ja nicht auf der Universität gelehrt. Und auch die Eltern vermitteln, teils aus Unkenntnis, teils aus Mangel an Courage, teils, weil sie die Wichtigkeit der Erziehung verkennen, häufig nur einen kleinen Teil dessen, was der Mensch auf diesem Feld wissen und beherzigen sollte. Die meisten Menschen lernen auf diesem Gebiet ihr Leben lang. Je mehr sie aber davon wissen, umso kritischer beobachten sie diejenigen, die weniger gutes Benehmen zeigen. So kommt es ganz automatisch, dass die Älteren diese Mängel eher bei den Jüngeren sehen. Darüber hat sich schon Sokrates im alten Griechenland beschwert. Allerdings sehe ich heute bei vielen jüngeren Menschen im Berufsleben viel mehr Willen, ihre Unwissenheit in diesen Dingen zu beseitigen als bei den älteren Leuten.

Gibt es auch Unternehmen, die ihre Trainees als „Training-off-the-Job“ in Ihre „Knigge und Karriere“-Seminare schicken?

Meistens veranstalten solche Unternehmen lieber ein Inhouse-Seminar mit mir. Aber es gibt auch die Variante, dass ein Unternehmen mir einen Trainee in eines meiner Publikumsseminare schickt.

Was lernen die (angehenden) Führungskräfte in Ihren Knigge & Karriere-Seminaren?

Sie lernen, dass sie Vieles auch wirklich machen sollen, was sie längst wissen, aber nicht beherzigen. Etwa, dass man aufzustehen hat, wenn ein anderer den Raum betritt, dass man nicht mit vollem Munde spricht und nicht mit dem Besteck gestikuliert und dass man abends keine braunen Schuhe trägt. Sie lernen aber auch, wie man sich grüßt und seinen Begleiter richtig vorstellt, wie man sich auf einem Event verhält und was man für welches Ereignis anzieht. Sie lernen aber vor Allem, jedem Menschen Respekt entgegen zu bringen, nicht egozentriert, sondern alterozentriert zu handeln und zu sprechen und nicht in erster Linie eigenen Bequemlichkeiten nachzugehen, sondern die mutmaßlichen Wünsche der jeweiligen Gesprächspartner zu erfüllen.

Als Headhunter suchen sie auf Anfrage von Firmen nach fähigen Mitarbeitern. Auf Ihrer Webseite www.fenner.de werben Sie damit, dass sie neben den fachlichen Kriterien auch darauf achten, dass es sich um „feine Leute“ handelt. Was zeichnet eine gute Führungskraft über die fachliche Kompetenz hinaus aus?

Um es auf den Punkt zu bringen: Höflichkeit, Augenmaß und Demut.

Und wie ist Ihr Vorgehen, um etwas über die Sozialkompetenz und die Persönlichkeit eines Kandidaten zu erfahren?

Ich muss nur mit einem Kandidaten essen gehen oder Golf spielen oder Auto fahren, dann weiß ich Alles.

Wie kann man die Chancen erhöhen, von einem Headhunter kontaktiert zu werden? Gibt es etwas, was man aktiv tun kann?

Das Wichtigste ist, ein gutes Netzwerk zu unterhalten und aktiv zu betreiben und dort viele Details aus dem beruflichen Tun bekannt zu machen. Dann kommt der Headhunter von allein.

Wie sollte man sich verhalten, wenn man im Büro von einem Headhunter angerufen wird?

Der professionelle Headhunter fragt in seinem Anruf am Arbeitsplatz nur, ob der angesprochene Kandidat zu einem Gespräch am Abend bereit sei, nachdem er ihm kurz gesagt hat, dass er ihn wegen einer neuen beruflichen Chance anspreche. Der Kandidat sollte sich dann auf das abendliche Gespräch vorbereiten, allerdings nicht allzu viele Details vom Personalberater erwarten. Meistens gilt dieses erste ausführliche Telefonat mehr der Frage, ob der Kandidat grundsätzlich überhaupt zu einem Wechsel der Position bereit sei, gegebenenfalls auch zum Umzug, und ob er grob überhaupt in Frage komme.

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Bettina wilde

Bettina Wilde

Trainee-Expertin, Redaktion TRAINEE-GEFLÜSTER

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