Befristeter Arbeitsvertrag für ein Trainee-Programm: Karrierestart auf Raten?

Da ist er, der langersehnte Vertrag für das Trainee-Programm – Unterschrift drunter und endlich safe? Leider bringt ein Vertrag nicht automatisch die erwünschte Sicherheit für die nächsten paar Jahre, denn in den meisten Fällen bieten Firmen ihren Trainees lediglich einen befristeten Arbeitsvertrag für die Dauer des Trainee-Programms an. Das zieht gesetzliche Besonderheiten nach sich. Wir beantworten dir die wichtigsten Fragen zum befristeten Vertrag, verraten dir, was du sonst noch in Sachen Arbeitsvertrag beachten solltest und nennen dir Trainee-Programme, bei denen du von Beginn an unbefristet eingestellt wirst.   

Inhaltsverzeichnis:

  1. Definition
  2. Grundsätzliche Gesetzliche Regelungen
  3. Kündigung von Unternehmensseite
  4. Kündigung als Trainee
  5. Probezeit
  6. Sonderfall Mutterschutz
  7. Vor Ablauf der Frist
  8. Trainee-Programme mit unbefristetem Vertrag
  9. Kündigung bei unbefristetem Vertrag
  10. Checkliste für Arbeitsverträge

Befristeter Vertrag – was heißt das genau?

Ein Trainee-Programm dauert in der Regel zwischen sechs und 24 Monaten. Das Ende des Trainee-Programms ist somit gleichzeitig das offizielle Ende der Beschäftigung bei der Firma. Dadurch, dass für das Trainee-Programm dieser feste Zeitraum veranschlagt ist, wird auch nur für genau diese Zeit ein Trainee-Vertrag abgeschlossen und ist somit befristet. Viele Unternehmen halten sich damit ein Hintertürchen offen, da sie so nicht zur Übernahme verpflichtet sind. In der Regel bereitet ein Trainee-Programm auf eine Festanstellung im Unternehmen vor, aber es gibt auch schwarze Schafe, die dich nur als günstige befristete Arbeitskraft wollen oder zum Beispiel für eine Festanstellung gleich mehrere Trainees gegeneinander antreten lassen.

Was sagt das Gesetz grundsätzlich zum befristeten Arbeitsvertrag?

Befristete Arbeitsverträge waren bis 2000 nicht einheitlich geregelt. Seit 2000 gibt es das Gesetz zur Teilzeitarbeit und Befristung (TZBfG), das bestimmte Richtlinien für die Zulässigkeit von befristeten Verträgen aufstellt.

Das Arbeitsrecht unterscheidet hierbei in erster Linie zwischen einer „Befristung mit Sachgrund“ (zum Beispiel vorrübergehender Zusatzbedarf an Arbeitskräften oder Schwangerschaftsvertretung) und der „kalendermäßigen Befristung“. Trainee-Programme sind meist kalendermäßig befristet, was eine befristete Beschäftigungsdauer von bis zu 24 Monaten ermöglicht. Grundsätzlich müssen in einem befristeten Arbeitsvertrag die Befristung und gegebenenfalls auch der Sachgrund in schriftlicher Form enthalten sein.

Kann ein befristeter Arbeitsvertrag gekündigt werden?

Die gesetzliche Kündigungsfrist für eine ordentliche Kündigung beträgt bei einem unbefristeten Arbeitsvertrag in den ersten Jahren der Betriebszugehörigkeit vier Wochen, sobald man sechs Monate in einem Unternehmen angestellt war. In der Probezeit ist aber auch eine kürzere Kündigungsfrist von lediglich zwei Wochen möglich. Auch die Dauer der Kündigungsfrist in der Probezeit wird innerhalb des Vertrags schriftlich dargelegt.

