Die Kunst der Entscheidung: Wie trifft man die richtige?

Heute schon „Ich kann mich einfach nicht entscheiden“ gesagt? Würde das der Wahrheit entsprechen, hättest du ein Problem, denn dann würdest du im Alltag so gut wie gar nichts mehr auf die Reihe bekommen. Aufstehen oder noch fünf Minuten liegenbleiben, Frühstück oder Croissant auf dem Weg, Regenschirm oder nicht – schon bevor der Tag richtig angefangen hat, hat jeder von uns Menge Entscheidungen getroffen: genau genommen 20.000 jeden Tag. Wie ist das möglich, fragst du dich? Wir bringen Licht ins Dunkel, geben dir Tipps, wie du gute Entscheidungen triffst und verraten dir, was dir das für deine Karriere bringt!

Inhalt

  1. Wie schaffen wir es, so viele Entscheidungen zu treffen?
  2. Kopf vs. Bauch
  3. Entscheidungen im Job
  4. Angst vor Entscheidung
  5. Falsche Entscheidungen als Chance
  6. Checkliste für dir richtige Entscheidung
  7. Welche Methoden können bei Entscheidungen helfen?
  8. 6 Fun Facts zu Entscheidungen

Wie schaffen wir es, so viele Entscheidungen zu treffen?

Wenn du dich entschieden hast, bis hierhin den Text zu lesen, hat dich das ungefähr 20 Sekunden gekostet. Und wie viel Zeit hat die Entscheidung dafür in Anspruch genommen? Einen Bruchteil dieser Zeitspanne, denn du hast nicht aktiv darüber nachgedacht. Und so läuft es mit den meisten Entscheidungen, die du im Laufe des Tages triffst: Du triffst sie blitzschnell, quasi unbewusst und automatisch. Das hört sich trivial an, ist aber die Grundlage dafür, dass wir überhaupt lebensfähig sind: Wenn du über jede Entscheidung aktiv nachdenken würdest, hättest du für jede nur 0,072 Minuten Zeit und könntest drum herum gar nichts anderes mehr machen. Den automatischen Prozess kannst du mal bewusst beobachten: Morgens, wenn der Wecker klingelt, drückst du schlaftrunken auf die Snooze-Taste, sobald du das Büro betrittst und dir ein Kollege entgegenkommt, grüßt du ihn, und stehst du im Supermarkt, greifst du automatisch nach deinem Lieblingspesto. Wie viele Mini-Entscheidungen hast du bis mittags schon zusammen?

Und nicht nur im privaten, sondern auch im geschäftlichen Kontext stehen jeden Wochentag Entscheidungen an. Diese werden oft auch mehr oder weniger automatisch gefällt – wenn du zum Beispiel entscheidest, ob du erst deinem Kollegen bei Slack antwortest oder einen Kunden anrufst. Oft sind aber auch weitreichende Entscheidungen gefragt, bei denen man dazu neigt, sich in lange Übelregungen und Ratschläge von anderen zu verbeißen.

Doch sind diese spontanen Entscheidungen, die man aus dem Bauch heraus trifft, schlechter als die, die man nach längerem Nachdenken trifft?

Kopf vs. Bauch: Wer länger nachdenkt, trifft die richtige Entscheidung?

Man sollte meinen, dass die besten Entscheidungen die sind, die lange reifen. Benjamin Franklin zum Beispiel pflegte als Präsident der USA stets vor wichtigen Entscheidungen eine Pro- und Contra-Liste anzulegen. Doch die Zeiten, in denen man sich bei jeder Entscheidung erstmal zurücklehnen konnte, sind vorbei: Im Job beispielsweise kann man sich durch die ständige Erreichbarkeit gar nicht mehr einer spontanen Reaktion entziehen. Wenn es also schnell gehen muss, entscheiden wir instinktiv. Heißt das, das unsere Entscheidungen schlechter sind?

Studien zeigen, dass Entscheidungen aus dem Bauch nicht nur schneller sind als von langer Hand geplante, sondern auch genauso gut sein können. Golfspieler beispielsweise, die vor einem Schlag nicht nachdenken, spielen besser, als wenn sie davor noch innehalten und sich Gedanken machen. Und Sanitäter am Unfallort machen sich nicht lange Gedanken, was zu tun ist, sondern handeln. Hintergrund ist, dass wir bei komplexen Entscheidungen unser jahreslanges Erfahrungswissen unterbewusst aufrufen. Während wir uns gedanklich hier verzetteln würden, hören wir scheinbar auf unser Gefühl und treffen instinktiv die richtigen Entscheidungen. Die Formulierung „aus dem Bauch hinaus“ ist damit irreführend, da bei jeder Entscheidung das Gehirn am Start ist und der Bauch so gar nicht beteiligt ist.

