Erfahrung als JMP-Trainee im Bereich IT: Robert Bosch GmbH.

Von Bettina Wilde,

Maik Wortmann ist als IT Trainee bei der Robert Bosch Engineering tätig. Während er bei seinem Auslandseinsatz in Bangalore in Indien neue Erfahrungen sammelt, steht er uns Rede und Antwort und spricht über seine Erfahrungen im Auswahlverfahren und im Arbeitsalltag sowie über das Trainee-Gehalt und die Arbeitsatmosphäre bei Bosch.

Hallo Maik, wie lief das Auswahlverfahren für die Trainee-Stelle ab?

Insgesamt bestand das Auswahlverfahren bei mir aus fünf Schritten. Angefangen hat es mit der Onlinebewerbung. Der zweite Schritt war das telefonische Kennenlernen und Interview. Hier wurden mir typische Fragen zum Bosch Konzern, zu meinen Einstellungen gegenüber Führung und meinen Erwartungen an das Programm gestellt. Abgerundet wurde das Interview mit Situativfragen. Im dritten Schritt wurde ich dann zum Bewerberauswahltag in die Konzernzentrale nahe Stuttgart eingeladen. Für diesen musste ich eine Selbstpräsentation vorbereiten. Vor Ort erhielten wir zunächst eine Präsentation über Bosch, das Trainee-Programm und den Ablauf desselben. Danach ging es dann an eine Case Study, welche zugeschnitten auf das jeweilige Fachgebiet war. Im Anschluss daran wurde jeder einzeln gebeten, seine Selbstpräsentation vor einer Auswahl an HRlern sowie Managern zu halten sowie im Anschluss die Ergebnisse aus der Case Study vorzustellen. Nach dem Mittagessen folgte dann nachmittags eine Gruppenübung. Konnte man überzeugen, wurde man direkt zum Interview eingeladen. In diesem Interview wurde nochmals auf den Werdegang, die Motivation und einige Punkte vom Vormittag eingegangen. Ein paar Tage später erhielt ich die Einladung zum Fachgespräch mit der HR-Abteilung sowie einem Manager aus dem Fachbereich. Hier wurden vermehrt fachliche Fragen gestellt sowie erneut die persönliche Motivation thematisiert. Außerdem wurde nochmal erläutert, was Bosch im speziellen Fachbereich alles macht und vorhat. Wiederum einige Tage später erhielt ich eine Einladung zum Mentorengespräch. In diesem Fall hatte ich ein Treffen mit einem Bereichsvorstandsmitglied und einer höheren Managerin. Im Anschluss an das Gespräch wurde mir die Stelle dann angeboten.

Insgesamt hat das Verfahren vom Abschicken der Onlinebewerbung bis zur finalen Zusage knapp dreieinhalb Monate gedauert.

Welche Tipps kannst du Bewerbern geben, die den Auswahlprozess bei Bosch noch vor sich haben?

Wichtig ist, sich sehr genau bewusst zu sein, warum Bosch und warum dieses Trainee-Programm. Verbunden damit sollte man wissen, was Führung für einen bedeutet und warum man den Anspruch auf eine Führungslaufbahn bzw. Karriere hat. Als ITler bietet Bosch einem sehr viele Entwicklungsmöglichkeiten in den verschiedensten Fachrichtungen sowie Attraktivität durch das Verfolgen einer konsequenten Innovationskultur bei Trends wie I4.0, dem IoT oder Cloudgeschäft. Dazu kommt, dass die Grundprinzipien des Bosch Konzerns sich nahezu mit meinen eigenen überlappen.

Darüber hinaus kann ich nur raten: Sei du selbst und versuche, dich nicht zu verstellen. Es kommt nicht darauf an, was du alles bis zu dieser Situation erreicht oder gemacht hast, sondern nur darauf, dass du in Zukunft eine gute Führungspersönlichkeit sein kannst. Ergreife auch die Möglichkeit, dich mit aktuellen Trainees, welche vor Ort sind, auszutauschen und Fragen zu stellen. Ein gesunder Menschenverstand und Grad an Neugier sind sicherlich auch nicht verkehrt.

Wie ist der grobe Ablauf deines Trainee-Programms?