Für Kündigungen bei befristeten Arbeitsverträgen gelten andere Bestimmungen: Steht in dem Arbeitsvertrag des Trainees keine Kündigungsfrist, dann ist eine ordentliche Kündigung nicht zulässig. Da das Arbeitsverhältnis im Trainee-Vertrag befristet ist, ist eine Kündigung nach § 15 TZBfG nur dann zulässig, wenn sie vertraglich geregelt wurde. Ausnahme: Die Firma kann dem Trainee einen Vertragsbruch nachweisen, zum Beispiel bei einem Verstoß gegen die Verschwiegenheitsvereinbarung. In dem Fall handelt es sich um eine außerordentliche Kündigung.

Kann ich als Trainee kündigen?

Vorsicht: Auch du als Trainee kannst deinen befristeten Trainee-Arbeitsvertrag nicht einfach kündigen, wenn dir deine Arbeit nicht mehr gefällt. Gibt es innerhalb des befristeten Vertrags keine Regelung zur Kündigung, dann muss der Trainee die volle Vertragslaufzeit laut Gesetz ableisten. Ob dennoch eine Auflösung des Arbeitsvertrages erfolgt, liegt dann im Ermessungsbereich des Arbeitgebers.

Habe ich bei einer befristeten Trainee-Anstellung eine Probezeit?

Eine Probezeit kann, muss aber nicht, Bestandteil des befristeten Arbeitsvertrages sein. Hierbei kann der Arbeitgeber eine Zeitspanne zwischen einem Tag und maximal sechs Monaten festlegen, in der beide Seiten das Arbeitsverhältnis ohne rechtliche Hürden beenden können.

Gibt es Besonderheiten beim Mutterschutz?

Grundsätzlich gilt: Auch bei einem befristeten Arbeitsvertrag steht Frauen Mutterschutz zu – aber nur bis zum Ende der vertraglich vereinbarten Laufzeit. Das heißt zum Beispiel konkret: Dein Trainee-Programm geht vom 1.1. bis 31.12. desselben Jahres und du wirst in dieser Zeit schwanger, der Entbindungstermin liegt jedoch nach Ablauf des Trainee-Programms. Dann endet der Mutterschutz mit Lohnfortzahlungen, wenn das befristete Beschäftigungsverhältnis ausläuft, also dein Trainee-Vertrag am 31.12. endet.

Befristet arbeiten – und dann?

Läuft deine Trainee-Zeit ab, ist es wichtig, sich rechtzeitig zu informieren, wie es weitergehen soll. Bei Trainee-Programmen, die dich gezielt auf eine Zielposition vorbereiten, ist die Chance auf eine Übernahme sehr hoch. Auch bekommst du hier in der Regel regelmäßig Feedback und es werden Ziele definiert, sodass du merken solltest, wenn es nicht optimal für dich läuft. Anders sieht es aus, wenn Feedback und Weiterbildung eher dünn ausfallen oder es viele Trainees, aber nur wenige Vakanzen gibt. In dem Fall solltest du spätestens drei Monate vor Ablauf des befristeten Vertrages auf deinen Chef zugehen und klären, ob und wie es im Unternehmen für dich weitergeht. Achte auch auf Warnsignale und frage ehemalige Mitarbeiter, wie das Thema Übernahme nach dem Trainee-Programm in der Vergangenheit gehandhabt wurde. 

Wirst du nicht übernommen, dann pass auf, dass du ein gutes Zeugnis bekommst. Damit und einer Trainee-Ausbildung hast du gute Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Dennoch ist es sinnvoll, sich vorsorglich drei Monate vor Ende des Beschäftigungsverhältnisses bei der Arbeitsagentur zu melden, damit du im Fall der Fälle nahtlos Arbeitslosengeld erhältst. Steht fest, dass du nicht übernommen wirst, lässt du dir am besten noch eine Bescheinigung von deinem Chef geben, dass er als Arbeitgeber den Vertrag nicht verlängert hat. So bist du auf der sicheren Seite.

Jackpot: Trainee-Programme mit unbefristetem Vertrag oder hoher Übernahmequote

Es gibt Unternehmen, die bieten von Anfang an einen unbefristeten Arbeitsvertrag für Trainees an. Meistens sind das größere Firmen. Es kann aber auch sein, dass die Vertragsart Verhandlungssache ist und individuell entschieden wird. In der Regel erwartet dich nach dem Trainee-Programm eine Gehaltserhöhung, auch wenn der Vertrag ansich weiterläuft. Dies sollte dann im Vertrag festgehalten sein.

