Erfahrungen als Trainee: EnBW.

Von Bettina Wilde

Jana Herrmann hat nach ihrem Bachelor of Science in Chemieingenieurwesen an der TU Dortmund einen Nordic Master in Innovative Sustainable Energy Engineering an der KTH Stockholm und der NTNU Trondheim abgeschlossen. Danach ist sie in das Konzerntraineeprogramm der EnBW eingestiegen, hat dieses erfolgreich abgeschlossen und ist jetzt in der Geschäftsentwicklung im Bereich Erneuerbare Energien tätig. Im Interview lässt sie ihre Zeit als Trainee Revue passieren und gibt Insidertipps für den Auswahlprozess.

Hallo Jana, wie lief das Auswahlverfahren für die Trainee-Stelle ab?

Der Bewerbungsprozess für das Konzerntraineeprogramm der EnBW beinhaltet drei Schritte – ein Telefoninterview, ein persönliches Bewerbungsgespräch und ein Assessment Center. Im Telefoninterview wurden neben der Vorstellung meines Lebenslaufes und meiner Motivation für die Bewerbung Fragen zur EnBW und meiner Sichtweise zu den anstehenden Herausforderungen der Energiebranche gestellt.

Die folgende positive Rückmeldung kam einher mit einer Einladung zum persönlichen Vorstellungsgespräch, in dem ich auch eine kleine Case Study bearbeiten sollte.

Der letzte Schritt war dann ein eintägiges Assessment Center mit circa zehn bis zwölf Bewerbern, bei dem wir uns drei Aufgaben stellen mussten: die Erarbeitung und Vorstellung einer Präsentation auf Grundlage einer Case Study, eine Gruppendiskussion und ein Rollenspiel. Danach haben wir noch vor Ort eine Zu- oder Absage sowie Feedback bekommen.

Welche Tipps kannst du Bewerbern geben, die den Auswahlprozess bei der EnBW noch vor sich haben?

Für das Telefoninterview waren eine solide Vorbereitung über die EnBW, die eigene Motivation und Standardfragen wie zum Beispiel zu Stärken und Schwächen hilfreich.

Im weiteren Prozess hatte ich den Eindruck, dass viel Wert auf eine gute Selbsteinschätzung und Reflexionsfähigkeit gelegt wurde und diese zum Teil mehr geschätzt wurden als eine perfekte Lösung der Aufgaben.

Wie ist der grobe Ablauf deines Trainee-Programms?

Das Konzerntraineeprogramm – kurz KTP – dauert insgesamt 15 Monate und besteht aus sechs Praxiseinsätzen. Darunter sind vier Einsätze in unterschiedlichen Geschäftseinheiten des Konzerns, ein Auslandsaufenthalt und ein „Blaumanneinsatz“ in einem der Kraftwerke oder dem Netzgeschäft vor Ort. 

Zwischen den Praxiseinsätzen findet jeweils eine sogenannte Transferwoche statt, in der Workshops, Seminare, Präsentationen etc. zu unterschiedlichen Themen stattfinden. Zusätzlich gibt es regelmäßig Kaminabende mit den Vorständen der EnBW, Kennenlerntage der Geschäftseinheiten und auch zwei Traineeprojekte, die parallel zu den Einsätzen bearbeitet werden.

Wie sind bei der EnBW Einarbeitung, Betreuung und Feedback durch die Vorgesetzten geregelt?

In jedem Praxiseinsatz ist man einem Betreuer bzw. Auftraggeber zugeordnet, der einem bei dem Einsatz begleitet. Der Betreuer stellt einem die Aufgaben für den Einsatz und dient als Sparringspartner und manchmal auch Wegbereiter. Am Ende jedes Praxiseinsatzes hat man mit ihm ein ausführliches Feedbackgespräch. Dabei wird auch gemeinsam ein Bewertungsbogen ausgefüllt, in dem Stärken und Entwicklungsfelder festgehalten werden.

Zusätzlich hat man während des KTPs sogenannte Entwicklungsgespräche mit der Programmleitung, in denen man aktuelle (Entwicklungs-)Themen bespricht.

„Training-off-the-job“ vs. „Training-on-the-job“ – Wie ist das Verhältnis von Theorie und Praxis?