Grob gesagt dauert das Trainee-Programm 18 bis 24 Monate, wobei 24 Monate die Regel sind. Dabei ist es vorgesehen, alle drei bis sechs Monate die Abteilung, den Bereich bzw. Standort oder mehrere dieser Faktoren zu wechseln. Der Großteil der Ausbildung findet an den verschiedenen deutschen Standorten statt. Allerdings sind auch eine Auslandsstation von drei bis sechs Monaten sowie ein Fertigungsaufenthalt von zwei Wochen fest eingeplant, um die Fertigung und die Produkte kennenzulernen. Darüber hinaus ist das Programm auch so strukturiert, dass es möglich ist, eine Station bei einer Bosch Tochter zu absolvieren, um dort Erfahrungen zu sammeln und für die Sicht von außen auf den Konzern sensibilisiert zu werden. Die Entscheidung, welche Abteilung, welcher Bereich oder welcher Standort es wird, treffen der Trainee, der Fachbereich HR und der Mentor in gemeinsamer Abstimmung und nach Abwägung der Möglichkeiten.

Innerhalb der verschiedenen Stationen ist es dem Trainee selbst überlassen, Seminare, Schulungen oder Exkursionen zu belegen. Dafür steht jedem Trainee ein fachliches und überfachliches Budget zur freien Verfügung. Darüber hinaus gibt es verpflichtende Seminare für alle Trainees, zum Beispiel zum Thema Führung und Entwicklung, welche von der Zentrale angeboten werden.

Wie sind bei Bosch Einarbeitung, Betreuung und Feedback durch die Vorgesetzten geregelt?

Jeder neue Trainee bekommt einen sogenannten Paten – einen Trainee aus dem jeweiligen Fachbereich, welcher schon länger im Programm ist –, einen Co-Mentor – meist einen Manager aus dem unteren oder mittleren Management –, je einen Ansprechpartner aus dem Fach- sowie aus dem HR-Bereich und einen Mentor aus dem oberen Management/Bereichsvorstand zur Seite gestellt. Diese Personen begleiten einen durch das gesamte Programm. Primär ist der Pate Ansprechpartner bei alltäglichen Fragen und besonders hilfreich bei der Einarbeitung. Neben diesem stehen uns Trainees allerdings noch eine Menge weiterer fixer Ansprechpartner, zum Beispiel zum Thema IT Zugänge, oder auch einfach die anderen Trainees, welche man bei den unzähligen Events trifft, zur Verfügung.

Die Betreuung während der Stationen übernehmen dann der Co-Mentor, der HR Fachbereich und ein allgemeiner Ansprechpartner sowie speziell der Vorgesetzte. Mit dem Mentor trifft man sich zwei- bis dreimal pro Jahr, um sich über Karriereperspektiven, Stationen sowie über Erfahrungen auszutauschen.

Feedback bekommt man auf zwei Wegen. Einmal bekommen Trainees nach der Probezeit ein Feedback vom HR Fachbereich, welches mit den Mentoren abgestimmt wird. Zudem wird jährlich ein Entwicklungsgespräch mit dem HR Fachbereich geführt, in welchem konsolidiert Feedback der Mentoren sowie bisherigen direkten Vorgesetzten auf den Stationen gegeben wird. Ein weiterer Weg Feedback zu bekommen ist, selber aktiv zu werden und Termine einzustellen. Hier stehen einem der direkte Vorgesetzte pro Station, die HR Ansprechpartner oder Mentoren jederzeit zur Verfügung.

„Training-off-the-job“ vs. „Training-on-the-job“ – Wie ist das Verhältnis von Theorie und Praxis?

Das Training-on-the-Job überwiegt, da man auf jeder Station direkt eingesetzt wird. Um möglichst schnell in das Thema zu kommen, ist es aber oftmals so, dass zusätzlich noch off-the-Job-Training in Form von Trainings oder Seminaren absolviert werden. Aber dies ist jedem selbst überlassen, basierend auf Interesse und fachlicher Erfahrung auf der jeweiligen Station. Im Großen und Ganzen überwiegt die Praxis. Die Theorie unterstützt dabei je nach Bedarf.

Was sind deine wesentlichen Aufgaben und Tätigkeiten im Arbeitsalltag?

