Erfahrung als JMP-Trainee in der Fertigung: Robert Bosch GmbH.

Von Noemi Haderlein,

Oskar Bergel hat den Berufseinstieg bei der Robert Bosch GmbH geschafft: Als Trainee im Junior Managers Program wird er auf eine Führungsposition vorbereitet. Im Interview mit TRAINEE-GEFLÜSTER berichtet er von seinen Erfahrungen im Auswahlprozess sowie seinem Arbeitsalltag bei Bosch und gibt Tipps für zukünftige Bewerber.

Hallo Oskar, wie lief das Auswahlverfahren für deine Trainee-Stelle bei Bosch ab?

Der Auswahlprozess bei Bosch für Trainees ist standardisiert und folgt eigentlich immer dem gleichen Muster. Ich habe mich online auf der Bosch-Karriere-Homepage auf eine ausgeschriebene Stelle als Fertigungstrainee beworben. Dazu habe ich die üblichen Unterlagen eingereicht und wurde bereits zwei Tage später kontaktiert, um einen Termin für ein Telefoninterview zu vereinbaren. Nach bestandenem Telefoninterview erfolgte die Einladung zum Assessment Center in die Bosch Zentrale auf der Schillerhöhe. Das Assessment Center dauerte einen ganzen Tag. Am Vormittag galt es, die in solch einem Rahmen üblichen Aufgaben zu erledigen. Dazu gehörten bei mir sowohl Einzel- als auch Gruppenübungen. Am Nachmittag wurden diejenigen Kandidaten, welche das Assessment Center bestanden hatten, zu einem ausführlichen persönlichen Interview geladen, in dem es darum ging, den Kandidaten persönlich kennenzulernen. Nach diesem Interview bekam ich direkt die Rückmeldung, dass ich bestanden hatte und als Trainee angenommen werde.

Zwei Wochen später wurde ich von meinem zukünftigen Mentor zu einem persönlichen Gespräch eingeladen. Insgesamt hat der Bewerbungsprozess für mich zwei Monate gedauert.

Welche Tipps kannst du Bewerbern geben, die den Auswahlprozess noch vor sich haben?

Bewerbern würde ich den Tipp geben, sich gut auf die einzelnen Etappen vorzubereiten. Man sollte sich über das Unternehmen, die Produkte und auch Neuigkeiten aus der Presse informieren. Das bringt Sicherheit im Gespräch und signalisiert, dass man wirklich Interesse an dem Unternehmen hat und sich nicht nur aus Mangel an Alternativen bewirbt.

Am wichtigsten ist aber immer noch, dass man sich selbst im Vorfeld der Bewerbung über seine eigene Motivation sowie Stärken und Schwächen klar ist. Sich selbst zu verstellen, um als der ideale Kandidat für den ausgeschriebenen Job rüberzukommen, klappt meist nicht. Der gesamte Bewerbungsprozess ist darauf ausgelegt, die Persönlichkeit des Kandidaten greifen zu können. Daher mein Tipp: Ein ganz ehrliches Bild von sich selbst abgeben.

Warum hast du dich für das Trainee-Programm bei Bosch entschieden? 

Als ich mich für die Robert Bosch GmbH und das JMP Trainee-Programm entschieden habe, waren für mich vor allem folgende Kriterien wichtig: In Bezug auf meinen künftigen Arbeitgeber habe ich nach einem internationalen Unternehmen gesucht, da ich später gerne einmal beruflich ins Ausland gehen möchte. In Bezug auf das Trainee-Programm habe ich darauf geachtet, dass es sich wirklich um ein Programm zum Führungskräfteaufbau handelt und nicht nur um ein Einarbeitungsprogramm, um Mitarbeiter mit benötigten Qualifikationen auszustatten. Beides habe ich bei der Robert Bosch GmbH gefunden.

Wie ist der grobe Ablauf deines Trainee-Programms bei Bosch?

Der grobe Ablauf im JMP-Trainee-Programm ist durch Rahmenbedingungen für alle Trainees vorgegeben. Das Trainee-Programm dauert immer zwei Jahre, umfasst eine Auslandsstation, eine Zentralstation, einen Funktionswechsel und einen Geschäftsbereichswechsel.

Ich selbst habe meinen Heimathafen in Homburg. Dort habe ich meine erste Station gehabt, sechs Monate in der Montage für das Verteilerrohr aus dem Diesel Einspritzsystem. Anschließend habe ich am gleichen Standort für fünf Monate in einer technischen Querschnittsabteilung gearbeitet und mich dort mit der Qualitätsabsicherung von Schraubsystemen beschäftigt. Für meine dritte Station bin ich in die Stuttgarter Zentrale gegangen und habe dort an der Weiterentwicklung von einem Training mit Bezug zum Bosch Produktionssystem und Industrie 4.0 gearbeitet. Aktuell bin ich auf einer dreimonatigen Station zurück in Homburg, wo ich das Kantenverrundungsverfahren Elektor-Chemisches-Entgraten anhand des Diesel Injektor Haltekörpers erlerne. Für meine letzte Station werde ich nach Charleston in den USA gehen, wo ich fünf Monate verbringen werde.

Wie sind im JMP Einarbeitung, Betreuung und Feedback durch die Vorgesetzten geregelt?

