Erfahrungen als Trainee: Volontär bei der Saarbrücker Zeitung

Gerrit Dauelsberg (27) hat an der Hochschule Bremen Fachjournalistik studiert und seine Schwerpunkte auf Politik und Wirtschaft gelegt. Momentan absolviert er ein Volontariat bei der Saarbrücker Zeitung, das insgesamt zwei Jahre dauert. Ein Volontariat ist quasi das Trainee-Programm eines angehenden Redakteurs. Im Trainee-Geflüster-Interview verrät er, wie der Berufsalltag eines Volontärs aussieht, wie es um die Vergütung bestellt ist und wie groß die Chance ist, nach der Ausbildung als Redakteur übernommen zu werden.

Hallo Gerrit, Du bist Volontär bei der Saarbrücker Zeitung. Wie war das Auswahlverfahren?

Ich habe eine schriftliche Initiativbewerbung an die Saarbrücker Zeitung geschickt, nachdem ich mich bei der Volontariats-Beauftragten informiert habe. Beim anschließenden Vorstellungsgespräch saßen mir der Chefredakteur, ein Mitarbeiter der Personalabteilung und der Volontariats-Beauftragte gegenüber. Es ging vor allem um meine bisherigen journalistischen Erfahrungen und meine Stärken in dem Beruf.

Gibt es im Journalismus eine andere Einstiegsmöglichkeit als ein Volontariat?

Theoretisch kann jeder ohne Studium und Volontariat bei einer Zeitung als Redakteur anfangen – es gibt keine geschützte Berufsbezeichnung „Redakteur“. In der Praxis hat man ohne diese beiden Voraussetzungen jedoch kaum eine Chance, im Journalismus eine Festanstellung zu bekommen.

Wie viele Ressorts durchläufst Du während Deines Programms und wie lange verbleibst Du dort jeweils?

Ich werde in sieben bis neun Ressorts eingesetzt, in denen es wiederum unterschiedliche Einsatzbereiche gibt. In einem Ressort bleibt man meist um die drei Monate.

Bekommen Volontäre bei Einsätzen an anderen Standorten die Unterkunft gestellt, oder sucht man sich die selbst?

Wenn ich in Außenstellen eingesetzt werde, die ich mit dem Auto erreichen kann, bekomme ich keine Wohnung gestellt. Auf Dienstreisen oder bei Seminaren erhalte ich eine Unterkunft.

Gibt es so etwas wie einen typischen Arbeitstag, oder ist quasi jeder Tag neu?

Jeder Tag ist anders. Sowohl von der Arbeitszeit, die sich nach Terminen und aktuellen Ereignissen richten, als auch von den Themen her, die gerade im Lokalteil bunt gemischt sind. Auch die Tätigkeiten, wie Recherche, Produktion/Layouten der Seiten, Schreiben und Termine sind sehr unterschiedlich.

Bekommen Volos bei der Saarbrücker Zeitung einen Mentor zur Seite gestellt, wie es häufig auch bei Trainee-Programmen der Fall ist?

Ja, wir haben derzeit zwei Volo-Beauftragte in der Redaktion. Diese stehen für Fragen zur Verfügung, organisieren Seminare und legen die Stationen fest. Feedback-Gespräche gibt es sogar nach jeder Station mit dem jeweiligen Ressort-Leiter.

Gibt es auch für Volontäre zusätzlichen Weiterbildungsmaßnahmen wie beispielsweise Soft-Skills-Seminare?

Ja, regelmäßig. Es gibt beispielsweise Seminare, die sich mit Zeitmanagement, Layouten, Crossmedialem Arbeiten, Presserecht oder Journalistischen Darstellungsformen wie Reportage, Kommentar oder Nachricht beschäftigen.

Organsiert die Saarbrücker Zeitung auch spezielle Netzwerkveranstaltungen, schließlich sind Kontakte für Journalisten häufig essentiell?

Die eben genannten Seminare kann man als Netzwerkveranstaltungen bezeichnen, weil oft auch Volontäre von anderen Regionalzeitungen dorthin kommen. Darüber hinaus gibt es als „wirkliche“ Netzwerkveranstaltung der Saarbrücker Zeitung regelmäßig einen „Rotwein-Umtrunk“ mit den Pressesprechern aus dem Einzugsgebiet.

Gibt es so etwas wie ein Highlight während des Volontariats?

Ich durfte mit den Ressort-Leitern der Saarland-Redaktion Ministerpräsident Peter Müller interviewen. Als absolutes Highlight hoffe ich noch auf einige Wochen in unserem Berliner Büro.

Wie hat sich das Volontariat von Deinen anderen beruflichen Stationen unterschieden? Ist es ein anderes Gefühl, schreibst Du andere Artikel als in Deiner Zeit als Freier Mitarbeiter?

Ich schreibe jetzt auch Kommentare und Kolumnen, das war als Freier Mitarbeiter nicht der Fall. Außerdem hat sich mein Tätigkeitsfeld erweitert: Ich schreibe als Volontär nicht mehr nur Artikel, sondern bin auch in die Produktion der Seiten eingebunden. Dazu gehört layouten, redigieren, Korrektur lesen, planen usw.

Ein Volontär bekommt bei der Saarbrücker Zeitung zunächst einen befristeten Vertrag für die Dauer der Ausbildung? Wie sieht es mit einer Übernahme aus?

Derzeit leider schlecht, die meisten Volontäre werden im Moment allenfalls als freie Mitarbeiter übernommen.

Hast Du das Gefühl, dass Dich das Volontariat bei der Saarbrücker Zeitung umfassend auf den Beruf als Redakteur vorbereitet?

Im Journalismus gibt es nicht unbedingt ein feste „Ziel-Position“. Ob man als Redakteur eine Festanstellung anstrebt oder lieber als Freier Mitarbeiter unabhängig bleibt, hängt von der Einzelperson ab. Ich habe momentan aber jedenfalls das Gefühl, eine gute Ausbildung zu bekommen.

Wie sieht es mit der Vergütung aus?

Ich werde nach Tarif bezahlt, das heißt circa 1.700 Euro brutto im ersten Jahr und circa 2.000 Euro im zweiten Jahr.

Letzte Frage: Würdest Du Dich wieder für das Volontariats-Programm bei der Saarbrücker Zeitung entscheiden?

Ja, weil ich in allen Ressorts voll in den Redaktionsalltag eingebunden werde und ich gleichzeitig viele wertvolle Tipps für meine berufliche Zukunft bekomme. Auch kann ich zahlreiche interessante Seminare besuchen. Die Firma zahlt Tarif, was nicht bei allen Zeitungen der Fall ist und auch das Arbeitsklima ist fast ausnahmslos sehr gut. Nachteilig sind die schlechten Übernahme-Chancen, aber das ist in anderen Häusern nicht anders.

Lies auch:
>> Trainee-Programm vs. Volontariat – Gemeinsamkeiten und Unterschiede

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Bettina wilde

Bettina Wilde

Trainee-Expertin, Redaktion TRAINEE-GEFLÜSTER

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