Je nach Station und den eigenen Vorlieben variieren die Aufgaben und Tätigkeiten. In meinem Fall waren die Aufgaben auf der ersten Station überwiegend technisch und prozessual im Bereich IT Security geprägt. Dazu kam ein gewisses Projektmanagement, da ich für ein Teilprojekt zuständig war. Während meiner zweiten Station ging es um ein konzernweites Service- und Supportprojekt, in welchem die Architektur und Arbeitsweise für ein neues Serviceportal gestaltet werden musste. Dazu kam wiederum der Projektaspekt, unter welchen auch Statuspräsentationen vor dem Management gefallen sind. Und das ist der große Vorteil an dem Programm: die Abwechslung und die Mischung. Da es einem selber zu einem großen Teil überlassen ist, die Stationen zu bestimmen, bestimmt man im Endeffekt auch selber, ob man in ein eher technisches oder organisatorisches Thema einsteigen möchte oder vielleicht sogar ein Projekt auswählt, um dort seine Erfahrungen zu sammeln. Zu den Aufgaben im Arbeitsalltag kommen dann noch zusätzliche Projekte oder Initiativen, welche einem als Trainee gegeben werden. Dies sind meist überfachliche Projekte, gemeinnützige Arbeit wie im Kinderhilfsverein Primavera, Events oder auch Traineetreffen, welche organisiert werden wollen. Diese helfen einem dabei, sich noch tiefer zu vernetzen, auszutauschen und wertvolle Erfahrungen zu sammeln. Unabhängig davon sind diese Aufgaben und Tätigkeiten sehr fordernd und anspruchsvoll, was wiederum dazu führt, sich selber weiterzuentwickeln.

Welche Erfahrungen hast du während deines Auslandsaufenthaltes sammeln können?

Aktuell befinde ich mich seit Oktober 2016 bis März 2017 auf meiner Auslandsstation in Bangalore, Indien bei der Robert Bosch Engineering India (RBEI). Die Entscheidung für Indien habe ich zusammen mit meinem Mentor getroffen. Der Hauptgrund war die Tatsache, dass Bosch derzeit sehr viele Projekte und Aktivitäten in Indien vorantreibt und hier einer der größten Märkte für Bosch weltweit ist. Da ich persönlich noch nicht in Indien war und das Land, die Leute sowie die Kultur sehr spannend fand, fiel die Entscheidung leicht.

Vor Ort unterstütze ich das indische Projektteam innerhalb eines konzernweiten IT Organisationsprojektes. Schon die Tatsache an sich, für sechs Monate in Indien zu wohnen, ist eine wahnsinnige Erfahrung. Dazu kommt allerdings noch die Arbeit, welche nicht nur fachlich, sondern auch persönlich zu meiner Weiterentwicklung beiträgt. Zu meiner täglichen Zusammenarbeit mit den indischen Kollegen gehören auch Absprachen mit der deutschen Projektleitung sowie die Übernahme eigener Aufgaben. Genauer gesagt drehen sich meine Aufgaben darum, IT Dienstleistungsangebote aus Indien zu standardisieren und global verfügbar zu machen. Dazu gehören das Entwickeln von Übergabemodellen, die Definition von Prozessen und Vorgehensweisen sowie ständige Rücksprache innerhalb des indischen Projektteams zusammen mit den deutschen Kollegen und externen Beratern zu halten. Alleine durch die tägliche Zusammenarbeit mit den indischen Kollegen konnte ich mein Netzwerk extrem erweitern. Dazu kommt, den Bosch Konzern aus einer anderen Perspektive kennenlernen zu dürfen: Aus der Sicht eines anderen Landes und Tochterunternehmens. Das hat mir persönlich extrem geholfen, mich sensibler zu bewegen und noch besser zu verstehen, auf welche speziellen Eigenschaften und Dinge, besonders in Indien, Wert gelegt werden muss.

Stichwort Work-Life-Balance: Auf wie viele Arbeitsstunden kommst du pro Woche?

