Erfahrung als JMP-Trainee für Automated Driving: Robert Bosch GmbH.

Von Judith Hölling,

Es war das ungewöhnlichste Vorstellungsgespräch seines Lebens. Umso erfreuter war Luis Lüttgens, als er die Zusage zum Junior Managers Program im Bereich Automated Driving bei Bosch bekommen hat. Im Interview erzählt er außerdem, was es mit dem selbst verwaltbaren Budget für Trainees auf sich hat und worauf er sich am meisten freut.

Hallo Luis, wie lief das Auswahlverfahren für die Trainee-Stelle bei der Robert Bosch GmbH ab?

Auf das Junior Managers Program (JMP) von Bosch bin ich über LinkedIn aufmerksam geworden. Ich wurde dort von einem Recruiter kontaktiert, der mir sagte, dass mein Profil gut zum JMP und vor allem zur Fachrichtung Automated Driving passen würde und auch ich habe sehr schnell gemerkt, dass das JMP gut zu meinen beruflichen Zielen passt.

Durch den Recruiter habe ich erfahren, dass es sich um ein vierstufiges Bewerbungsverfahren handelt. Nach dem Einreichen der Unterlagen habe ich nach sehr wenigen Tagen eine Einladung zu einem Videointerview erhalten. Mich hat es überrascht, dass ich nicht mit einer realen Person spreche, sondern meine Antworten per Webcam meines Laptops aufgezeichnet werden und erst später analysiert werden.

Wieder hat es nur wenige Tage gedauert, bis es zu einer Einladung zum Assessment Center kam. Dieses findet alle zwei bis drei Wochen statt und so konnte ich mir einen passenden Termin aussuchen. Da ich noch keine Erfahrung mit Assessment Centern hatte, ließ ich mir etwa sechs Wochen Zeit um mich intensiv darauf vorzubereiten.

Das Assessment Center selber war eine sehr spannende Erfahrung. In Kleingruppen haben wir einen ganzen Tag lang in Rollenspielen und Gruppenarbeiten Aufgaben bearbeitet. Am Ende des Tages haben alle Teilnehmenden direkt Feedback bekommen, egal ob man weitergekommen ist oder nicht. Das hat mir wirklich gut gefallen.

Das Assessment Center war an einem Donnerstag und ich weiß noch genau, dass ich am darauf folgenden Dienstag die Einladung zu einem Kennenlerngespräch mit meinem zukünftigen Mentor erhalten habe. In dem Gespräch haben mein jetziger Mentor und ich viel über meine zukünftigen Aufgaben gesprochen, sodass ich fast vergessen habe, dass ich noch gar keine offizielle Zusage bekommen hatte.

Das gesamte Bewerbungsverfahren hat etwa zwei Monate gedauert; eingestiegen bin ich weitere sechs Wochen später. Ich hatte Bosch gebeten, alle Termine möglichst zeitnah zu organisieren, worauf sie total flexibel und nach meinen Vorstellungen reagiert haben. Ich denke, dass es nicht selbstverständlich ist, dass man innerhalb weniger Tage einen Termin mit Top-Level-Managern bekommt, um sich kennenzulernen.

Welche persönlichen Erfahrungen hast du im Vorstellungsgespräch und im Assessment Center gemacht?

Das erste Videointerview online war etwas ungewöhnlich, da man keine Gesprächspartner_in hatte und es so nicht zu einem Dialog kam, sondern man immer kurze Monologe gehalten hat. Das Assessment Center war hingegen total persönlich, super organisiert und während des gesamten Tages herrschte eine positive kollegiale Atmosphäre. Nach einem kleinen Frühstück wurden wir in Kleingruppen zusammengeführt. In diesen Gruppen waren kaum fachliche Überschneidungen, was einer Ellenbogenmentalität super entgegengewirkt hat.

Zusammen mit potenziellen Logistik-, Sales- und HR-Trainees habe ich den Tag über im Team agiert und gemeinschaftlich unternehmerische Entscheidungen getroffen. In meinem Assessment Center waren etwa 20 Bewerbende, seitens Bosch waren bestimmt auch zehn bis zwölf Personen aus unterschiedlichen Funktionen anwesend.

Ich glaube der Grund, dass Bosch so viele Mitarbeitende zum Assessment Center entsendet, liegt daran, dass sie alle Bewerber_innen persönlich kennenlernen möchten. Ich kann daher nur allen Teilnehmer_innen des Assessment Centers raten, natürlich zu sein und nicht zu versuchen, sich hinter einer Rolle zu verstecken.

Kannst du ein absolutes Insight nennen?

Ich persönlich halte das Assessment Center für den anspruchsvollsten Teil des Bewerbungsverfahrens und habe mich auch am meisten hierauf vorbereitet. Es werden weniger klassische Bewerbungsfragen gestellt, viel mehr werden Führungsstärke, Verhandlungsgeschick und Argumentation getestet.

