Assessment Center: Was ist das und was erhoffen sich Unternehmen davon?

Hier wird viel investiert: Fehlentscheidungen bei der Bewerberauswahl kosten Zeit und Geld und können auf lange Sicht sogar den Unternehmenserfolg gefährden. Aus diesem Grund sind Personalauswahlprozesse – gerade auf für die Auswahl von Nachwuchskräften wie Trainees – unternehmensintern von besonderer Bedeutung. 

Für diese schwerwiegende Entscheidung eignet sich besonders das Assessment Center. Was das genau ist und was dich dort erwartet, erfährst du hier. Außerdem erklärt Diplom-Psychologin und Personalberaterin Kristina Dinger von Beckhäuser Personal & Lösungen, was sich Unternehmen vom Assessment Center erhoffen und was dieses für klare Vorteile hat.



Inhalt:

  1. Was passiert im Assessment Center?
  2. Was erhoffen sich die Unternehmen davon?

Was passiert im Assessment Center?

Definition Assessment Center

Gerade für die Vergabe von Trainee-Stellen bietet sich für Personaler mit einem Assessment Center die Möglichkeit, nur Spitzennachwuchs zu rekrutieren, der sich später auch für Führungspositionen eignet. Eine Trainee-Ausbildung ist teuer – gerade deshalb wird Wert auf Nachhaltigkeit bei der Bewerberauswahl gelegt. Das klassische Assessment Center ist je nach Ausgestaltung eine relativ zuverlässige Methode, um Bewerber intensiv einer Persönlichkeitsprüfung zu unterziehen. Dabei kommt es vor allem darauf an, Situationen zu simulieren, die den Arbeitsalltag widerspiegeln. Im Vordergrund stehen dabei die sogenannten Soft Skills. Ein Assessment Center kann sich über mehrere Tage erstrecken und beinhaltet verschiedene Aufgaben und Übungen, bei denen die Kandidaten auf die Probe gestellt werden.

Typische Aufgaben im AC

Die Aufgabe, die dich im Assessment Center erwarten, dienen unterschiedlichen Zwecken und testen jeweils bestimmte Bereiche der sozialen, kommunikativen oder methodischen Kompetenz eines Bewerbers.

  • Meistens beginnt ein Assessment Center mit der Selbstpräsentation der Bewerber, bei der du innerhalb einer kurzen Zeit vor der Gruppe deinen Werdegang und deine Motivation beschreiben musst.
  • Dem folgen häufig eine oder mehrere Gruppendiskussionen, bei denen du gemeinsam mit anderen Bewerbern ein kontroverses Thema diskutierst.
  • Der Klassiker unter den Assessment Center Aufgaben ist die Postkorbübung, bei der du unter großem Zeitdruck eine bestimmte Anzahl von Dokumenten abarbeiten musst.
  • Eine weitere häufig angewandte Übung ist das Rollenspiel, in der Regel ein Zweiergespräch mit dir als Vorgesetztem. Hier wird beispielsweise ein Mitarbeiter- oder Verkaufsgespräch simuliert.
  • Die Präsentation eines vorbereiteten Themas stellt oftmals die vierte Möglichkeit der Aufgaben dar, sich als Bewerber vorzustellen. Das Thema der Präsentation kann sowohl vorgegeben als auch frei wählbar sein.
  • Eine andere Variante ist die Fallstudie, bei der du ein firmen- oder branchenspezifisches Problem analysierst und löst.

>> Hier findest du alle wichtigen Assessment Center Aufgaben sowie Tipps und Beispiele zur optimalen Vorbereitung!

Pausen zwischen den Aufgaben nutzen

Da ein Assessment Center ein hohes Maß an Konzentration verlangt und oftmals sehr komplexe Anforderungen stellt, sind die Pausen zwischendurch sehr wichtig. Doch auch hier solltest du immer auf der Hut sein, denn Personaler nutzen diese Gelegenheit gerne, um zum Beispiel das Benehmen und die Kommunikation bei Tisch unter die Lupe zu nehmen. Das ist zwar nicht immer so, aber trotzdem empfiehlt es sich, dein Auftreten sowie deine Aussagen immer zu kontrollieren. Umso wichtiger ist es, ausgeruht und fit zum Assessment Center Termin zu erscheinen. Auf verfängliche Themen wie Religion und Politik sowie Alkohol solltest du im Zweifel besser verzichten.

Was erhoffen sich Unternehmen davon?

