Erfahrung als JMP-Trainee im Vertrieb/Marketing: Robert Bosch GmbH.

Von Jana Teuber,

Jasper van Kempen durchläuft aktuell das Trainee „Junior Managers Program“ im Bereich Vertrieb/Marketing bei der Robert Bosch GmbH im Bereich Sicherheitssysteme. Im Interview mit TRAINEE-GEFLÜSTER spricht er über das Bewerbungsverfahren, gibt Kandidaten Tipps für das Vorstellungsgespräch und schildert den Ablauf seines Trainee-Programms bei dem internationalen Unternehmen.

Hallo Jasper, welche Fragestellungen waren für dich damals wichtig?

Für mich war es wichtig, bei einem großen internationalen Unternehmen zu arbeiten, das mir die Möglichkeit bietet, mich weiterzuentwickeln. Ebenso war mir die Balance zwischen Beruf und Privatleben wichtiger als die finanzielle Vergütung. Die Unternehmenswerte und die Kultur waren damals und sind bis heute ein wichtiger Grund für mich, Bosch als Arbeitgeber zu wählen. Ich bin stolz, für die Firma arbeiten zu dürfen.

Wie lief das Auswahlverfahren für die Trainee-Stelle bei Bosch ab?

Meine Situation war eher außergewöhnlich: Von meiner Universität, der European Business School (EBS), gab es ein sechswöchiges Praktikum – die Bosch Summer School. Hier bekamen kleine Gruppen Studierender eine Beratungsaufgabe in den unterschiedlichsten Geschäftsbereichen der Bosch Gruppe. In meinem Fall war das eine TCO-Betrachtung innerhalb Bosch Diesel Systems in Homburg. Als Abschluss des Projektes haben wir unsere Ergebnisse an den Bosch CFO, Dr. Asenkerschbaumer, präsentieren dürfen. Ein paar Monate später bin ich von HR kontaktiert worden, ob ich mich für das JMP Trainee-Programm bei Bosch interessieren würde. Nachdem ich in dem Praktikum die Möglichkeit hatte, kurz bei Bosch reinzuschauen und mit dem CFO zu reden, war mir direkt klar, dass Bosch ein sehr offener Betrieb ist und ich dafür arbeiten möchte.

Weil ich zu diesem Zeitpunkt in Amerika an der Vanderbilt Universität studierte, habe ich mich von dort aus beworben. Dies war eine Initiativbewerbung (also ohne ausgeschriebene offene Stelle). Das ging per Online-Tool, jedoch stand ich mit HR in regelmäßigem Kontakt, um die Fortschritte meiner hochgeladenen Unterlagen zu besprechen. Der nächste Schritt war ein telefonisches Bewerbungsgespräch. 

Nach dem erfolgreichen Abschluss des Telefonats wurde direkt ein Termin eingeplant, um mich bei dem Hauptsitz persönlich vorzustellen. Für dieses Gespräch sollte ich eine kurze Präsentation über mich selbst vorbereiten. Ich habe versucht, diese Präsentation möglichst originell zu gestalten. So habe ich den Fokus eher auf besondere Momente und Entscheidungen meines Lebens gelegt, statt meinen Lebenslauf wortwörtlich durchzugehen.

Im weiteren Verlauf des Gesprächs wurde mir mitgeteilt, dass im Falle einer Zusage das Trainee-Programm bei Bosch Sicherheitssysteme am besten zu mir passen würde. Schon drei Tage später kam der Anruf, dass ich zum Programm zugelassen bin.

Der letzte Schritt war ein Interview vor Ort in München mit dem Head of Global Marketing für Bosch Sicherheitssysteme. In diesem Gespräch ging man tiefer auf die relevanten Themen ein, zum Beispiel was das „Internet of Things“ für den Geschäftsbereich Sicherheitssysteme von Bosch bedeute. Alle Gespräche verliefen sehr gut und ich habe mich neben der natürlichen und gesunden Nervosität immer wieder auf die Bewerbungsgespräche gefreut.