Andere Programme übernehmen fast alle ihre Trainees, was auch damit zusammenhängt, dass sie nach Bedarf einstellen, sodass immer eine Vakanz pro Trainee im Hintergrund wartet.

Hier findest du 15 Trainee-Programme, die von Beginn an einen unbefristeten Vertrag anbieten oder eine sehr hohe Übernahmequote vorweisen können.

ALBA Unbefristeter Vertrag, Dauer: 12 Monate
Beiersdorf Unbefristeter Vertrag, Dauer: 18 Monate
BMW Unbefristeter Vertrag, Dauer: 18 Monate
BRUNATA-METRONA Übernahmequote: 100 %, Dauer: 15 Monate
Daimler Unbefristeter Vertrag, Dauer: 15 -18 Monate
Dr. Oetker Unbefristeter Vertrag, Dauer 18 Monate
EDEKA Unbefristeter Vertrag, Dauer: 18 Monate
EY Unbefristeter Vertrag, Dauer: 19 Monate
Hubert Burda Media Übernahmequote: 90 % seit 1991, Dauer: 18 Monate
Nestlé Unbefristeter Vertrag, Dauer: 24 Monate
Sanofi Übernahmequote: über 90 %, Dauer: 24 Monate
Santander Übernahmequote: 90 %, 18 Monate
Tchibo Unbefristeter Vertrag, Dauer: 15 - 18 Monate
Unilever Unbefristeter Vertrag, Dauer: 24 - 38 Monate
VNR Übernahmequote: 90 %, Dauer: 12 Monate

Unbefristeter Vertrag – und was, wenn ich doch nicht will?

Da Trainees von Unternehmen gezielt ausgebildet werden, wollen diese die neuen Mitarbeiter danach gerne auch langfristig an sich binden. Schließlich wurde viel Geld und Zeit in Einarbeitung, Mentoring und Weiterbildung investiert. Es kann deshalb vorkommen, dass außergewöhnliche Kündigungsfristen vereinbart werden oder sonstige Klauseln wie zum Beispiel, dass du Fortbildungen selber zahlen musst, wenn du nach zu kurzer Zeit kündigst. Willst du früher aus deinem Vertrag raus, bist du auf einen Aufhebungsvertrag angewiesen und somit von der Gunst deines Unternehmens abhängig. Es ist auch möglich, dass dir hier Steine in Form von Bedingungen in den Weg gelegt werden.

Checkliste für Arbeitsverträge

Ob befristet oder unbefristet: Bevor du einen Vertrag unterschreibst, solltest du dir sicher sein, dass er dir nicht irgendwann um die Ohren fliegt, Nachteile bringt oder dir deine Zukunft verbaut. Auch ohne juristisches Fachwissen kannst du mithilfe der folgenden Punkte schon einmal überprüfen, ob dein Vertrag alle wichtigen Punkte behandelt und vollständig ist:

✓ Befristung: Selbstverständlich muss in deinem Trainee-Vertrag drinstehen, wie lange er gilt. Sollte ein längerer Zeitraum als 24 Monate festgelegt sein, ist das nicht rechtsgültig.

✓ Kündigungsfrist: Auch die Kündigungsfrist ist ein wichtiger Bestandteil des Arbeitsvertrags. Hier wird auch festgehalten, dass sie sich nach der Probezeit verlängert. Je länger man beim Unternehmen ist, desto länger wird die Kündigungsfrist. In der Probezeit kann die Kündigung jederzeit erfolgen, nicht zur zum 15. und zum Monatsende.

 Probezeit: Gibt es eine Probezeit und wenn ja, wie lange ist diese? Die gesetzlich festgelegte Dauer beträgt maximal sechs Monate. Verlängert werden kann sie, wenn Arbeitgeber und Arbeitnehmer das gemeinsam beschließen, aber dann wird wiederum die Verkürzung der Kündigungsfrist aufgehoben.