Neben den Workshops und Seminaren, die in den Transferwochen zwischen den Einsätzen stattfinden, besteht das KTP fast ausschließlich aus Trainings-on-the-Job, da man in allen Praxiseinsätzen und Projekten direkt konkrete Aufgabenstellungen bearbeitet und Themen selbstständig vorantreiben kann.

Was sind deine wesentlichen Aufgaben und Tätigkeiten im Arbeitsalltag?

Die Wahl der Praxiseinsätze ist so angelegt, dass man (fast) jeden Geschäftsbereich des Konzerns kennenlernt. Somit sind die Aufgaben und Tätigkeiten ganz vielfältig, je nach Praxiseinsatz oder Projekt.

Welche Erfahrungen hast du während deines Auslandsaufenthaltes sammeln können?

Als einer der Praxiseinsätze war ein Auslandsaufenthalt geplant, der mit einem Traineeprojekt verbunden war. Um das Projektthema zu erarbeiten, haben wir uns selbstständig Gastunternehmen in Europa gesucht, denen wir für drei Monate unsere Unterstützung angeboten haben. Im Gegenzug haben wir Wissen und Erfahrungen in dem Unternehmen gesammelt, die in die Erarbeitung des Projektes mit eingeflossen sind. 

Ich habe in der Zeit in einem Start-up in Stockholm gearbeitet.

Stichwort Work-Life-Balance: Auf wie viele Arbeitsstunden kommst du pro Woche?

Man hat während des KTPs einen 36-Stunden-Vertrag mit 30 Urlaubstagen. Um einen effektiven Ablauf der Praxiseinsätze, Transferwochen und weiteren Veranstaltungen zu ermöglichen, werden die Urlaubszeiten für die Programmzeit fest vorgegeben und man kann lediglich zwei Urlaubstage zeitlich frei wählen.

Wie empfindest du die Arbeitsatmosphäre bei der EnBW?

Ich habe die Arbeitsatmosphäre in den Abteilungen und Geschäftseinheiten, die ich in meinen Praxiseinsätzen kennengelernt habe, ganz unterschiedlich wahrgenommen. Gerade in jüngeren Bereichen und ausgelagerten Standorten empfand ich den kollegialen Umgang als sehr locker und konstruktiv.

Während des Trainee-Programms hat man durch die gemeinsamen Projekte und Transferwochen sowie die Gestaltung und Organisation von Kaminabendenden und Kennenlerntagen einen sehr engen Kontakt zu seinen Traineekollegen. Zudem gibt es ein KTP-Alumninetzwerk aller ehemaliger Traineejahrgänge, das sich ein- bis zweimal im Jahr trifft.

Wie steht es mit dem Trainee-Gehalt?

Das Gehalt der Konzerntrainees beträgt rund 45.000 Euro brutto im Jahr.

Ist der Arbeitsvertrag auf die Dauer des Trainee-Programms bei der EnBW befristet?

Ja, der Arbeitsvertrag ist zunächst für die Dauer des Trainee-Programms befristet. Nach Abschluss des Programms erfolgt eine Übernahme in ein unbefristetes Arbeitsverhältnis.

Was war (bisher) dein persönliches Highlight in der Trainee-Ausbildung?

Meine Highlights im KTP waren zum einen die Blaumannphase in der Instandhaltungswerkstatt eines Kohlekraftwerks, in der ich hautnah die Herausforderungen der konventionellen Erzeugung im Rahmen der Energiewende miterleben und verstehen konnte.

Das zweite Highlight war eine Praxisphase im Offshore-Windenergie-Bereich, bei der ich aktiv an Verhandlungen mit Turbinenlieferanten zu einem Service-Vertrag teilnehmen durfte.

Wie ging es für dich persönlich im Anschluss an das Trainee-Programm bei der EnBW weiter?

Generell werden für die Trainees keine Bereiche festgelegt, in denen sie nach dem KTP eingesetzt werden sollen. Zu Ende des Trainee-Programms geht man selbstständig auf Stellensuche – im internen Stellenmarkt, aber auch über das Netzwerk, dass man sich über die Zeit des KTPs aufgebaut hat.

Ich habe das Konzerntraineeprogramm bereits seit ein paar Monaten abgeschlossen und arbeite nun in der Geschäftsentwicklung für Erneuerbare Energien mit dem Fokus Offshore Wind.


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