Trainee bei der Bundesagentur für Arbeit: Erfahrungsbericht

Trainee bei der Bundesagentur für Arbeit: Erfahrungsbericht

 

Axel Pieper ist Trainee im Führungskräftenachwuchsprogramm bei der Bundesagentur für Arbeit. Im Interview mit TRAINEE-GEFLÜSTER spricht er über den Ablauf des Trainee-Programms, die Herausforderungen im Arbeitsalltag und die Anforderungen, die das Trainee-Programm zur Führungskraft mit sich bringt.

Was für ein Trainee-Programm absolvierst du bei der Bundesagentur für Arbeit?

Ich absolviere das zweijährige Trainee-Programm für angehende Führungskräfte. Innerhalb dieser beiden Jahre werden wir darauf vorbereitet, als Bereichsleiter die Verantwortung für ca. 120 Mitarbeiter übernehmen zu können – dabei haben wir sowohl Personalverantwortung als auch Ergebnisverantwortung. Wir dürfen in der letzten Traineephase bereits in dieser Funktion arbeiten, die letztendliche Verantwortung für alle Entscheidungen trägt jedoch noch der nächsthöhere Vorgesetzte. Nach Abschluss des Programms geht es dann richtig los.

Wie lief das Auswahlverfahren für die Trainee-Stelle bei der Bundesagentur für Arbeit ab?

Nach der Bewerbung wurde ich zu einem psychologischen Eignungstest eingeladen. Der dauerte mehrere Stunden, es ging vor allem um eine Selbsteinschätzung und um logisches Denken. Danach hat es etwas gedauert, bis ich dann den Anruf bekam, ich sei zum Bewerbertag eingeladen. Ich wusste, dass dies die „letzte Runde“ war. Da stieg die Spannung, ob ich es denn wohl schaffe. Zwei Tage später durfte ich den Personalleiter der Regionaldirektion anrufen, der mir die frohe Nachricht mitteilte, dass ich anfangen könne.

Worauf kommt es im Auswahlprozess für die Trainee-Stelle deiner Meinung nach besonders an?

Ich hatte den Eindruck, dass ich besonders durch mein Wissen um die großen Themen, mit denen sich die Arbeitsförderung beschäftigt, punkten konnte. Ich war schon ein paar Monate vor Beginn des Traineeprogramms in die „BA-Welt“ eingetaucht und habe vier Monate an der Hochschule der BA studiert. Das ist nicht die Regel, aber ich hatte dann im Auswahlgespräch einiges an Vorwissen, was mir sicher zugute kam. Darüber hinaus denke ich, dass vor allem darauf geachtet wurde, wie man mit Mitarbeitern umgeht, wie man sie motiviert und wie man gleichzeitig zielorientiert handelt.

Wie lange hat es vom Versenden der Bewerbungsunterlagen bis zur finalen Zusage gedauert?

Insgesamt waren das viereinhalb Monate – schon eine lange Zeit. Aber wie ich höre, ist in diesem Jahr das Verfahren noch etwas beschleunigt worden. Wir haben erfahren, dass es anfangs mehrere hundert Bewerbungen gab für die vier Stellen in Bayern. Da dauert es natürlich, diese zu lesen und zu bewerten.

Wie ist der grobe Ablauf deines Trainee-Programms bei der Bundesagentur für Arbeit?

Im Grunde gibt es vier Phasen, die je ein halbes Jahr dauern. In den ersten sechs Monaten war ich als Arbeitsvermittler im Arbeitgeberservice eingesetzt, um die Grundlagen des operativen Geschäfts kennenzulernen. Zurzeit arbeite ich in der zweiten Phase als Teamleiter der arbeitnehmerorientierten Vermittlung. Ich führe ein Team von 13 Mitarbeitern und muss sicherstellen, dass wir Arbeitssuchende richtig fördern und vermitteln – durch Beratung, Vermittlungsvorschläge und Bildungsmaßnahmen. Außerdem wäge ich persönliche Wünsche der Mitarbeiter mit den dienstlichen Interessen ab und organisiere das Team insgesamt so, dass die Arbeitsbelastung gerecht verteilt ist. So kann ich erste Führungserfahrungen sammeln.

Die dritte Phase wird mich vermutlich in ein anderes Bundesland führen. Dann kann ich verschiedene Aufgabenbereiche als Hospitant kennenlernen. Zum Abschluss erfolgt der Einsatz als Bereichsleiter, damit steigt die Verantwortung noch einmal. Bereichsleiter führen in der Regel sieben bis zehn Teamleiter. Begleitend dazu haben wir regelmäßig Schulungen und Kurse in der Führungsakademie, in denen die theoretischen Grundlagen für gute Führungsarbeit gelegt werden. Da treffen wir bayrischen Trainees dann auf die anderen Trainees der süddeutschen Bundesländer. Wir sind eine konstante Lerngruppe über die zwei Jahre.