Assessment Center schließt Lücke zwischen Theorie und Paxis

Eine beeindruckende Bewerbung und ein Vorstellungsgespräch vermitteln zwar einen ersten Eindruck von der Person des Bewerbers, überlassen es jedoch zumeist der Fantasie des Beurteilers, sich vorzustellen, wie diese Person im entsprechenden Arbeitsumfeld handeln würde. Um diese Lücke zwischen Theorie – also dem, was der Bewerber erzählt – und Praxis – also dem tatsächlichen Arbeitsverhalten – besser zu schließen, sind Assessment Center ideal. Sie simulieren alltägliche oder besonders herausfordernde Arbeitssituationen und ermöglichen so, das tatsächliche Verhalten des Bewerbers in der späteren Arbeitsumgebung besser einzuschätzen. Grundlage dafür ist die Annahme, dass das im Assessment Center gezeigte Verhalten dem zukünftigen Verhalten im Unternehmen entspricht. Es werden nicht nur vorhandene Kenntnisse und Fähigkeiten überprüft, sondern auch die Fähigkeit der Bewerber, diese arbeitsbezogen einzusetzen.

Bessere Vorhersagequalität rechtfertigt den hohen Aufwand

Natürlich kann in einem solchen Verfahren niemals die Realität perfekt simuliert werden. Die größere Annäherung an den Arbeitsalltag im Gegensatz zu schriftlichen Unterlagen und Interviews kann jedoch die Vorhersagequalität erheblich verbessern. Dies rechtfertigt in den Augen der Unternehmen oftmals den höheren Aufwand, den ein solches Auswahlverfahren erfordert. Dieser entsteht beispielsweise dadurch, dass für eine professionelle Durchführung und Auswertung eines Assessment Centers qualifizierte und erfahrene Organisatoren und Beobachter wie zum Beispiel Psychologen notwendig sind. Beobachter, die aus den Reihen des Unternehmens kommen, sollten vorab ausführlich geschult und auf ihre Aufgabe vorbereitet werden.

Berufsalltagsnahe Personalauswahl

Die Vorteile des Assessment Centers für Unternehmen sind vielfältig. An erster Stelle steht sicherlich die Möglichkeit, in der Personalauswahl und auch Personalentwicklung durch Alltagsnähe der Aufgaben, erhöhte Vergleichbarkeit der Bewerber und erschwerte Manipulation der Auswahl durch die Kandidaten bessere und schnellere Entscheidungen zu treffen. Die gemeinsamen Entscheidungen der Beobachter sind für alle bindend und auch später gut nachvollziehbar. Dies ist vor allem ein Vorteil hinsichtlich des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes (AGG). Das Assessment Center erlaubt eine transparente Dokumentation der Kandidatenleistungen und Entscheidungen, sodass eine Auswahl allein aufgrund fachlicher und sozialer Kompetenzen nachgewiesen werden kann. Außerdem trainieren die Beobachter aus dem Unternehmen, die für das Assessment Center geschult werden, ihre Fähigkeiten bzw. ihre Sensibilität bezüglich der Verhaltensbeobachtung und Leistungsbeurteilung. So steigt die Qualität der internen Beurteilungsprozesse im Unternehmen.

Aber auch für dich als Kandidaten bietet das Assessment Center einige Vorteile, die hier nicht unerwähnt bleiben sollen: Im Gegensatz zu schriftlichen Unterlagen und auch dem klassischen Vorstellungsgespräch kannst du hier zeigen, was du praktisch kannst. Du musst dich nicht auf mündliche Schilderungen deiner Kompetenzen verlassen, sondern kannst diese unter Beweis stellen und dich damit von anderen Bewerbern positiv abheben.

Schnelle und transparente Entscheidung

Die schnellere und transparentere Entscheidung der Beobachter ist ein weiterer großer Vorteil. Du kannst nachvollziehen, warum eine Entscheidung für dich oder einen anderen Bewerber gefallen ist, und profitierst vom unmittelbaren Feedback zu deinen Stärken und Entwicklungsmöglichkeiten, die du anschließend leichter und realistischer einschätzen kannst.

Zum Weiterlesen:

>> Ran an den Speck: Bewirb dich jetzt auf ausgezeichnete Trainee-Programme mit Zukunftsperspektive!
>> Nicht nur du musst das Unternehmen überzeugen, sondern auch umgekehrt: So erkennst du ein gutes Trainee-Programm!

Über den Autor

Bettina Wilde
Bettina Wilde
Bettina Wilde ist seit 2015 für das Content Team von TRAINEE-GEFLÜSTER an Bord. Als studierte Germanistin und Trainee-Expertin schreibt sie für ihr Leben gern und kümmert sich um alle wichtigen Fragen rund um das Thema Berufseinstieg.

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Bettina wilde

Bettina Wilde

Trainee-Expertin, Redaktion TRAINEE-GEFLÜSTER

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