✓ Urlaub: Gesetzlich stehen dir bei einer Fünftagewoche lediglich 20 Urlaubstage zu. Das ist aber die Seltenheit – in der Regel werden dir 24 bis 30 Tage zugesprochen. Bei Trainee-Programmen kann es vorkommen, dass du während des Programms weniger Urlaub hast als danach bei demselben Unternehmen.

✓ Ablauf: Die einzelnen Stationen des Trainee-Programms sollten festgehalten werden. Wird das Festgehaltene nicht eingehalten: Zunächst das Gespräch mit dem Vorgesetzten suchen, dann schriftlich abmahnen, und im schlimmsten Fall darfst du kündigen.

 Arbeitsort: Du hast ein Trainee-Programm in Berlin ergattert, und plötzlich heißt es ab in die Uckermark mit dir? Das sollte so nicht laufen: Im Vertrag muss drinstehen, wo dein Arbeitsplatz ist. Sollte ein Einsatz an einem anderen Ort vorgesehen sein, darf dieser maximal eineinhalb Stunden Fahrzeit entfernt liegen. Anders sieht es aber aus, wenn das Unternehmen mehrere Niederlassungen hat, dann gibt es oft die sogenannte Versetzungsklausel, die jedoch auch im Arbeitsvertag stehen muss. 

 Arbeitszeit: Bei manchen Firmen wird die Arbeitszeit genau dokumentiert, andere setzen auf die sogenannte Vertrauensarbeitszeit. Manchmal ist es möglich, Überstunden auszugleichen oder ausgezahlt zu bekommen. Manchmal steht jedoch im Vertrag, dass soundsoviel Prozent Überstunden mit dem Gehalt abgeglichen sind. Das ist jedoch nicht rechtsgültig!

 Gehalt: Natürlich muss das Gehalt drinstehen in deinem Arbeitsvertrag als Trainee. Das heißt, dass auch festgehalten wird, wenn du nach der Probezeit mehr bekommst oder dir eine Gehaltserhöhung nach einem Jahr als Trainee versprochen wurde.

Bei Zweifeln und Unklarheiten in Zusammenhang mit jedem Arbeitsvertrag ist es grundsätzlich ratsam, frühzeitig fachmännischen juristischen Rat einzuholen, um Missverständnisse und späteren Ärger zu vermeiden.

Die Krux bei jedem Vertrag: Oft ist es nur eine Sache der Formulierung, die haarscharf an der Legalität vorbeigehen kann. Dazu zählen zum Beispiel folgende Grenzfälle:

Der Arbeitnehmer verpflichtet sich, gegebenenfalls auch anderweitige zumutbare Tätigkeiten zu übernehmen, gegebenenfalls auch an einem anderen Ort. 

Hier muss festgehalten werden, dass die Arbeit gleichwertig sein muss und die Interessen des Arbeitnehmers gewahrt werden.

Überstunden sind mit dem Gehalt abgegolten. 

Hier muss definiert sein, wie viele Überstunden mit welchem Gehalt abgegolten werden.

Der Arbeitnehmer ist über das Beschäftigungsverhältnis an das Konkurrenzverbot gebunden. 

Das ist nur möglich, wenn eine dementsprechende Vereinbarung über maximal zwei Jahre getroffen wurde.

Du willst mehr erfahren?

>> Wenn du mehr über einzelne Trainee-Programme und darüber, wie Unternehmen das Thema Vertrag und Übernahme bei Trainees handhaben, wissen möchtest: Wir haben recherchiert und aktuelle Infos in unserer Rubrik Trainee-Programme zusammengetragen.

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Über den Autor

Bettina Wilde
Bettina Wilde
Bettina Wilde ist seit 2015 für das Content Team von TRAINEE-GEFLÜSTER an Bord. Als studierte Germanistin und Trainee-Expertin schreibt sie für ihr Leben gern und kümmert sich um alle wichtigen Fragen rund um das Thema Berufseinstieg.

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Bettina wilde

Bettina Wilde

Trainee-Expertin, Redaktion TRAINEE-GEFLÜSTER

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