Welche Tipps kannst du Bewerbern geben, die den Auswahlprozess noch vor sich haben? 

Sei du selbst. Es ergibt keinen Sinn, sich zu verstellen. Bosch sucht individuelle Persönlichkeiten, die ein natürliches Auftreten haben. Ich bin ebenso der Meinung, dass man keinen Plan B haben sollte. Für mich bedeutet das: Gib 100 Prozent für ein Unternehmen, über das du dich ausführlich Informiert hast und bei dem du dich selbst als Teil sehen könntest. Auch wenn es keinen direkten Einfluss hat, gibt es mir psychologische Unterstützung zu wissen, dass ich mich tatsächlich für ein Unternehmen meiner Wahl beworben habe. Ein weiterer Tipp ist: Bereite dich auf ein Thema besonders gut vor und versuche, wenn es im Gespräch die Möglichkeit gibt, auf das Thema einzugehen. Du wirst dich in diesem Moment wohl fühlen und natürlich mit deinem Fachwissen punkten. Es ist überraschend, wie oft man das Gespräch dann doch dahin lenken kann, wohin man möchte, um zu zeigen, wie viel man von einem Thema weiß.

Wie ist der grobe Ablauf deines Trainee-Programms bei Bosch?

Das Trainee-Programm ist eine Job-Rotation, bei der der Trainee selbst die Möglichkeit hat, seinen Stationsplan mitzugestalten. Man bekommt am Anfang des Programms einen Mentor. Dieser wird zusammen mit dem Trainee überlegen, was für dessen Karriere am besten ist.

Das Programm dauert in der Regel 18 bis 24 Monate und enthält unterschiedliche Stationen in unterschiedlichen Abteilungen, die in der Regel vier bis sechs Monate dauern. Der Trainee ist selbst für die Planung der Stationen zuständig. Jedoch sollte er eine funktions- und eine geschäftsbereichsübergreifende Station mit einplanen.

Man hat als Trainee ein Budget für fachliche- und überfachliche Seminare. Man bekommt eine Liste mit verpflichtenden Seminaren. Alle anderen sind frei zu wählen. Bosch hat ein großes Angebot an internen Seminaren, die frei gebucht werden können. Aber auch außerhalb der Organisation können Seminare besucht werden.

Wie sind Einarbeitung, Betreuung und Feedback durch die Vorgesetzten geregelt? 

Die Einarbeitung war gut und schnell. An meinem ersten Tag standen an meinem Schreibtisch ein Namensschild, ein neues Notebook und sogar ein Strauß Blumen. Obwohl man die ersten Tage mit organisatorischen Aufgaben sowie dem Einrichten von Zugängen und Accounts für die verschiedenen Online-Services beschäftigt ist, ging das Projekt direkt los und ich hatte gleich am ersten Tag meine erste Besprechung.

Die Betreuung während des Programms kommt von mehreren Stellen. Zunächst hat man einen HR-Business-Partner. Das ist derjenige, der den Trainee von zentraler HR-Ebene betreut. Weiter gibt es auch immer einen lokalen Betreuer, der den Trainee während einer Station begleitet. Außerdem gibt es noch einen Mentor der höheren Führungsebene. Gespräche mit dem Mentor zu planen, ist Aufgabe des Trainees. Da mein Mentor ein sehr engagierter Mensch ist, nimmt er sich immer wieder ausreichend Zeit für mich, um mich zu unterstützen und Kontakte für mich zu knüpfen.

„Training-on-the-job“ – Wie ist das Verhältnis von Theorie und Praxis?

Für alle Trainees gibt es ein Trainings-Budget. Das meiste, was man lernt, passiert aber „on the job“. Die Seminare sind eine Ergänzung, um auch das theoretische Wissen während des Trainee-Programms zu stärken.

Was sind deine wesentlichen Aufgaben und Tätigkeiten im Arbeitsalltag als Trainee bei Bosch?