Eine Work-Life-Balance ist auf jeden Fall vorhanden und meiner Meinung nach sehr gut balanciert. Wir Trainees haben die Möglichkeit, zu Beginn und einmal im Jahr zwischen einem 35-, 38- oder 40-Stunden-Arbeitsvertrag zu entscheiden. Dabei können bei den 38- oder 40-Stunden-Verträgen Stunden in ein Langzeitkonto eingezahlt werden, für ein späteres Sabbatical oder Ähnliches. Dazu sind flexible Arbeitszeiten unabhängig von Raum und Zeit ohne Probleme möglich. So gibt es zwar eine gewisse Kernarbeitszeit, in welcher gearbeitet werden soll, allerdings ist es jedem selbst überlassen, ob er ein oder zwei Stunden später kommt und länger bleibt oder früher kommt und entsprechend früher geht. Auch Home Office zu machen ist ohne Probleme möglich. Alles, was im Büro gemacht werden kann, ist auch zu Hause möglich, falls es die Situation oder die Tagesplanung verlangt.

Alles in allem komme ich mit meinem 40-Stunden-Vertrag sehr gut aus. Urlaubstage gibt es 30 pro Jahr.

Wie empfindest du die Arbeitsatmosphäre bei Bosch?

Die Arbeitsatmosphäre könnte nicht besser sein. Eine Zusammenarbeit mit den Kollegen ist von Beginn an bei jeder Station gegeben, man wird direkt ins Team aufgenommen und zum Glück wie ein „normaler“ Mitarbeiter in der Abteilung behandelt und geachtet. Natürlich wird man als Trainee mal gefragt, was man denn macht und wie das ganze Programm abläuft, aber im Anschluss daran arbeiten die Leute dann meistens noch motivierter mit einem zusammen.

Der Kontakt zu den anderen Trainees ist gar nicht zu vermeiden – was absolut gut und wichtig ist! An den verschiedenen Bosch Standorten gibt es regelmäßige Stammtische und Treffen, sei es unter der Woche oder am Wochenende, an denen man sich über aktuelle Entwicklungen, zum Programm, zu Schulungen oder Seminaren austauscht und sich gegenseitig zu möglichen Stationen berät. Unabhängig davon organisieren die Trainees verschiedene fachliche Treffen und es gibt spezielle Trainings nur für Trainees, bei denen man sich regelmäßig trifft. Somit hat man durch und durch fachbereichsübergreifend Kontakt zu den anderen Trainees

Wie steht es mit dem Trainee-Gehalt?

Das Gehalt orientiert sich an der Branche und den IG Metall Vorschriften. Das Gute ist aber, dass dieses durch Bosch Zulagen aufgestockt wird.  Während des Trainee-Programms gibt es verschiedene Gehaltserhöhungen in Form von Anpassungen der Gehaltsstufe in Abhängigkeit vom Programmfortschritt. Im Jahr verteilt für alle Mitarbeiter einschließlich Trainees gibt es Weihnachtsgeld, Urlaubsgeld sowie eine Gewinnbeteiligung. Somit ergibt sich ein sehr gutes und überdurchschnittliches Gehalt.

Ist der Arbeitsvertrag auf die Dauer des Trainee-Programms bei Bosch befristet?

Nein, zu Beginn des Trainee-Programms bekommt jeder einen unbefristeten Arbeitsvertrag.

Was war (bisher) dein persönliches Highlight in der Trainee-Ausbildung?

Neben der Auslandsstation in Indien und den unbezahlbaren Erfahrungen, die ich dort gemacht habe – fachlich sowie persönlich – ist ein weiteres Highlight definitiv das Privileg, als Trainee alle drei bis sechs Monate den Bereich wechseln zu können. Dadurch lernt man wahnsinnig schnell den Konzern kennen und verstehen, baut sein Netzwerk innerhalb und außerhalb der Stationen auf, sammelt in sehr kurzer Zeit fachliche und persönliche Erfahrungen zu den unterschiedlichsten Dingen und das Wichtigste: Man hat jeden einzelnen Tag Spaß dabei.

Wie geht es für dich persönlich im Anschluss an das Trainee-Programm bei Bosch weiter?

Da ich mich aktuell noch im Trainee-Programm auf meiner Auslandsstation in Indien befinde, geht es für mich danach zurück nach Deutschland für die letzten sechs Monate und eine weitere Station. Dort werde ich in Berlin bei der Bosch Software Innovations den Vertrieb und die Beratung im Bereich I4.0 unterstützen.


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