Das Buch „Getting to yes“ von Roger Fisher und William Ury hat mir sehr viel Methodik beigebracht, die ich den Gesprächen anwenden konnte. Da mein bester Freund zeitgleich auf Jobsuche gewesen ist, haben wir uns gemeinsam in Rollenspielen auf das Assessment Center vorbereitet.

Das absolute Insight ist es vielleicht nicht, aber man kann für sich selber schon vor der Bewerbung herausfinden, ob man sich in Führungsrollen wohlfühlt. Bis zum Ende des Studiums haben die meisten Leute schonmal Führungsaufgaben übernommen, vielleicht im Fußballverein, in einer Fachschaft oder in einem Ehrenamt. Wenn man sich in diesen Rollen wohlgefühlt hat, dann denke ich, dass man gute Voraussetzungen für das JMP mitbringt. Wenn noch genug Zeit vor der Bewerbung bleibt, kann man sich auch noch während des Studiums speziell im Bereich Führungskompetenz weiterentwickeln.

Was sind bei Bosch deine wesentlichen Aufgaben als Trainee?

Ich bin aktuell noch in meiner ersten Station als Trainee bei der Bosch Engineering GmbH. Hier arbeite ich in einem Projektteam von circa zehn Personen. In diesem übernehme ich viele koordinative Tätigkeiten und habe seit Kurzem auch strategische Aufgaben übernommen.

Das bedeutet, dass ich in vielen Meetings unser Projekt präsentiere und direkt an der Gestaltung neuer Produkte beteiligt bin. Neben diesem Training-ob-the-Job bietet Bosch seinen JMP-Trainees zusätzlich ein sehr hohes Weiterbildungsbudget. Dieses können wir individuell verwalten und uns so weitere, meist methodische Kompetenzen aneignen.

Wie hoch ist dein Trainee-Gehalt?

Mit dem Gehalt bin ich sehr zufrieden, ich werde nach einem IG-Metall-Tarif bezahlt und bin einer oberen Tarifgruppe zugeordnet. Während des Trainee-Programms sind regelmäßige Umzüge nicht ungewöhnlich; bei diesen werden wir finanziell von Bosch unterstützt.

Einer der wichtigsten Faktoren, die mich vom JMP überzeugt haben, ist das eben genannte sehr hohe Weiterbildungsbudget, welches ich vollkommen selbstständig verwalten kann und das mir die Chance gibt, kontinuierlich an spannenden Trainings und Workshops teilzunehmen. Mir war es bei meinem ersten Job nach dem Studium besonders wichtig, dass ich weiterhin gefördert werde und sowohl meine Kernkompetenzen auszubauen sowie an meinen Schwächen zu arbeiten.

Wie steht es um deine Work-Life-Balance als Trainee des Junior Managers Programs?

Bosch bietet all seinen Mitarbeitenden diverse Arbeitszeitmodelle, die ein optimales Zusammenspiel von Beruflichem und Privatem ermöglicht. Davon sind weder Trainees noch bereits ausgebildete Führungskräfte ausgenommen.

Ich selbst habe mich für ein Arbeitszeitmodell entschieden, das es mir erlaubt, langfristig Überstunden aufzubauen, die ich nutzen kann, um eine längere bezahlte Pause vom Job zu machen, falls dies mal notwendig ist. Es wird außerdem sehr genau darauf geachtet, dass alle JMPler ihren Urlaubsanspruch geltend machen. Insgesamt sind Job und Freizeit aktuell gut für mich zu vereinbaren.

Wie ist der Kontakt zu den Kolleg_innen und anderen Trainees?

Da ich bei einer Tochterfirma von Bosch arbeite, die viele Uni-Absolvent_innen einstellt, habe ich oft mit Personen gleichen Alters Kontakt. Auch der Kontakt zwischen den teils auch internationalen oder ehemaligen JMP-Trainees wird durch gemeinsame Events und ähnliches gefördert.

Wir haben außerdem einen regelmäßigen Austausch organisiert, bei dem wir uns über aktuelle Themen wie zum Beispiel die Stationsplanung, Auslandsstationen und Herausforderungen austauschen. Das JMP-Netzwerk ist wirklich hilfreich, um diese aufregende und anspruchsvolle Phase gut zu meistern.

Wie geht es für dich nach dem Trainee-Programm weiter?

Um diese Frage beantworten zu können, ist es wohl noch zu früh. Ich rechne allerdings damit, dass ich nach den zwei Jahren in einer Projekt- oder Produktmanagementrolle arbeiten werde.

Was war bisher dein persönliches Highlight bei Bosch?

Meine aktuellen Highlights des JMPs sind die auf mich übertragene Verantwortung, die generelle Struktur des Programms, die mir eine kontinuierliche Weiterbildung ermöglicht, und natürlich freue ich mich auch sehr auf meine Auslandsstation. Ein persönliches Highlight war außerdem die Fahrt auf einer Rennstrecke in Italien.

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