Ob Entscheidungen, die bewusst durch Abwägen der Situation getroffen werden, oder die instinktiven besser sind, lässt sich aber nicht pauschal beantworten. Sind wirklich komplexe Entscheidungen auf der Basis von Zahlen oder sonstigen Informationen zu treffen, nützt die Intuition nicht viel, sondern überwiegend geben die Fakten den Ausschlag. Und auch wer ein Auto kauft, wird sich nicht von seinen Gefühlen leiten lassen, sondern auch auf Dinge wie Spritverbrauch, Höchstgeschwindigkeit, Preis und PS dachten.

Das gute oder schlechte Gefühl ausschalten kann man wohl trotzdem nicht – nicht umsonst heißt es später gerne mal „Ich hatte gleich so ein schlechtes Gefühl dabei.“

Entscheidungen im Job

Bereits im Auswahlprozess für ein Trainee-Programm oder einen Job wird deine Entscheidungsfreudigkeit gerne auf die Probe gestellt. Sehr beliebt ist dabei die Postkorbübung, bei der du innerhalb von 20 bis 60 Minuten entscheiden musst, was von einem Riesenstapel an Aufgaben und Terminen du sofort erledigen und was delegieren kannst. Hier bleibt keine Zeit zum groß nachdenken, zumal du permanent beobachtet wirst – vielmehr verlässt dich dich darauf, aus deiner Erfahrung zu wissen, was für deine Beobachter Priorität hat.

Im Job eine Entscheidung zu treffen kann große Auswirkungen haben – sowohl auf die Karriere als auch auf was Unternehmen. Wie schwerwiegend die Entscheidungen sind, hängt davon ab, wie viel Verantwortung dir übertragen wird und auf welcher Karrierestufe du dich befindest. Triffst du als Trainee eine Entscheidung mit unangenehmen Nachwirkungen, ist das zwar sehr unangenehm, aber wenn dir das als Führungspersönlichkeit passiert, kann es dich wesentlich schneller deinen Job kosten. Als Trainee ist es mehr als legitim, wenn du bei großen Entscheidungen deinen Vorgesetzten zu Rate ziehst und dich damit absicherst. 

Angst vor Entscheidung

Um zum Ausgangspunkt zurückzukommen: „Ich kann mich einfach nicht entscheiden“ – wieso denkt man das? Und wieso hat man vor manchen Entscheidungen Angst? Gründe dafür sind, dass

  • wir Angst vor furchtbaren möglichen Konsequenzen haben,
  • eine Entscheidung gegen viele Alternativen steht,
  • wir uns selber zu wenig zutrauen,
  • uns unser Bauchgefühl verlässt und wir uns in unserem Kopf verzetteln – oder sich Bauch und Kopf widersprechen,
  • wir gefühlt zu wenig Zeit oder zu wenige Informationen haben oder
  • wir jemand anderem mit unserer Entscheidung auf den Schlips treten könnten.

Was also tun? Erst einmal musst du dir bewusst machen, dass es keine Alternative ist, keine Entscheidung zu treffen. Psychologen zufolge belastet nichts mehr, als sich eine Chance entgehen zu lassen – das heißt, keine Entscheidung getroffen zu haben wirst du mehr bereuen, als dich gegebenenfalls falsch entschieden zu haben. Dann hilft es, dir zu überlegen, was denn der Worst Case wäre. Dabei wirst du schnell feststellen, dass es selten um Leben und Tod geht. Und das Wichtigste: Jeder macht Fehler – vom Praktikant über den Trainee und den langjährigen Mitarbeiter bis hin zur Führungskraft!

Falsche Entscheidungen als Chance

Wenn eine Entscheidung so richtig in die Hose gegangen ist, musst du mit den Konsequenzen leben. Zwei Arten von Reaktionen sind verbreitet: Die einen fragen sich in Endlosschleife, wie das nur passieren konnte, und machen sich Vorwürfe, während die anderen sich endlos rechtfertigen und nicht eingestehen wollen, dass die Entscheidung falsch war. Beides ist wenig effizient. Vielmehr muss man sich drei Dinge bewusst machen:

  1. Die Entscheidung hat man getroffen auf der Basis von bestem Wissen und Gewissen – und deswegen ist sie richtig, auch wenn sie falsch war.
  2. Keiner kann hellsehen – sich darüber zu ärgern, dass man nicht wusste, dass etwas falsch war, macht genauso viel Sinn, wie sich darüber zu ärgern, dass man die Lottozahlen nicht vorher wusste.
  3. Trivial, aber wahr: Du hast bei jeder falschen Entscheidung dazugelernt – und sei es „nur“, mit dem Scheitern umzugehen.  