Meinen Mentor treffe ich alle sechs Monate und bespreche mit ihm Themen bezüglich meiner Stationsplanung und meines Übergangs auf die Planstelle. Die tägliche Betreuung geschieht aber durch den jeweiligen Stationsvorgesetzten. Bis jetzt wurde ich immer sehr gut in meine neuen Stationen aufgenommen und ein Einarbeitungsplan sorgte meist für ein gutes Kennenlernen der Kollegen und der aufnehmenden Abteilung als Ganzes. Am Ende jeder Station steht ein Mitarbeitergespräch mit dem Vorgesetzten an. In diesem wird das Arbeitsergebnis festgehalten sowie mögliche Lernfelder für weitere Stationen. Im Rahmen dieses Gespräches bekomme ich auch detailliertes Feedback zu meiner Arbeitsweise sowie meinem persönlichen Verhalten am Arbeitsplatz.

„Training-off-the-job“ vs. „Training-on-the-job“ – Wie ist das Verhältnis von Theorie und Praxis?

Alle Trainees haben eine Anzahl an Pflichtseminaren zu besuchen sowie ein bestimmtes Budget zur Verfügung für darüberhinausgehende Seminare. Grundsätzlich liegt bei mir der Schwerpunkt aber eindeutig beim Training-on-the-Job. Geschätzt würde ich sagen, dass ich pro Jahr zehn Tage in Seminaren verbringe und den Rest am Arbeitsplatz.

Was sind deine wesentlichen Aufgaben und Tätigkeiten im Arbeitsalltag bei Bosch?

Eine repräsentative Aufgabe für meine Tätigkeiten war der Umzug von Produktionsanlagen innerhalb einer Halle. Ich sollte ein Konzept erarbeiten, wie Qualitätsprüfbänke aus Montagelinien herausgelöst und als Prüfpool innerhalb derselben Halle neu aufgebaut werden können. Dabei musste ich mich mit Themen wie Layoutveränderung, Materialflussoptimierung, Kapazitätsberechnung und Kostenrechnung auseinandersetzen. Am Anschluss an die Planungsphase habe ich noch den Umzug administrativ angestoßen. Physisch fand der Umzug zwar nach Ende meiner Station statt, aber im Wesentlich, wie ich ihn ausgeplant hatte.

Stichwort Work-Life-Balance: Auf wie viele Arbeitsstunden kommst du pro Woche?

Trainees können zwischen 35, 38 und 40 Wochenarbeitsstunden wählen. Ich habe einen 40-Wochenstunden-Vertrag, arbeite aber in der Regel so 42 bis 45 Stunden pro Woche. Überstunden kann ich ohne größere Probleme durch zusätzliche Freizeitnahme abbauen.

Wie empfindest du die Arbeitsatmosphäre bei Bosch?

Die Arbeitsatmosphäre bei Bosch ist meines Erachtens nach vorbildlich. Wenn ich Fragen habe oder Unterstützung brauche, kann ich mich immer an die erfahrenen Kollegen wenden und spüre eigentlich nie Ablehnung. Wir Trainees treffen uns öfters untereinander, sowohl über Trainee Veranstaltungen während der Arbeitszeit als auch für private Veranstaltungen, wie zum Beispiel ein gemeinsamer Urlaub. Wobei es dafür ein Vorteil ist, wenn man im Großraum Stuttgart arbeitet.

Wie steht es mit dem Trainee-Gehalt?

Als Trainees sind wir tariflich angestellt und haben damit ein fixes Gehalt, welches nicht verhandelt wird. Das Gehalt ist aber trotzdem sehr attraktiv und braucht sich in der gut bezahlten Automobilbranche absolut nicht zu verstecken. Weiterhin gibt es monetäre Unterstützung bei einem Umzug und während der Auslandsstation wird in der Regel die Unterkunft von Bosch gestellt.

Ist der Arbeitsvertrag auf die Dauer des Trainee-Programms befristet?

Nein, der Arbeitsvertrag ist unbefristet. Dies ist auch als Zeichen des Vertrauens von Bosch gegenüber den Trainees zu verstehen.

Was war (bisher) dein persönliches Highlight in der Trainee-Ausbildung?

Mein persönliches Highlight war, als ich an einer Schulung gearbeitet hatte, welche wir der Geschäftsführung vorstellen durften. Da war ich als Berufsanfänger vier Stunden mit allen zehn Geschäftsführern von Bosch zusammen und durfte unsere Arbeit mit repräsentieren.

Wie geht es für dich persönlich im Anschluss an das Trainee-Programm bei Bosch weiter?

Ich werde wahrscheinlich eine Planstelle in Homburg annehmen und dort im Fertigungsumfeld weitere Erfahrungen sammeln. Ich könnte mir vorstellen, zwei Jahre als Fertigungsplaner zu arbeiten, gerne auch mit Bezug zu Software oder Elektrik. Anschließend strebe ich eine erste Führungsposition als Gruppenleiter in der Fertigung an.

Inwiefern bereitet dich das Trainee Programm auf eine spätere Führungsposition vor?

Durch meine fünf verschiedenen Stationen innerhalb von zwei Jahren lerne ich auch fünf verschiedene Chefs und damit auch fünf verschiedene Führungsstile kennen. Somit beginnt der erste Schritt zur Führung aus meiner Sicht mit der Beobachtung von erfahrenen Führungskräften. Der zweite Schritt ist das eigene Führen. In allen meinen Stationen hatte ich jeweils ein Hauptprojekt, welches ich selbstverantwortlich ans Ziel bringen sollte. Zusätzlich gibt es verschiedene Seminare oder Schulungen, welche Projektorganisation vermitteln. Der letzte Schritt wäre in diesem Sinne die Übernahme von Personalverantwortung. Disziplinarische Führungsverantwortung ist im Rahmen des Trainee-Programmes aber nicht vorgesehen und für Berufsanfänger auch nicht angebracht. Im Rahmen meiner eigenen Projekte bin ich aber schon manchmal in die Rolle eines Projektleiters gerutscht, bei der Kollegen mir zuarbeiten mussten.


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