Das hängt, wie andere Themen auch, sehr von der gegenwärtigen Stelle ab. Lass mich dir ein Beispiel für einen typischen Arbeitstag geben:

Bei meiner ersten Station als Project-Lead fing der Tag meistens mit Mails lesen und beantworten an. Es handelte sich um ein neues Projekt, bei dem meine Kollegin und ich weltweit die ersten Ansprechpartner waren. Dadurch erhielt ich täglich E-Mails, die abgearbeitet werden mussten. Häufig erhielten wir Mails von Kollegen aus der ganzen Welt, mit denen wir uns über neue Projekte austauschten. Weil man global arbeitet, ist immer jemand auf der Welt am Thema dran. Das heißt, morgens hat man oft schon mehrere Mails aus Nord- oder Süd-Amerika – wegen des Zeitunterschiedes. Ansonsten sind meine Tage meistens ziemlich durchgeplant mit Meetings (persönlich oder per Skype), in denen ich aus unterschiedlichsten Gründen mit Lieferanten, Kollegen und anderen Stakeholdern rede, um am Ende des Tages sagen zu können: Mein Wissen im Thema ist gewachsen und das Projekt ist weiter, als es gestern war. Seltener, aber es kann auch vorkommen, ist das Halten von Webinaren, um das Wissen in der Organisation zu verbreiten. Manchmal bin ich auch auf Geschäftsreise für eine Präsentation oder auf einem Kundenbesuch. Bei mir waren diese Geschäftsreisen zum Beispiel in die Türkei, England und die Niederlande.

Das ist jetzt ein Beispiel von einer Station, aber was das Trainee-Programm so besonders macht, ist, wie unterschiedlich die Funktionen sein können. Genau diese Abwechslung im Arbeitsalltag ist für mich etwas sehr spannendes. Bei jedem Wechsel muss man sich sehr schnell einarbeiten. Man kann sich oft nicht in Ruhe vorbereiten oder einlesen, aber von dem ersten Tag an wird erwartet, dass der Trainee einsetzbar ist. Genau diese Erwartung ist es, die mich treibt, immer mit Spaß und Ehrgeiz an die Sache heranzugehen.

Welche Erfahrungen hast du während deines Auslandsaufenthaltes sammeln können?

In 2016 war ich für sechs Monate in Brasilien beim regionalen Marketing. Ich habe dort die tägliche Verantwortlichkeit für ein Projekt übernommen, in dem wir ein neues Preismodell für die Region analysiert und vorbereitet haben. Dass mein Auslandsaufenthalt in Brasilien war, war Zufall. Beim Mittagessen mit dem regionalen Marketingmanager von Süd-Amerika in München kam es zu diesem Angebot, das ich umgehend angenommen habe.

Man wird vor und während des Auslandsaufenthalts vom Unternehmen auf vielen Ebenen unterstützt. So bekommt der Trainee zum Beispiel ein Sicherheitstraining. Weiter übernimmt Bosch viele Kosten, eine Krankenversicherung und sogar die Wohnkosten. Außerdem erhielt ich einen Mietwagen inklusive Tankkarte im Ausland.

Der Auslandsaufenthalt war eine große Erfahrung. Die Verständigung war nicht immer leicht und ich bin mir durchaus bewusst, dass ich Gast in einem anderen Land war. Ich hab viele neue Leute kennengelernt und mich mit der Sprache auseinandergesetzt. Es hat meinen Blick innerhalb der Organisation vergrößert und mir gezeigt, wie schön es ist, bei so einer internationalen Firma zu arbeiten. Das Wichtigste war, zu sehen, wie wichtig Diversität innerhalb einer Firma ist.

Stichwort Work-Life-Balance: Auf wie viele Arbeitsstunden kommst du als Trainee bei Bosch pro Woche?