Checkliste für die richtige Entscheidung

Wenn eine spontane Aus-dem-Bauch-Entscheidung nicht möglich ist, ist es an der Zeit die Gedanken zu ordnen. Mithilfe der folgenden Fragen kannst du in kleinen Schritten zu einer Entscheidung gelangen:

1. Analyse der Situation

  • Wie sind die Ausgangssituation und die Rahmenbedingungen?
  • Habe ich darauf Einfluss?
  • Inwiefern sind Emotionen beteiligt

2. Informationssuche und -bewertung

  • Was bewerte ich? Die Information oder deren Quelle?

  • Trüben Stereotypen die Bewertung?

  • Sind mehr als nur eine Perspektive berücksichtigt?

  • Sind alle relevanten Informationen gefunden?

  • Was kann ich vernachlässigen und was nicht? 

3. Strategie

  • Muss es die optimale Lösung sein, oder reicht die gute? (Zeit und Umsetzbarkeit)
  • Herrscht Betriebsblindheit? 
  • Kann ich einen Schritt zurückgehen und einen gröberen Blickwinkel einnehmen?
  • Wird ein Gesamtkonzept verfolgt oder nur ein Schritt nach dem anderen gemacht?
  • Handele ich aus Überzeugung oder aus Gewohnheit?
  • Wo liegen die größten Kompetenzen und Ressourcen für die Aufgabe?
  • Will ich Fehler nicht eingestehen, weil bereits Kosten angefallen sind?

4. Ergebnisbewertung

  • Ist die Entscheidung gut?
  • Wer kann helfen, Fehler aufzudecken?

Welche Methoden können außerdem bei Entscheidungen helfen?

Wenn du nicht so der analytische, sondern eher der anschauliche Typ bist, helfen dir diese Methoden bei der Entscheidung:

Pro- und Kontra-Liste:
Die gute alte Pro und Kontra Liste zeigt dir auf einen Blick, wie viel dafür und wie viel dagegenspricht. Was dir die Liste nicht abnimmt, ist, welche Punkte schwerer wiegen als andere.
Faktensammlung:
Das wiederum kannst du mit der Faktensammlung erreichen. In eine Spalte notierst du alle Fakten, in der zweiten Spalte gewichtest du, in der dritten notierst du Gedanken und Notizen. So verschaffst du dir bewusst einen guten Überblick und vergisst nichts Relevantes. Die ultimative Antwort bekommst du aber nicht.
Entscheidungsbaum:
Das wiederum übernimmt der Entscheidungsbaum: Beim einfachen Entscheidungsbaum werden nacheinander ja/nein Fragen beantwortet. Ein nein bedeutet das Aus für die Entscheidung. Dargestellt wird das ganze in Baumstruktur. Hier musst du dir vorher genau Gedanken machen, welche Fragen wirklich relevant sind bzw. wann ein nein wirklich ein Ausschlusskriterium wird.
Tetralemma:
Offener ist das Tetralemma: Die Aufstellungsentscheidung hilft, wenn man sich zwischen zwei Dingen entscheiden muss. Dazu braucht man fünf DinA4 Blätter, auf die man jeweils Das Eine, Das Andere, Beides, Keins von Beidem und Etwas ganz Anderes schreibt. Dann stellt man sich nacheinander auf die Felder und geht die Möglichkeiten durch. Dadurch kann man gegebenenfalls „Das Eine“ als alleinige Lösung ausschließen, dann „Das andere“, die Vereinbarkeit bei „Beides überprüfen, bei „Keins von Beidem“ endgültig beide ausschließen und beim letzten Feld einen kreativen Schritt outside-the-box suchen – die Situation muss also ganz neu verhandelt werden. Mit dieser Übung kannst du in dich reinhorchen und faule Kompromisse vermeiden.

Hättest du's gewusst?

 

Über den Autor

Bettina Wilde
Bettina Wilde
Bettina Wilde ist seit 2015 für das Content Team von TRAINEE-GEFLÜSTER an Bord. Als studierte Germanistin und Trainee-Expertin schreibt sie für ihr Leben gern und kümmert sich um alle wichtigen Fragen rund um das Thema Berufseinstieg.

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Trainee-Expertin, Redaktion TRAINEE-GEFLÜSTER

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