Wie sind bei der Bundesagentur für Arbeit die Einarbeitung, die Betreuung und das Feedback durch die Vorgesetzten geregelt?

Ein durchgehendes und sehr wichtiges Begleitinstrument ist das Mentoring. Jeder von uns hat eine Agenturleiterin als Mentorin. Die Gespräche vereinbaren wir selbst und die sind vertraulich. Da kann man im geschützten Rahmen offen reden über Ärger bei der Arbeit und Unsicherheiten. Natürlich tauscht man sich auch über die schönen Erlebnisse aus. Es ist einfach gut, im Hintergrund eine erfahrene Führungskraft zu haben, die man immer anrufen kann. Ansonsten ist die jeweils höhere Führungskraft verantwortlich für die Feedbacks. Etwa monatlich findet ein Gespräch statt. Meine Vorgesetzten sind offen zu mir und bieten immer ihre Unterstützung an. Wenn ich ein Gespräch brauche, ist das immer möglich. Das ist eine gute Ausgangsbasis für die Arbeit. In meiner Teamleiterposition jetzt hatte ich eine Einarbeitung von etwa einem Monat – das war schon ganz luxuriös. Aber der Großteil ist learning by doing.

Wie intensiv ist der Kontakt zu den anderen Trainees bei der Bundesagentur für Arbeit?

In Bayern sind wir zu viert im Jahrgang. Der Kontakt ist sehr intensiv. Wenn einer etwas erfährt, schreibt er sofort eine Mail an die anderen. Wir stehen sehr eng zusammen und haben sogar schon ein privates Treffen mit unseren jeweiligen Partnern organisiert. Auch zu den Trainees aus der Lerngruppe in der Führungsakademie ist der Kontakt gut. Man sieht sich alle paar Monate und freut sich schon darauf, wieder zusammen zu sein. Mit der Zeit lernt man auch ehemalige Trainees kennen, die schon eine feste Anstellung haben. Das ist auch immer sehr interessant, von deren Erfahrungen zu hören. Demnächst lernen wir in Bayern auch die vier Trainees des Jahrgangs über uns kennen. Wie eng der Kontakt gerade im Regionaldirektionsbezirk ist, hängt aber von einem selbst ab. Wir vier pflegen den Kontakt sehr, auch weil diese drei Kollegen die einzigen sind, die über die zwei Jahre dieselben bleiben.

„Training-off-the-job“ vs. „Training-on-the-job“ – Wie ist das Verhältnis von Theorie und Praxis?

Am Anfang hatten wir schon ziemlich viele Schulungen, aber das nimmt im Laufe der Zeit ab. Die praktische Erfahrung steht ganz klar im Vordergrund. Die theoretische Ausbildung ist eine wichtige Grundlage, auf die man zurückgreifen kann, wenn die praktische Situation dann irgendwann kommt. Manchmal denke ich natürlich: „Oh, das hätte ich schon gerne früher theoretisch gelernt!“ Aber es ist ja klar, dass wir nicht sofort alle Inhalte am Anfang lernen. Die Herausforderung besteht jedenfalls darin, im Echtbetrieb zu arbeiten, also wirklich eine Stelle innezuhaben, die es gibt, und nicht nur mitzuarbeiten. Da fangen die Herausforderungen auch sofort an. Und das ist gut so!

Was sind deine wesentlichen Aufgaben und Tätigkeiten im Trainee-Programm?

Jetzt als Teamleiter gilt es, die Mitarbeiter so zu führen, dass sie gerne und erfolgreich arbeiten können. Ich muss entscheiden, wer welche Aufgabe im Team übernehmen soll und wer wie viele Kunden zu betreuen hat, damit es gerecht ist. Ich versuche, mich möglichst oft mit den Kolleginnen und Kollegen auszutauschen, um deren Stimmung mitzubekommen. Darüber hinaus gibt es regelmäßige Besprechungen, nicht nur mit meinem Team, sondern auch mit den anderen Teamleitern, um die Vernetzung im Hause sicherzustellen. Die Aufgaben sind insgesamt so vielfältig, dass der Tag immer schnell vorbei geht.

Wie hast du die Akzeptanz als Trainee in der Bundesagentur für Arbeit erlebt?