Diese Frage ist schwer pauschal zu beantworten – wie viele Stunden zusammenkommen, ist situations- und saisonbedingt. Im Sommer, zur typischen Urlaubszeit, geht es meist ruhiger zu. Dann kommen weniger E-Mails und kurzfristige Termine rein als sonst und man kann auch mal einen Freitag für ein verlängertes Wochenende freinehmen. Und dann gibt es wieder Phasen, in denen viel los ist, man Montag bis Mittwoch unterwegs ist und am Freitag eine wichtige Präsentation im Büro halten muss – dann geht die Stundenzahl dementsprechend nach oben. Auf diese Art und Weise gleicht sich viel aus.

Meine persönliche Erfahrung ist aber, dass die Wochen mit viel Arbeit vorbeifliegen und der Blick auf die Uhr fällt, wenn der Arbeitstag eigentlich schon längst vorbei ist. Wenn man als Trainee aber richtig plant, ist es gut, sich den Urlaub zwischen die Stationen zu legen. Dann lassen sich, besonders im Ausland, tolle Urlaube planen. Der Ausgleich zwischen Privatleben und Beruf ist super. Ich hatte noch keine Station, bei der es irgendwie ein Problem gab, flexibel zu bleiben. Am Ende des Tages ist es die Verantwortlichkeit des Trainees, sich von der besten Seite zu zeigen und niemand wird verurteilt, auch andere Verpflichtungen zu haben.

Wie empfindest du die Arbeitsatmosphäre bei Bosch?

Eine große Stärke der Bosch Gruppe ist die Diversität in den Geschäftsbereichen. Das heißt für mich, dass auch die Arbeitsatmosphäre teilweise unterschiedlich ist. Darauf sollte sich ein Trainee einlassen können, um die verschiedenen Atmosphären der Stationen kennenzulernen. Doch eines haben alle Stationen gemeinsam: einen sehr netten Umgang zwischen den Mitarbeitern.

Wie steht es mit dem Trainee-Gehalt bei Bosch? 

Beim Bewerbungsverfahren habe ich kurz im Internet recherchiert. Ich kann nur sagen, dass die Gehaltsangaben, die sich dort finden lassen, durchaus korrekt sind, und ich deshalb nicht überrascht war, als ich den Vertrag erhielt. Weitere Vorteile sind die extra Zuschüsse, die ein Trainee im Ausland erhält, sowie das Weihnachtsgeld und die erfolgsabhängige Prämie der gesamten Bosch Gruppe einmal pro Jahr.

Ist der Arbeitsvertrag auf die Dauer des Trainee-Programms befristet?

Der Arbeitsvertrag ist unbefristet. Man bekommt in der Regel einen neuen Vertrag am Ende des Trainee-Programms. Weil die Bosch Gruppe aus unterschiedlichen Rechtseinheiten besteht, wird der Trainee einen Vertrag für einen bestimmten Geschäftsbereich bekommen. Ich habe noch nicht gehört, dass ein Trainee am Ende keine gute Position bekommen hat.

Was war (bisher) dein persönliches Highlight in der Trainee-Ausbildung?

Eine Präsentation vor circa 75 Architekten in Istanbul. Die Nerven lagen blank und trotz viel Übung blieb es eine spannende Sache, vor so vielen Leute zu präsentieren. Ich erhielt ein Mikrofon und im Hintergrund wurde die Tonspur von einem Übersetzer für die Zuhörer ins Türkische umgewandelt. Die Möglichkeit, vor so einem großen Publikum zu präsentieren, war echt super.

Wie geht es für dich persönlich im Anschluss an das Trainee-Programm weiter?

Momentan führe ich viele Kontaktgespräche innerhalb der Organisation. Mein Mentor unterstützt und ist immer wieder dabei, um mich Personen vorzustellen. Die Chance ist sehr groß, dass ich eine Stelle nehmen werde an dem Standort und in dem Geschäftsbereich, in dem ich auch angefangen haben – nämlich bei Bosch Sicherheitssysteme in München. Ich werde dort in ein Projekt involviert sein, um ein neues Business bei Bosch zu integrieren. Ich denke, dass das Trainee-Programm mir eine sehr gute Basis geschaffen hat für meine Anschlussstelle.


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