Ich bin bisher sehr offen aufgenommen worden. Ich weiß aber, dass einige Personen schon kritisch darauf schauen, dass man bereits nach zwei Jahren Bereichsleiter wird. Auf diese Einstellung muss man gefasst sein. Da braucht man einerseits ein gesundes Selbstbewusstsein und andererseits die Offenheit, in kurzer Zeit möglichst viel zu lernen.

Welche Eigenschaften sollte man deines Erachtens für die Trainee-Stelle bei Bundesagentur für Arbeit mitbringen?

Das Wichtigste ist die Freude daran, mit Mitarbeitern und Vorgesetzten zusammenzuarbeiten. Dazu gehört die Motivation von Menschen genauso wie die Frustrationstoleranz und Belastbarkeit beim Umgang mit ihnen. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass, wenn man als „Neuer“ den Kollegen freundlich begegnet, man schon viel erreichen kann. Außerdem braucht man ein recht hohes Maß an Flexibilität, weil man während des Trainee-Programms alle sechs Monate eine neue Arbeitsstelle einnimmt und das oft mit einem Zweitwohnsitz unter der Woche verbunden ist. Schön ist, dass man viele Kollegen auf allen Hierarchiestufen kennenlernt. Aber man hat auch regelmäßig neue Teams und neue Kolleginnen und Kollegen. Wissbegier, Lernbereitschaft und Freundlichkeit sind wohl das Wichtigste.

Wie empfindest du die Arbeitsatmosphäre bei der Bundesagentur für Arbeit?

In den Agenturen, in denen ich bislang war, war die Atmosphäre gut und es hat Spaß gemacht, zu arbeiten. Es waren beides Agenturen, die ziemlich gut bezogen auf die Ergebnisse dastehen. Das macht sicher vieles einfacher. Insgesamt stelle ich fest, wie anstrengend es für die meisten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ist, dass in kurzen Abständen immer neue Initiativen aufgelegt werden. Die BA unterliegt hier einer hohen Dynamik insbesondere des Arbeitsmarktes, der Politik wie auch der Gesetzgebung. Unter Umständen hat man in die eine Initiative vielleicht schon viel Energie gesteckt, die dann wieder so modifiziert wird, dass erneut viel Arbeit notwendig ist. Das ist nicht sehr motivierend. Ich erlebe aber auch, dass die Mitarbeiterzufriedenheit stärker im Fokus steht als vor ein paar Jahren. Ich selbst versuche als Führungskraft meine gute Laune bei der Arbeit weiter ins Team zu tragen, damit alle möglichst gerne zur Arbeit kommen.

Wie steht es mit dem Trainee-Gehalt bei der Bundesagentur für Arbeit?

Das ist echt erfreulich. Wir werden von Anfang an in die Tätigkeitsebene der Bereichsleiter eingruppiert. Das sind zurzeit etwas mehr als 3.500€ brutto monatlich. Das Gehalt ist nicht abhängig von den Leistungen, die wir bringen, sondern garantiert. Da kann man schon einiges mit finanzieren.

Ist der Arbeitsvertrag auf die Dauer des Trainee-Programms befristet?

Ja. Aber wir gehen davon aus, dass bei entsprechender Leistung eine Übernahme erfolgt. Es gibt natürlich keine Garantie. Wenn meine Leistung aber nicht ausreichen würde, dann bin ich sicher, dass meine Vorgesetzten frühzeitig darauf hinweisen würden, um gegebenenfalls noch etwas daran zu ändern.

Was war bisher dein persönliches Highlight in der Trainee-Ausbildung?

Ich bin sehr froh, dass wir vier Trainees in Bayern uns so gut verstehen und uns gegenseitig stärken. Das ist ganz wunderbar in einer Zeit, in der ich ständigen Veränderungen unterworfen bin. Im täglichen Geschäft gibt es ständig kleine Highlights, wenn irgendetwas doch auf einmal vorwärts geht. Zurzeit bin ich sehr dankbar für die Wertschätzung, die mir seitens der Teammitglieder und meiner Vorgesetzten entgegengebracht wird. Alles in allem also keine herausragenden Einzelerlebnisse, sondern eher gute Rahmenbedingungen!

Besonders reizvoll ist an diesem Programm, dass man in der recht kurzen Zeit von zwei Jahren eine solche Verantwortung übertragen bekommt. Ich merke bei mir selber, dass ich mich sehr schnell entwickeln muss – aber das klappt auch.

Über den Autor

Luise Koehler
Luise Koehler
Luise schreibt seit 2011 für TRAINEE-GEFLÜSTER und kümmert sich dabei um die Bedürfnisse, Interessen und Fragen junger Berufseinsteiger.

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Bettina wilde

Bettina Wilde

Trainee-Expertin, Redaktion TRAINEE-GEFLÜSTER

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